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Verlagerung der Stickmaschinen von Arbon nach China: Saurer folgt den Schiffli-Stickern

Mengenmässig hat sich das Zentrum der Textilindustrie nach Asien verschoben. Das gilt auch für Stickereien und ist ein Grund, warum Saurer die Produktion der Stickmaschinen nach China verlegt. In Arbon gehen bis zu 35 der 105 Stellen verloren. Hier bleiben sollen Forschung und Entwicklung.
Thomas Griesser Kym
Stickerei auf einer Saurer-Maschine. Die Nachfrage ist rückläufig. (Bild: Trix Niederau)

Stickerei auf einer Saurer-Maschine. Die Nachfrage ist rückläufig. (Bild: Trix Niederau)

Eine Ära geht zu Ende. 1869 baute Franz Saurer die erste Handstickmaschine, 1878 folgte die erste Schiffchenstickmaschine. Danach entwickelt sich die Firma Saurer über die Jahrzehnte zum grössten Stickmaschinenhersteller der Welt und dank zugekaufter Expansion ins Spinnen und Zwirnen zu einem der bedeutendsten Textilmaschinenkonzerne generell. 1995 läutet Saurer mit der Epoca eine neue Epoche im Bau von Grossstickmaschinen ein. Die Produktion ist stets in Arbon gehalten worden, auch als Saurer übernommen wird, zunächst 2007 von Oerlikon und 2013 von Jinsheng aus China.

Doch nun sehen Saurer respektive die chinesischen Hauptaktionäre den Zeitpunkt ge­kommen, die Geschäftseinheit Embroidery (Stickerei) neu auszurichten. Gestern gab Saurer den Plan bekannt, bis Ende Jahr «Teile der Produktion der Stickmaschinen» von Arbon an den Gruppenstandort Suzhou in China zu verlagern. Davon betroffen seien bis zu 35 Stellen. Betriebsbedingte Kündigungen können laut Mitteilung «wahrscheinlich kaum mehr vermieden werden». Das genaue Ausmass ist noch unklar.

Abbau in der Produktion, Aufbau in der Technologie

Momentan beschäftigt Saurer in Arbon noch 105 Personen im Stickmaschinengeschäft, hinzu kommen 40 Beschäftigte in Gruppenfunktionen in Arbon sowie am Hauptsitz in Wattwil. In Arbon erhalten bleiben Forschung und Entwicklung und in diesem Zusammenhang das im vergangenen Jahr aufgebaute Saurer Technology Center. 2018 wurden im Technology Center sowie in den Bereichen IT, Sensoren und Automation total 38 neue Stellen geschaffen. Auch Geschäftsleitung, Administration, Einkauf, Qualitätssicherung usw. sollen in der Ostschweiz bleiben, wie Saurer-Sprecherin Simona Gambini sagt. Im Klartext: Der eigentliche Bau der Maschinen ist bald passé.

Den Angaben zufolge hat Saurer mit der Personalvertretung und unter Beizug der Gewerkschaften ein Konsultationsverfahren eingeleitet. In dessen Rahmen kann die Belegschaft etwa bis Ende Monat Vorschläge einbringen, um den Stellenabbau zu vermeiden oder zu mindern. Das Communiqué Saurers gibt diesbezüglich allerdings wenig Anlass zu Hoffnung. So sei die Nachfrage nach hochwertiger Stickerei seit einigen Jahren rückläufig, und eine nachhaltige Erholung zeichne sich nicht ab.

«Sehr verantwortungsbewusst»

Mit der geplanten Verlagerung ins chinesische Werk werde Produktionskapazität effizienter genutzt, und man rücke näher an die Kunden. Wegen des Strukturwandels und der Überkapazität könne Saurer das Stickmaschinengeschäft «seit geraumer Zeit nicht mehr rentabel» führen, und dies trotz wiederholter Kurzarbeit, Überprüfung von Investitionen, Reduzierung externer Verträge sowie Abbaus von Ferien und Mehrstunden. In China dürfte Saurer folglich die Produktion an die Nachfrage anpassen, und die Arbeitskosten sind dort tiefer.

Über den Abbauplan in der Arboner Produktion sagt Unia-Gewerkschafterin Anke Gähme: «Das ist nicht schön, aber Saurer geht sehr verantwortungsbewusst damit um, ist auf möglichst sozialverträgliche Lösungen bedacht und richtet sich gut für die Zukunft aus.»

Ein Milliardenkonzern mit mehreren tausend Beschäftigten

Die Saurer-Gruppe hat weltweit gut 4300 Mitarbeitende an Standorten in Europa, Lateinamerika, Asien und den USA. 2017 betrug der Umsatz etwa 1,25 Milliarden Franken. Im ersten Halbjahr 2018 gelang ein Umsatzsprung von 14 Prozent, und der Gewinn vor Steuern erreichte gut 12 Prozent des Umsatzes.

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