Rumänien profitiert von der Krise

Für den französischen Autokonzern Renault erweist sich der Kauf des damals angeschlagenen rumänischen Autobauers Dacia vor anderthalb Jahrzehnten immer mehr als Glücksgriff.

Denis Grigorescu
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Eine Mitarbeiterin von Dacia bei der Montage in der Fabrik im rumänischen Mioveni. Ein Drittel der Belegschaft sind Frauen. (Bild: ap/Vadim Ghirda)

Eine Mitarbeiterin von Dacia bei der Montage in der Fabrik im rumänischen Mioveni. Ein Drittel der Belegschaft sind Frauen. (Bild: ap/Vadim Ghirda)

BUKAREST. Dacia und das Engagement von Renault in Rumänien sind eine Erfolgsgeschichte. 2,2 Mrd. € hat der französische Autokonzern bisher in die Produktionsanlagen der Marke Dacia für den preisbewussten Käufer gesteckt. Über 18 000 Beschäftigte hat Dacia in Rumänien. Die Investition zahlt sich aus, denn Dacia ist die Marke mit dem höchsten Verkaufszuwachs in Europa im 1. Halbjahr 2013. Mit einem Plus von 17% auf 141 000 verkaufte Autos liegt Dacia weit vor Rivalen wie Seat (+10%) oder Honda (+6,5%). Die Billigautos machen 18% der Verkäufe in Europa aus, das sind 5 Prozentpunkte mehr als 2002.

Dank Dacia hat Renault die Absatzkrise besser weggesteckt als andere europäische Autobauer. Und auch Ford, das in Rumänien sein Modell B-Max baut, profitiert vom Engagement in dem Land.

Ein Bruchteil der Arbeitskosten

Annähernd jedes vierte Auto, das die Renault-Gruppe im 1. Halbjahr in Europa verkauft hat, war ein Dacia. Weltweit bestverkauftes Modell der Renault-Gruppe ist der Dacia Duster, ein kleiner SUV, mit 189 000 Stück im Semester. Virgil-Ernest Popovici, Präsident des rumänischen Autoherstellerverbandes Apia, führt den aussergewöhnlichen Erfolg von Dacia auf zwei Dinge zurück: «Erstens hat das Unternehmen viel in das Projekt eines Billigautos investiert, auch mit Blick auf die Zukunft. Und, vielleicht am wichtigsten, man hat die Produktentwicklung dem Markt angepasst.»

Obwohl Dacia-Renault in Rumänien den Arbeitern im europäischen Vergleich Billiglöhne bezahlt, sind die Leute zufrieden. Im krisengebeutelten Rumänien, wo in anderen Sektoren Löhne gekürzt werden, haben die Dacia-Angestellten im Frühling eine Lohnerhöhung von 6% und einen Bonus von je 400 € erhalten. Während die Arbeitskosten für Renault in Frankreich 30 € pro Stunde betragen, sind es in den Dacia-Werken nur 5 €. Und in Marokko, wo Renault mit Nissan kooperiert, sinken die Kosten gar auf 3 €.

Rumänien auf Platz neun

Bei Dacia arbeiten in Rumänien auch besonders viele Frauen: Ein Drittel der Belegschaft ist weiblich. In der Fabrik in Mioveni wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 220 000 Autos gebaut. In der Ford-Fabrik in Craiova liefen im selben Zeitraum 50 000 Autos vom Band. Damit hat Rumänien Chancen, bis zum Jahresende mit geschätzten 420 000 Autos auf Platz neun der europäischen Herstellerländer zu rücken.

Die rumänische Autobranche setzte 2012 mit 200 000 Mitarbeitenden 12 Mrd. € um, was 3% des Bruttoinlandprodukts und 10% der Exporterlöse entspricht. Das Engagement Renaults und Fords hat auch zur Ansiedelung von Zulieferern geführt. Der Billigauto-Erfolg begann vor acht Jahren mit dem Dacia Logan – zweckmässig, modern, ohne Luxus. Es war der richtige Ansatz für die Krise in Europa. Inzwischen bieten auch andere Hersteller ähnliche Konzepte an, etwa Skoda mit dem Rapid.