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RUSSLAND: «Einer, der keine Fragen stellt»

Altbundeskanzler Gerhard Schröder ist der neue Aufsichtsratschef beim russischen Staatskonzern Rosneft. Dort bekommt er es mit Igor Setschin zu tun, der als engster Freund Putins und zweitmächtigster Mann Russlands gilt.
Anastasia Kirilenko und

Schon vor der Abstimmung wurde der deutsche Altkanzler mit Vorschusslorbeeren überschüttet. Der Amtsantritt von Gerhard Schröder als unabhängiger Chef im Aufsichtsrat von Rosneft werde das internationale Geschäft des Unternehmens fördern, verkündete Igor Setschin.

Gestern wurde Schröder auf der Aktionärsversammlung des russischen Ölkonzerns dann zum neuen Aufsichtratsvorsitzenden gewählt. Schröder steigt bei einem Laden mit den grössten Ölreserven der Welt ein – 37,7 Milliarden Fass. Der General­direktor des Riesens aber ist Igor Setschin. Im November lud Setschin Wirtschaftsminister Sergei Uljukajew in sein Büro ein, trank mit ihm Tee, drückte ihm einen Wurstkorb sowie einen Akten­koffer mit 2 Millionen Dollar in die Hand. Als der Minister wieder in seinen Wagen stieg, wurde er festgenommen. Zuvor soll ­Uljukajew den Kauf der Ölfirma Baschneft durch Rosneft behindert haben. Jetzt steht er vor Gericht, auf Grundlage von Aussagen Setschins, der es aber ablehnt, als Zeuge aufzutreten.

Kritiker werfen Setschin Misswirtschaft und Korruption vor. Der deutsche Unternehmer Franz Sedelmayer, der eine Firma in Putins Amt registrierte, sagt jedoch, er habe dort keine Korruption erlebt. «Für Putin ist Setschin bis heute ein wertvoller Assistent. Einer, der seine Aufgaben erledigt, keine Fragen stellt.»

1996 wechselte Putin in die Präsidialverwaltung nach Moskau, Setschin folgte ihm. Mit Putin/Setschin im Kreml begann der Aufstieg Rosnefts. 2002 kaufte das marode Staatsunternehmen die Ölfirma Sewernaja Neft für 600 Millionen Dollar.

«Ein überhöhter Preis, offenbar wurde bestochen, die Branche war empört», sagt Wladimir Milow, damals Vize-Energie­minister, heute ein Kritiker Setschins. Der soll hinter dem Deal gesteckt haben. Wie ein Jahr später hinter der Festnahme Michail Chodorkowskis, Chef des Ölkonzerns Jukos. Chodorkowski wurde als Steuerbetrüger verurteilt, die Jukos-Filetstücke landeten zum Schnäppchenpreis bei ­Rosneft. Zudem soll Setschins Konzern einem löchrigen Sparstrumpf gleichen, immer neue Dollarmilliarden werden hineingesteckt, fallen heraus und verschwinden.

Rosneft schreit nach einem Aufsichtsratschef, der ausmistet. Nur fraglich, ob der Altkanzler sich in der verworrenen Unternehmenskultur Rosnefts zurechtfinden wird. Und ob der erklärte Putin-Freund es überhaupt versuchen wird. Nach seinem Amtsantritt machte sich Schröder vor Journalisten laut Gedanken über die Ukraine-Sanktionen gegen Russland. «Die Sanktionen im Öl- und Gasbereich verschärfen nicht die EU, sondern die USA. Was die Sanktionen angeht, die die EU verhängt hat, muss man, wenn es irgendeinen Fortschritt im Donbass gibt, und dieser Fortschritt ist wirklich erzielt worden, nicht über ihre Verschärfung, sondern ihre Lockerung reden.»

Anastasia Kirilenko und

Stefan Scholl, Moskau

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