SALÄRE: Abzocker-Initiative zeigt bei Cheflöhnen kaum Wirkung

Die Lohnschere in Konzernen geht immer weiter auf, sehr zum Missfallen von Travail Suisse.

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«Die Abzocker-Initiative hat nichts gebracht.» Das sagte gestern Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travail Suisse, vor den Medien. Laut einer Studie des Gewerkschaftsverbands ist vergangenes Jahr in der Mehrheit der untersuchten 27 Schweizer Grosskonzerne der Lohn des Firmenchefs im Schnitt um 5% gestiegen. Seit 2011 seien die Löhne auf den Chefetagen um 17% gestiegen. Gleichzeitig verdienten die normalen Arbeitnehmenden lediglich 3,4% mehr. Die durchschnittliche Lohnschere lag laut Travail Suisse 2011 noch bei 1:45. Bis 2016 habe sie sich auf über 1:51 geöffnet.

Als Beispiel nennt Travail Suisse den Handelskonzern Valora mit Chef Michael Müller. Dort habe sich die Schere innert fünf Jahren von 1:23 auf 1:59 geöffnet. Spitzenreiter sei aber die UBS mit Chef Sergio Ermotti. Dieser hat laut Travail Suisse mit 13,7 Mio. Fr. 264-mal mehr kassiert als die ­am schlechtesten bezahlten Mitarbeitenden.

«Bei KMU finden solche Lohnexzesse nicht statt»

Eigentlich sollte man aber nicht die Topmanager kritisieren, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail Suisse: «Vielmehr muss man die Verwaltungsräte und die Vergütungsausschüsse der grossen Konzerne anprangern, weil diese noch immer solch hohe Löhne bezahlen.» Daran hat laut Travail Suisse auch die Abzocker-Initiative nichts geändert. Es sei beispielsweise unlogisch, dass über die Boni häufig ab­gestimmt werde, bevor die Jahresergebnisse vorlägen. Der Begriff «leistungsabhängiger Bonus» habe mit der Realität nichts mehr zu tun. Zudem werde bei fast der Hälfte der analysierten Un­ter­nehmen die Gewährung der Boni nicht getrennt vom festen Lohn diskutiert. Ferner könnten einem neuen Manager noch immer Antrittsprämien ausbezahlt werden.

Travail Suisse wolle aber nicht alle Unternehmen in den gleichen Topf werfen, sagt Wüth­rich: «Bei KMU finden solche Lohnexzesse nicht statt.» Und in einigen Grossunternehmen seien die Cheflöhne 2016 gesenkt ­worden, räumt der Verband ein. «Trotzdem gefährden die hohen Managerlöhne den sozialen Frieden», sagt Wüthrich. Die «absurde Höhe» der Vergütungen führe zu einer Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft. Travail Suisse beharrt deshalb auf einer griffigen Aktienrechtsrevision, mehr Steuertransparenz und einem Solidaritätsbeitrag bei hohen Einkommen. (sda)