Russland fürchtet sich vor der Marginalisierung

DAVOS. Absolut unnachgiebig gab sich am WEF gestern der russische Vizepremier Igor Schuwalow in der Frage der Sanktionen gegen sein Land. Man werde notfalls Jahrzehnte durchhalten. «Die Sanktionen treffen Russland.

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DAVOS. Absolut unnachgiebig gab sich am WEF gestern der russische Vizepremier Igor Schuwalow in der Frage der Sanktionen gegen sein Land. Man werde notfalls Jahrzehnte durchhalten. «Die Sanktionen treffen Russland. Aber sie werden uns nicht von unserem Weg abbringen», so der Vertreter Russlands in Davos. «Der Westen spricht nicht auf Augenhöhe mit uns, er will Russland herabstufen zu einem Partner zweiten Grades. Solange sich an dieser Haltung nichts ändert, wird es keine Lösung geben.»

Vereint durch Sanktionen

Schuwalow verstieg sich gar zur Behauptung, letztlich nützten die Sanktionen Russland sogar, denn das Volk rücke zusammen und schare sich um Präsident Wladimir Putin. Damit liessen sich die bevorstehenden harten strukturellen Reformen einfacher realisieren. Schuwalow holte schliesslich zu einem ausgiebigen Exkurs über die Freiheit und insbesondere die freie Rede aus. Die sei in Russland wegen seiner Kultur und seiner Geschichte anders zu interpretieren als im Westen – eine Art Werbeveranstaltung für die gelenkte Demokratie à la Putin.

Sanktionen treffen hart

Alexej Kudrin, ehemaliger Finanzminister und heute Professor in St. Petersburg, sprach einen anderen Klartext: Die Sanktionen, die er entschieden ablehne, weil sie kontraproduktiv seien, träfen Russland weit härter als offiziell eingeräumt werde. Sie würden das ihrige dazu beitragen, dass Russland vor einer sehr schweren Krise stehe. Dennoch seien die meisten Probleme hausgemacht. «Das Konzept, die Wirtschaft mit Staatsbetrieben voranzubringen, ist gescheitert. Ich sage das auch selbstkritisch, denn ich habe als Minister daran mitgewirkt.»

Russland leide an geringer Produktivität und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Es müsse auf allen Ebenen reformiert werden, um das Ziel einer «innovativen Wirtschaft» zu erreichen. Doch jetzt stünden andere Herausforderungen auf der Agenda: Landesverteidigung, die Abfederung der sozialen Folgen der Krise. «Unser zentrales Problem heisst: Vertrauen schaffen.» (uf)