«Sanatorium für die Welt»

Unter dem Eindruck der Finanz- und Wirtschaftskrise reisen 43 Staats- und Regierungschefs ans Weltwirtschaftsforum nach Davos. Die Veranstalter sprechen vom anspruchsvollsten Forum bisher.

Denise Lachat
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Klaus Schwab: «Wir können die Probleme nur gemeinsam lösen.»

Klaus Schwab: «Wir können die Probleme nur gemeinsam lösen.»

Genf. Parties, entgegnete Klaus Schwab gestern auf eine Frage, gehörten ohnehin nicht zum offiziellen Rahmenprogramm des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Doch für die Teilnehmer gelte es dieses Jahr mehr denn je, die Ärmel hochzukrempeln. «2009 wird das komplexeste und anspruchsvollste WEF aller Zeiten», sagte der Gründer und Direktor des WEF in Genf bei der Vorstellung des Tagungsprogramms. Unter dem Eindruck der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise haben 700 Spezialisten den Anlass in Davos vorbereitet, so viele wie nie zuvor, und auch die rekordhohe Zahl der Teilnehmenden zeigt laut Schwab, dass die Probleme «so komplex sind, dass wir sie nur gemeinsam lösen können».

«Auf der Intensivstation»

Die Krise sei schwierig zu verstehen, weil viele Faktoren zusammenspielten. Neben der Finanz- und Immobilienkrise diagnostiziert Schwab einen zyklischen Abschwung und eine Systemkrise. «Die bisherigen Lösungen helfen uns nicht weiter.» In erster Linie gelte es nun, wieder Vertrauen zu schaffen. Auch das WEF, das sich als weltweite Plattform und Wegbereiter für Ideen und Strategien versteht, hat für die Erschütterung nur sehr beschränkt als Seismograph gewirkt. Schwab verweist zwar auf einzelne Warner wie George Soros, räumt aber ein, dass niemand diese Stimmen genügend ernst genommen hat. Einzelne Akteure hätten das System missbraucht, so dass die Welt «auf der Intensivstation» gelandet sei. Diese Patientin soll in Davos ein Stück weit gesunden, wie die WEF-Macher hoffen. «Wir haben zwar keinen Zauberstab zur Hand», sagte Schwab in Anspielung auf Thomas Manns «Zauberberg», der in Davos spielt. «Doch das WEF soll für die Welt ein Sanatorium sein.»

Obama entsendet Rumpfteam

Zum Aufenthalt im «Sanatorium» angemeldet haben sich gut 2500 Teilnehmende aus fast 100 Ländern, darunter 43 Staats- und Regierungschefs. Das zentrale Thema, «Die Welt nach der Krise gestalten», spiegelt sich auch in der Zahl der 1400 Konzernchefs, die nach Davos reisen; laut den Veranstaltern sind das mehr denn je seit der Gründung des WEF im Jahr 1971. Neben den Wirtschaftskapitänen (56% aller Teilnehmenden) haben auch 17 Finanz- und 20 Handelsminister sowie 19 Notenbank-Vertreter ihr Kommen angekündigt. Etwas grösser als in früheren Jahren ist die Deputation aus den USA, unter anderem mit Al Gore und Bill Clinton. Von Obamas neuer Regierung nehmen allerdings lediglich Lawrence Summers, Leiter des Wirtschaftsrats, und Sicherheitsberater James Jones teil. Zugesagt haben der russische Premier Wladimir Putin, der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.

Ein weiterer WEF-Schwerpunkt ist die Klimapolitik. In Davos soll der für Dezember geplante Klimagipfel in Kopenhagen vorbereitet werden. Auch der Krieg in Gaza wird zur Sprache kommen, jedoch ohne die Teilnahme der Palästinenser. «Das ist eine Enttäuschung», räumte Schwab ein.

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