Glosse

Salzkorn

Sanktionen gegen Unrechtregimes wie jenes des weissrussischen Autokraten Lukaschenko pflegt die Schweiz im Fahrwasser der EU zu verhängen. So kann man hoffen, unter dem Radar von Minsk zu bleiben und einer Retourkutsche zu entgehen. Doch diesmal hat sich Bern verrechnet.

Thomas Griesser Kym
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Illustration: Corinne Bromundt

Na endlich. Wurde auch höchste Eisenbahn. Diese Woche hat die Schweiz ihre Sanktionen gegen Weissrussland verschärft. Mehr als zwei Monate hat sie sich Zeit gelassen, seit Machthaber Lukaschenko sich zum Sieger der manipulierten Wahlen erklärt hat.

Aber die Schweiz hatte keine andere Wahl. Wie stets musste sie warten, bis Brüssel vorangeht. Schon noch praktisch, wenn man sich als kleines Land hinter der grossen EU wegducken kann in der Hoffnung, unter dem weissrussischen Radar zu bleiben. Nicht, dass als Vergeltung noch Sanktionen gegen einen Ostschweizer Eisenbahnbauer verhängt werden, der in Minsk ein Werk hat.

Diesmal aber hat sich Bern verrechnet. Sanktioniert wird auch der weissrussische Innenminister. Kolportiert wird, dieser wollte ein paar Ferientage im Tessin verbringen und sich im Swissminiatur davon überzeugen, wie klein die Schweiz ist. Das fällt nun ins Wasser, und als Retourkutsche muss Alain Berset seine geplante Paddeltour vom weissrussischen Nationalpark Braslauer Seen auf den Murtensee verlegen.