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Sammelklagen gegen VW von US-Pensionsfonds

BRAUNSCHWEIG. Einer der grössten US-Pensionsfonds und weitere institutionelle Anleger haben wie angekündigt Volkswagen wegen des Abgasskandals auf Schadensersatz verklagt.
Martin Winterkorn Ex-Volkswagenchef (Bild: epa)

Martin Winterkorn Ex-Volkswagenchef (Bild: epa)

BRAUNSCHWEIG. Einer der grössten US-Pensionsfonds und weitere institutionelle Anleger haben wie angekündigt Volkswagen wegen des Abgasskandals auf Schadensersatz verklagt.

Die Anwaltskanzlei Quinn Emanuel teilte gestern mit, im Namen des Pensionsfonds für Lehrer in Kalifornien und weiterer Investoren Klage beim Landgericht Braunschweig eingereicht zu haben. Von VW begangene Verstösse gegen die kapitalmarktrechtliche Publizitätspflicht hätten bei den Mandanten zu Verlusten in zwei– bis dreistelliger Millionenhöhe geführt.

Nicht rechtzeitig informiert

Der grösste europäische Autobauer VW habe den Kapitalmarkt nicht rechtzeitig informiert und durch die Abgasmanipulation bei rund 11 Mio. Fahrzeugen weltweit Milliarden an Marktkapitalisierung der VW-Aktien vernichtet. Die von Quinn Emanuel vertretenen langfristig orientierten Anleger hätten VW-Aktien zu einem überhöhten Preis gekauft.

Falsche und irreführende Erklärungen sowie Auslassungen des Unternehmens wirft auch die Kanzlei Labaton Sucharow VW vor. Sie hätten dazu geführt, dass die Bonds zu künstlich aufgeblasenen Preisen gehandelt worden seien, nur um dann nachzugeben, nachdem der Abgasskandal publik gemacht worden sei. Für Anleihegläubiger, die zwischen dem 23. Mai 2014 und dem 22. September 2015 Bonds kauften, fordert sie im Namen des Pensionsfonds für Angestellte der US-Stadt Boston Schadensersatz. Die Klage wurde bei einem US-Bezirksgericht in Kalifornien eingereicht.

Der deutsche Konzern hatte am 20. September auf Druck der US-Umweltbehörden öffentlich zugegeben, Abgaswerte durch eine illegale Software manipuliert zu haben. Nach dem Geständnis brach die VW-Aktie um 20 Prozent ein.

Test für Kapitalmarktrecht

Die Anlegerklagen gegen VW seien ein Lackmustest für das deutsche Kapitalmarktrecht, erklärte Nadine Herrmann, Anwältin der Kanzlei Quinn Emanuel. «Wenn es je einen Skandal gegeben hat, der eine nachhaltig spürbare Durchsetzung von Anlegerrechten im Bereich der Anlasspublizität erfordert, dann ist das sicherlich dieser Fall.» Um den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Abgasmanipulation geht es auch bei den jüngsten strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Ermittlungen gegen Winterkorn

Diese hatte am Montag, nur zwei Tage vor der Generalversammlung des Konzerns, bekanntgegeben, gegen Ex-Chef Martin Winterkorn wegen des Verdachts auf Marktmanipulation zu ermitteln.

Die Strafverfolger gehen dem Verdacht nach, dass Volkswagen im September möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte, um den Aktienkurs zu manipulieren. Der deutsche Konzern wies die Vorwürfe der Kläger stets zurück. Die Pflicht zur Veröffentlichung kursrelevanter Informationen sei nicht verletzt worden, weil diese dem Vorstand erst am 18. September bekanntgeworden seien.

Volkswagen steht wegen des Abgasskandals vor einer gigantischen Welle von Schadensersatzklagen. In den USA wurden bereits zahlreiche Sammelklagen eingereicht. Allein beim Landgericht Braunschweig sind nach Gerichtsangaben rund 120 Klagen von Anlegern auf Schadensersatz anhängig. Rund 50 Autobesitzer klagen wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz. (bor/dpa/rtr)

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