Russischer Oligarch

Russische Banken leihen Geld, um einen Kredit an Vekselberg abzulösen

Beim Termin mit der Schweizer Grossbank war Vechselberg persönlich in Zürich. Jetzt fliesst Geld aus Russland.

Niklaus Vontobel
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Viktor Vekselberg war in Zürich.

Viktor Vekselberg war in Zürich.

KEYSTONE

Dieser Tage war Viktor Vekselberg höchstpersönlich in Zürich. Der 13 Milliarden Dollar schwere russische Oligarch traf sich mit dem CEO einer Schweizer Grossbank zum Gespräch. Es ging um die Kredite, die Vekselberg westlichen Banken schuldet, darunter auch der Credit Suisse und der UBS. Diese müssen unter den US-Sanktio- nen nun aufgelöst werden.

Wie es aus gut unterrichteten Kreisen heisst, hatte Vekselberg erfreuliche Neuigkeiten. Russische Banken stünden bereit, um einen Kredit über 720 Millionen Franken zu übernehmen.

Sonst sind Kreditbeziehungen zwischen Banken und Superreichen geheim, die Banken schweigen. Von Vekselberg aber sind zwei Kredite genau beschrieben in zwei Verfügungen der Schweizer Übernahmekommission. Der 720-Millionen-Kredit wurde demnach im Dezember 2017 erteilt durch eine Gruppe von sechs Banken, darunter UBS und Credit Suisse. Formal ging der Kredit an die Liwet Holding, die jedoch über Zwischengesellschaften von Vekselberg kontrolliert wird. Als Pfand dienten Aktien von Schmolz+Bickenbach (25,5 Prozent aller Stimmen) und von OC Oerlikon (41,35 Prozent).

Unter den US-Sanktionen gegen russische Oligarchen, die auch Vekselberg trafen, ist UBS und Credit Suisse jeglicher geschäftliche Umgang mit ihm untersagt. Bis zum 5. Juni hat das amerikanische Office of Foreign Assets Control (OFAC) Zeit eingeräumt, um bereits bestehende geschäftliche Beziehungen aufzulösen. Die Zeit drängt also.

Bei der Ablösung des 720-Millionen-Kredits würde wohl der russische Staat im Hintergrund die Fäden ziehen. Das legen Aussagen des russischen Finanzministers Anton Siluanov nahe, über die russische Medien diese Wochen berichteten. Russlands Regierung habe substanzielle finanzielle Unterstützung für die Renova-Gruppe von Vekselberg beschlossen. «Er wurde schon vor einer Woche unterstützt. Über Grössenordnungen will ich nicht sprechen», wurde Siluanov zitiert. Man diskutiere weitere Massnahmen, auch Kredite.

Oligarchen als blosse Verwalter

Finanziert wird diese Hilfe gemäss weiteren Medienberichten wohl von der russischen Zentralbank und über das Staatsbudget. Durch das aktuelle Preis-Rally am Erdölmarkt haben sich Russlands Einnahmen durch den Verkauf von Öl und Gas vervielfacht. Das Geld ist also vorhanden.

Die staatliche Hilfe passt auch ins Muster bisheriger russischer Reaktionen auf westliche Sanktionen. Unternehmen, die Russland als strategisch wichtig erachtete, wurden bislang praktisch völlig von den Folgen der Sanktionen bewahrt. Das haben Ökonomen des US-Aussendepartements in Studien festgestellt. Bei solchen Unternehmen sei keine Wirkung auf die Einnahmen erkennbar, auch die Gefahr eines Konkurses sei nicht grösser.

Hilferuf an Russland

Das Einspringen von russischen Banken würde den Schweizer Banken einiges ersparen. Vekselberg könnte den Kredit wohl sonst nicht zurückzahlen. Die Amerikaner blockieren weltweit seine Gelder, weltweit rund 2 Milliarden Dollar.

Dass ihn Sanktionen treffen, zeigte auch sein kürzlicher Hilferuf an den russischen Staat. Vekselberg hatte eine Liste mit zahlreichen möglichen Unterstützungsmassnahmen geschickt.

Die westlichen Banken hätten also die verpfändeten Aktien zu Geld machen müssen. Ein Verkauf von solch namhaften Beteiligungen hätte die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Kreditbeziehung mit einem sanktionierten russischen Oligarchen gezogen. Und ein Verkauf hätte – vielleicht noch unliebsamer – ein Signal gesendet an Superreiche in der ganzen Welt: Machen die USA erst einmal Druck, lassen Schweizer Banken euch fallen.

Für Vekselberg dürfte entscheidend sein, was in dem neuen Kreditvertrag mit den russischen Banken genau stehen wird. Welche Bedingungen ihm der russische Staat diktieren wird. Russland-Experten sagen schon länger, die Oligarchen seien in Tat und Wahrheit längst entmachtet. «Sie sind nur noch die Verwalter von Vermögen, die ihnen der Staat jederzeit wegnehmen kann.» Die US-Sanktionen würden die Oligarchen nur noch abhängiger machen von der Hilfe des Kremls.

Allerdings steht längst noch nicht fest, ob die Ablösung der Kredite durch russische Banken wirklich zustande kommen wird. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit wird die OFAC haben. Die USBehörde verlangt ausdrücklich, über derlei Transaktionen jeweils bis zum 19. Juni detaillierte Berichte zu erhalten. Das gilt für sämtliche Transaktionen, mit denen in der Übergangsfrist bis zum 5. Juni bestehende Geschäftsbeziehungen mit sanktionierten Personen aufgelöst werden.

In ihrem Entscheid dürfte das OFAC auch festlegen, was mit den verpfändeten Beteiligungen an Schmolz+Bickenbach und an OC Oerlikon geschehen wird. Die Herauslösung der Aktien aus dem bestehenden Kreditvertrag mit den sechs westlichen Banken dürfte ebenfalls nur mit dem Segen der OFAC möglich sein. Schon als Vekselberg ein Aktienpaket an Sulzer-Aktien dem Winterthurer Industriekonzern verkaufte, war dafür eine OFAC-Lizenz nötig.