Satellit vom Bodensee beobachtet die Ozeane – 400 Millionen-Projekt für Klimaforschung

Schmelzende Polkappen, Anstieg des Meeresspiegels: Im Zuge des Klimawandels drohen für Mensch und Umwelt grosse Gefahren. Ein neuer Satellit soll nun die Ozeane beobachten.

Stefan Borkert, dpa
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Technik vom Bodensee erforscht im All die Meeresspiegel.

Technik vom Bodensee erforscht im All die Meeresspiegel.

Airbus

Der Satellit Sentinel 6 Michael Freilich, der die Ozeane der Erde beobachten und kartieren soll, ist erfolgreich ins All gestartet. Er hob an Bord einer Falcon 9 Trägerrakete des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien ab. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa übertrug den Start live auf ihrer Webseite.

Der Satellit ist bei Airbus in Immenstaad am Bodensee gebaut worden. Zusammen mit einem weiteren Satelliten beträgt das Volumen des Auftrags gegen 400 Millionen Euro. Zunächst war der Start schon am 10. November geplant und musste auf das vergangene Wochenende verschoben werden.

Meeresspiegel vermessen

Der Satellit soll die Veränderungen des Meeresspiegels als schwerwiegende Folge des Klimawandels akkurat vermessen und Informationen für Wettervorhersagen liefern. Die Mission ist eine Kooperation der Nasa, der Europäischen Weltraumorganisation Esa, der meteorologischen Satellitenagentur Europas, Eumetsat, und der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA. Im Rahmen des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus soll der Satellit von einem Kontrollzentrum bei Eumetsat von Darmstadt aus gesteuert werden.

Bereits drei Tage nach dem Start will Eumetsat damit beginnen, die ersten Daten zu verarbeiten. Die Wissenschafter rechnen mit Messungen «von bisher unerreichter Genauigkeit», sagte Eumetsat-Generaldirektor Alain Ratier in einer Mitteilung. «Dadurch wird eine exaktere Vorhersage von Extremwetterereignissen und bestimmten klimatischen Bedingungen ermöglicht, die stark von den Meeren beeinflusst werden, wie Hitzewellen, tropische Wirbelstürme und ungewöhnlich warme oder kalte Sommer und Winter.»

Der Satellit scannt den Angaben zufolge innerhalb von zehn Tagen 95 Prozent der globalen Meeresoberfläche - aus einer Höhe von mehr als 1300 Kilometern mit einer Genauigkeit unter einem Millimeter.

Zweiter Satellit 2025

Nach «Sentinel 6 Michael Freilich» soll 2025 ein zweiter, identischer Satellit ins All geschossen werden. Der Satellit ist nach dem kürzlich verstorbenen Michael H. Freilich, ehemaliger Direktor der Nasa-Erdbeobachtungsabteilung, benannt.