Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

SAK und Osterwalder St.Gallen produzieren Wasserstoff mit Wasserkraft

Am St.Galler Standort Kubel, wo die SAK ein Wasser- und Speicherkraftwerk betreibt, ist der Bau einer Produktionsanlage für Wasserstoff geplant. Mit diesem wollen die Firmen in der Ostschweiz Wasserstofftankstellen beliefern. Neben der angekündigten Zapfsäule in St.Gallen sind schon weitere in Frauenfeld und Chur geplant.
Thomas Griesser Kym
Das Wasser- und Speicherkraftwerk der SAK am Standort St.Gallen-Kubel. (Bild: Hanspeter Schiess, 24. September 2019)

Das Wasser- und Speicherkraftwerk der SAK am Standort St.Gallen-Kubel. (Bild: Hanspeter Schiess, 24. September 2019)

Die Mobilität soll grüner werden. Im motorisierten Strassenverkehr lautet die Devise: Immer weniger Benzin- und Dieselfahrzeuge und immer mehr umweltfreundlicher Antrieb. Eine Rolle spielen dabei neben Elektrofahrzeugen mit Batterien auch Wasserstofffahrzeuge mit Brennstoffzellen, in denen Wasserstoff verstromt wird.

Bisher gibt es in der Schweiz erst eine öffentliche Wasserstofftankstelle, und zwar bei Coop im aargauischen Hunzenschwil. Diese wird beliefert von der bisher einzigen Produktionsanlage des Aare-Kraftwerks Eniwa in Aarau, das vom Entwicklungsunternehmen H2 Energy AG mitbetrieben wird.

Osterwalder plant weitere Tankstellen

Ein Anfang ist also gemacht. Und in den kommenden Jahren soll es steil aufwärts gehen. Treibende Kraft ist der Förderverein H2 Mobilität Schweiz, dem mittlerweile 17 Firmen angehören, von Tankstellenbetreibern über Camionneure bis zu Detailhändlern. Der Verein hat sich das Ziel gesteckt, bis 2023 hierzulande ein flächendeckendes Netz an Wasserstofftankstellen aufzubauen. Dabei arbeitet er auch mit H2 Energy zusammen.

An vorderster Front dabei ist die Ostschweiz. Ende August hat der Brenn- und Treibstoffhändler Osterwalder St.Gallen, der Teil der Avia-Vereinigung ist, für 2. April 2020 die Eröffnung der ersten öffentlichen Wasserstofftankstelle in unserer Region angekündigt, am Hauptsitz an der Oberstrasse. Tankstellen Nummer zwei und drei sind in Frauenfeld und Chur bereits in Planung, wie auf Anfrage Martin Osterwalder sagt, der Leiter Unternehmensentwicklung.

In St.Gallen wird bald Wasserstoff hergestellt

Damit nicht genug: Osterwalder St.Gallen und die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) wollen Wasserstoff produzieren und damit Tankstellen beliefern. Dazu haben die beiden Firmen die Wasserstoffproduktion Ostschweiz AG gegründet. Dieses Joint Venture, an dem Osterwalder und SAK je hälftig beteiligt sind, will am St.Galler Standort Kubel, wo die SAK nahe des Gübsensees ein Wasser- und Speicherkraftwerk betreibt, eine Produktionsanlage für Wasserstoff bauen.

Diese soll den Wasserstoff ausschliesslich mit Wasserkraft und damit aus einer erneuerbaren Energiequelle herstellen. Martin Osterwalder veranschlagt die Produktionsleistung auf 250'000 bis 280'000 Kilo pro Jahr. Da ein Auto etwa 1 Kilo Wasserstoff pro 100 Kilometer benötigt, reicht dies für 25 bis 28 Millionen Kilometer. Oder für bis zu 1400 Autos mit einer durchschnittlichen Fahrstrecke von 20'000 Kilometern im Jahr.

«Erhebliche Investitionen»

In einem nächsten Schritt reichen die Initianten ihr Baugesuch für die Produktionsanlage ein. Gehen keine Einsprachen ein, starten nach Abschluss der Planung voraussichtlich im Frühling 2020 die Bauarbeiten. Martin Osterwalder spricht von «erheblichen Investitionen», ohne diese genauer zu beziffern.

Auch wie viele Tankstellen man sich unter einer flächendeckenden Versorgung der Schweiz vorstellt, will Osterwalder noch nicht konkretisieren. Laut seinen Angaben sollte aber ein Fahrzeug im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern jeweils eine Tankstelle finden. Die Reichweite eines Wasserstoffautos betrage voll betankt 600 bis 650 Kilometer.

Eine Produktionsanlage für drei bis vier Tankstellen

Der Aufbau der Infrastruktur geht auch anderswo vorwärts. So hat kürzlich die Fenaco-Tochter Agrola angekündigt, kommenden Frühling in Zofingen ihre erste Wasserstofftankstelle eröffnen zu wollen. Insgesamt sind von diversen Tankstellenbetreibern gegenwärtig bereits rund zwei Dutzend neue Zapfsäulen beabsichtigt.

Wasserstoffstanks werden an der Coop-Wasserstofftankstelle in Hunzenschwil angeliefert. (Bild: Gaëtan Bally, 3. November 2016)

Wasserstoffstanks werden an der Coop-Wasserstofftankstelle in Hunzenschwil angeliefert. (Bild: Gaëtan Bally, 3. November 2016)

Betreffend Produktionsanlagen für Wasserstoff spricht Martin Osterwalder von einem weiteren Projekt beim Flusswasserkraftwerk Gösgen. Insgesamt wird es aber viel mehr Anlagen brauchen. «Der Förderverein will die Versorgung lokal sichern, um lange Transportwege zu vermeiden», sagt Martin Osterwalder, der im Vorstand des Vereins sitzt. Konkret werde eine regionale Produktionsanlage «drei bis vier Tankstellen» beliefern.

Eine Flotte an Brennstoffzellen-Lastwagen

Martin Osterwalder selber fährt bereits ein Wasserstoffauto. Auf einer gewissen Breite aber wird diese Antriebstechnologie vorerst bei Lastwagen lanciert. So sollen voraussichtlich bis 2025 schrittweise über 1600 Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge auf Schweizer Strassen eingeführt werden. Vorbereitet wird diese Flotte vom südkoreanischen Hersteller Hyundai und H2 Energy im Rahmen eines vor gut fünf Monaten besiegelten Joint Ventures.

Dabei soll es sich mindestens um 34-Tönner mit Anhänger handeln, die auch in den Voralpen fahren können. Bereits haben mehr als 50 Firmen Interesse an solchen Lastwagen angemeldet, darunter Schwergewichte wie die Grossverteiler Coop und Migros oder Transport- und Logistikfirmen. Diese sind denn auch mit Galliker oder, seit Mai, der Wiler Camion Transport prominent im Förderverein mit dabei.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.