Scapa verlässt Rorschach

Im Herbst kommenden Jahres wird der Schweizer Standort des britischen Scapa-Konzerns, der Klebebänder herstellt, geschlossen. Die Gewerkschaft Unia kritisiert den Entscheid.

Thomas Griesser Kym
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Der Rorschacher Betrieb der Scapa (Schweiz) AG auf dem Areal der ehemaligen Feldmühle. (Bild: Peer Füglistaller)

Der Rorschacher Betrieb der Scapa (Schweiz) AG auf dem Areal der ehemaligen Feldmühle. (Bild: Peer Füglistaller)

RORSCHACH. Der Betrieb der Scapa (Schweiz) AG ist «sehr profitabel». Das sagt Anke Gähme, Leitern der Sektion St. Gallen-Appenzell der Gewerkschaft Unia. Ausserdem erbringe die Belegschaft eine «sehr gute Leistung». Umso grösser ist nun die Enttäuschung unter den 71 Beschäftigten, dass die Konzernleitung der Scapa-Gruppe mit Hauptquartier in Manchester beabsichtigt, den Rorschacher Betrieb per Ende September 2016 zu schliessen. Standortleiter Sandro Pellegrino spricht von einem «strategischen Entscheid» der britischen Muttergesellschaft. Diese halte den Standort Schweiz «längerfristig für nicht überlebensfähig».

Verlagerung nach Frankreich

Die Rorschacher Produktion soll ins Scapa-Werk im französischen Valence verlagert werden, um dessen Kapazität besser auszulasten. Das würde es folglich ermöglichen, die Fixkosten auf höhere Volumen zu verteilen und so den Gewinn zu maximieren. Zudem sind die Produktionskosten in Frankreich generell tiefer als in der Schweiz, deren Exportindustrie darüber hinaus unter der Frankenstärke leidet. Die Scapa (Schweiz) AG exportiert 90% ihrer Erzeugnisse wie zum Beispiel Klebebänder für den Flexodruck, Schutzfolien für Ski oder Dampfsperrbänder. Die meisten Ausfuhren gehen in den Euroraum, ein Teil wird aber auch nach Südamerika, Südafrika und Asien geliefert.

Rettungsplan ist vom Tisch

Die Unia kritisiert die beabsichtigte Schliessung. Laut Gähme sowie Peter Kuratli, Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA), hatte das Rorschacher Management in den vergangenen Wochen im Rahmen des Konsultationsverfahrens einen Plan für ein Management-Buy-out erarbeitet. In dessen Rahmen hätte man das Werk Rorschach laut Gähme mit zwei Dritteln der Arbeitsplätze erhalten können. Der Plan sei aber an «völlig überrissenen Preisvorstellungen» der Konzernleitung gescheitert. Gähme nennt die Haltung der Scapa-Gruppe «verantwortungslos». In der Mitteilung der Scapa heisst es, sie habe «einen Alternativvorschlag» zur Schliessung erhalten. Dieser sei vom Verwaltungsrat der Scapa (Schweiz) AG, in dem britische Manager das Sagen haben, geprüft, aber verworfen worden. Kuratli sagt, er bedauere die angekündigte Schliessung, müsse «den unternehmerischen Entscheid aber doch akzeptieren».

Die Unia hofft bis zuletzt

Gähme lobt das Management um Pellegrino für das Buy-out-Angebot sowie den Rorschacher Stadtpräsidenten Thomas Müller und das AWA für ihre Unterstützung. Laut Scapa ist ein Sozialplan in Arbeit. Dieser soll Hilfe enthalten für die Mitarbeitenden, darunter viele Angelernte, bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen, in Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretungen und dem AWA. Dieses will laut Kuratli in den nächsten Tagen seine Dienstleistungen für die Beschäftigten planen und mit der Firma abstimmen. Denkbar sind auch Frühpensionierungen. Laut Gähme ist ferner eine Bleibeprämie vorgesehen, denn die Scapa (Schweiz) AG soll ihre Produktion möglichst bis zur beabsichtigten Schliessung in gut 15 Monaten aufrechterhalten. Noch hat Gähme die Hoffnung nicht aufgegeben: «Solange das Unternehmen produziert, besteht noch die Chance auf eine Nachfolgelösung.»