Spatenstich
SAK und Avia Osterwalder legen Grundstein für Ostschweizer Wasserstoffproduktion

Im kommenden Sommer wird im Sittertobel in der Stadt St.Gallen Wasserstoff produziert. Dieser treibt Wasserstofflastwagen an. Am Mittwochmorgen fand der Spatenstich statt.

Kaspar Enz
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Spatenstich für die Wasserstoffproduktionsanlage im Kubel: (v.l.n.r.) Reto Zuglian, Adriano Tramèr und CEO Stefano Garbin vertraten die SAK, Regierungspräsident Marc Mächler und Baudirektorin Susanne Hartmann den Kanton, Co-CEO Martin Osterwalder, Martin Strübi und Luca Spitaleri die Osterwalder-Gruppe.

Spatenstich für die Wasserstoffproduktionsanlage im Kubel: (v.l.n.r.) Reto Zuglian, Adriano Tramèr und CEO Stefano Garbin vertraten die SAK, Regierungspräsident Marc Mächler und Baudirektorin Susanne Hartmann den Kanton, Co-CEO Martin Osterwalder, Martin Strübi und Luca Spitaleri die Osterwalder-Gruppe.

Bild: PD

«Das Wasser wird die Kohle der Zukunft sein», sagte Regierungspräsident Marc Mächler beim Wasserkraftwerk Kubel in der Sitterschlucht. Damit zitierte er den französischen Schriftsteller Jules Verne, der das schon 1870 sagte. Nun, rund 150 Jahre später, wird der Traum auch in der Ostschweiz Realität: Mit dem Spatenstich begann der Bau einer Anlage zur Produktion von Wasserstoff aus Strom aus dem St.Galler Kraftwerk. Der Wasserstoff wiederum soll Lastwagen antreiben. Denn wolle man weg vom CO2, dann komme dem Wasserstoff gerade im Schwerverkehr eine wichtige Rolle zu, sagte Mächler.

«So kommen wir unseren Klimazielen einen Spatenstich näher.»

Der Grundstein für die Anlage wurde bereits vor zwei Jahren gelegt. Damals gründeten die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke und die Avia Osterwalder ein Joint Venture, die Wasserstoffproduktion Ostschweiz AG, die diese Anlage nun baut. Bis zum Baustart war es ein langer Weg, sagte Reto Zuglian, Leiter Betrieb Produktion der SAK, länger als ursprünglich gedacht. Doch das habe auch Vorteile. «Wir bekommen dafür die neueste Anlage fürs gleiche Geld.»

Ein Modell der Wasserstoffproduktionsanlage, die im kommenden Sommer in Betrien gehen soll.

Ein Modell der Wasserstoffproduktionsanlage, die im kommenden Sommer in Betrien gehen soll.

Bild: PD

Über 200 Tonnen Wasserstoff

Im Januar soll der Rohbau fertig sein, dann wird die eigentliche Anlage eingebaut. «Im Sommer 2022 sollten wir mit der Produktion beginnen können», sagte Zuglian weiter. Die Anlage werde eine elektrische Leistung von 2,5 Megawatt haben und jährlich so zwischen 220 und 250 Tonnen Wasserstoff produzieren können.

Genutzt wird der Wasserstoff ganz in der Nähe. Bereits seit letztem Jahr ist eine Wasserstofftankstelle der Avia Osterwalder an der St.Galler Oberstrasse in Betrieb. Spätestens im Dezember soll eine Zweite eröffnet werden, viel näher an den Kunden: beim Spar-Verteilzentrum in St.Gallen Winkeln: Die Grossverteiler Migros, Coop und Spar haben zwischen St.Gallen und Gossau Verteilzentren und alle haben bereits Wasserstofflastwagen im Einsatz. Insgesamt sind es in der Ostschweiz ein knappes Dutzend.

Schon 46 Lastwagen fahren mit H2

Martin Osterwalder, Co-CEO Osterwalder Gruppe und VRP Wasserstoffproduktion Ostschweiz AG.

Martin Osterwalder, Co-CEO Osterwalder Gruppe und VRP Wasserstoffproduktion Ostschweiz AG.

Ralph Ribi

Die Laster, die Wasserstoffproduktion wie die Tankstellen, sind Teil eines schweizweiten Wasserstoffökosystems. 46 Wasserstofflastwagen sind bereits unterwegs. Neun Wasserstofftankstellen sind landesweit schon in Betrieb. Der Wasserstoff dafür wird in einem Wasserkraftwerk in Niedergösgen produziert – und er wird langsam knapp für das Netzwerk aus Tankstellenbetreibern und Transportunternehmen, die die Lastwagen einsetzen. «Die Lastwagen sind bereits 1,7 Millionen Kilometer gefahren», sagte Martin Osterwalder, Co-CEO der Osterwalder Gruppe.

Mit diesem Projekt des Fördervereins H2 Mobilität Schweiz sei die Schweiz Weltmarktführer, sagte Osterwalder. «In keinem anderen Land der Welt sind schon serienmässig produzierte Wasserstofflastwagen täglich auf der Strasse.» Und das Wasserstoffökosystem wächst weiter. 1600 Lastwagen sollen bis 2025 im Einsatz sein.

Bisherige Kapazität stösst an Grenzen

Die Tankstelle beim Verteilzentrum von Spar wird derzeit mit einer Wasserstoff-Zapfsäule ausgestattet – denn im Industriegebiet zwischen St.Gallen und Gossau haben bereits einige H2-Laster ihren Stammplatz.

Die Tankstelle beim Verteilzentrum von Spar wird derzeit mit einer Wasserstoff-Zapfsäule ausgestattet – denn im Industriegebiet zwischen St.Gallen und Gossau haben bereits einige H2-Laster ihren Stammplatz.

Ralph Ribi

Mitwachsen muss mit diesem ehrgeizigen Plan aber auch die Infrastruktur. Auch die Kapazitäten der Wasserstoffproduktion muss ausgebaut werden. Die bisher genutzte Anlage in Niedergösgen, von der auch die Osterwalder-Tankstelle in St.Gallen beliefert wird, kommt an ihre Grenzen. Sie kann nur knapp den Bedarf der jetzt im Einsatz stehenden H2-Laster decken. Mit der St.Galler Anlage kommt eine ähnlich grosse Kapazität wie in Niedergösgen hinzu. Allerdings einige Monate zu spät für die Lastwagen, die der Hersteller Hyundai in den nächsten Monaten liefert.

Es sei nicht immer einfach, alle Termine aufeinander abzustimmen, sagt Urs Cabalzar von der H2 Energy AG. Die Unternehmensgruppe ist ein wichtiger Akteur im Wasserstoff-Netzwerk. Es gebe aber noch andere Quellen für sauberen Wasserstoff.

«Wasserstoff fällt zum Beispiel bei chemischen Prozessen als Nebenprodukt an.»

Wichtiger sei aber, dass die Richtung stimmt: Es gibt Pläne und Projekte für verschiedene Anlagen in der ganzen Schweiz, sagt Cabalzar. «Auch grössere Anlagen mit mehr als fünf Megawatt Leistung.» Insgesamt 50 bis 60 Megawatt wären nötig, um die 1600 Wasserstoff-Lastwagen zu versorgen, die bis 2025 auf Schweizer Strassen verkehren sollen. Die Nachfrage nach den Fahrzeugen sei jedenfalls weiterhin vorhanden.

Weitere Anlagen möglich

Adriano Tramèr, Leiter Geschäftsbereiche Produktion und Energielösungen SAK sowie Verwaltungsrat Wasserstoffproduktion Ostschweiz AG.

Adriano Tramèr, Leiter Geschäftsbereiche Produktion und Energielösungen SAK sowie Verwaltungsrat Wasserstoffproduktion Ostschweiz AG.

Bild: PD

Weitere Wasserstoffanlagen dürfte es auch in der Ostschweiz geben. Die SAK verfüge über weitere Wasserkraftwerke, sagt Adriano Tramèr, Leiter des Geschäftsbereiches Produktion und Energielösungen der SAK. Abklärungen für weitere Standorte seien im Gang.

Auch die Osterwalder Gruppe will das Wasserstoffangebot ausweiten. Weitere Tankstellen seien in Frauenfeld und Chur geplant. Für die hofft Martin Osterwalder ebenfalls auf mehr Ostschweizer Wasserstoff. «Es ist ein Teil der Idee, dass der Wasserstoff auch in der Nähe produziert wird», sagt er. Die jetzt bestehende Lösung sei noch unbefriedigend. Denn der Wasserstoff muss noch mit Diesel-Tanklastwagen von Niedergösgen nach St.Gallen gefahren werden. «Wasserstofflastwagen sind für den Treibstofftransport noch nicht zugelassen.»