Scapa am Anfang vom Ende

Die Verlagerung der Produktion der Scapa von Rorschach nach Frankreich hat begonnen. Derweil gewährt die britische Muttergesellschaft Einblick in Kosten und Nutzen des Transfers.

Thomas Griesser Kym
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Klebebänder für den Flexodruck, Ski-Schutzfolien oder Dampfsperrbänder: All diese Scapa-Produkte werden von Rorschach ins Ausland verlegt. (Bild: Peer Füglistaller)

Klebebänder für den Flexodruck, Ski-Schutzfolien oder Dampfsperrbänder: All diese Scapa-Produkte werden von Rorschach ins Ausland verlegt. (Bild: Peer Füglistaller)

RORSCHACH. Vergangene Woche sind aus der Scapa-Fabrik in Rorschach die ersten Anlagen abtransportiert worden. «Drei Schneideanlagen sind weg, nichts Grosses», sagt Standortleiter Gwen Aubry. «Dennoch war es ein einschneidendes Erlebnis. Denn erstmals ist das bevorstehende Aus des Werks sichtbar geworden.»

Einsparungen und Sonderlasten

Dieses Aus kommt wie geplant per Ende September. Die britische Scapa Group, der das Werk in Rorschach gehört, hatte dessen Schliessung Mitte vergangenen Jahres angekündigt (vgl. Ausgabe vom 6. Juni 2015). Die gesamte Produktion der Klebebänder, Schutzfolien, Dampfsperrbänder usw. wird an andere Scapa-Standorte verlagert, vor allem ins französische Valence. Im Bericht zum 1. Semester (per Ende September 2015) des Geschäftsjahres 2015/16 legt die Scapa Group offen, wie viel der Transfer bringen soll: Kosteneinsparungen von jährlich 2 Mio. £ (gut 2,7 Mio. Fr.). Vorerst aber ist das Projekt mit Aufwendungen verbunden. Im Semester hat die Scapa Group 119 Mio. £ umgesetzt, 4% mehr als in der Vorjahresperiode. Der operative Gewinn vor Sonderposten stieg von 8,5 Mio. auf 10 Mio. £. Nach Sonderposten hingegen sank er von 7,4 Mio. auf 4,1 Mio. £.

Areal wird zum Verkauf gestellt

Hauptgrund: Der Rechnung sind 4,9 Mio. £ (6,7 Mio. Fr.) an ausserordentlichen Aufwendungen im Zusammenhang mit der Schliessung in Rorschach belastet worden, davon 3,4 Mio. £ als Schliessungskosten und 1,5 Mio. £ als Abschreibungen auf Maschinen und Anlagen, welche die Scapa Group nicht mehr gebrauchen kann. Unter dem Strich soll das ganze Projekt dennoch einen Mittelzufluss generieren. Denn die Scapa Group will das Grundstück von 28 000 m2 (entsprechend vier Fussballfeldern) und die Gebäude, die eine Fläche von 18 000 m2 belegen, verkaufen. Als Erlös schweben der Scapa Group 5 Mio. bis 7 Mio. £ vor, also bis zu annähernd 10 Mio. Franken.

Vorläufig aber produziert das Werk noch auf Hochtouren. «Die wichtigen Anlagen samt der Beschichtung sind weiterhin hier und bleiben bis zum Schluss», sagt Aubry, der seit acht Jahren im Betrieb ist und diesen seit des Abgangs seiner Vorgängers Sandro Pellegrino vergangenen September leitet. «Wir sind sehr stark ausgelastet, auch das wird bis zum Ende so sein», sagt Aubry. Am Schliessungsentscheid werde aber «leider nicht» gerüttelt. Denn das Ansinnen der Scapa Group ist klar: «Die Rendite des eingesetzten Kapitals maximieren», heisst es im Semesterbericht. Deshalb wird die Produktion von der Schweiz nach Valence verlagert, was das dortige Werk bei tieferen Produktionskosten besser auslastet und das im Euroraum liegt.

Bleibeprämie für Belegschaft

Bei der Ankündigung der Schliessung in Rorschach Mitte 2015 hatte die Scapa hier noch 71 Mitarbeitende, jetzt sind es laut Aubry noch «etwas über 60. Ein paar haben schon eine neue Stelle gesucht und gefunden», sagt er. «Der grösste Teil aber will bleiben bis zum Schluss.» Diesen Mitarbeitenden zahlt das Unternehmen auch wie in Aussicht gestellt eine Bleibeprämie, wie Aubry bestätigt. Für die Zeit nach Scapa hat man mit einer Outplacement-Beratung begonnen, und auch das Amt für Arbeit des Kantons St. Gallen hat kürzlich im Betrieb informiert.

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