Rückkehr zum Synchronwachstum

Börsenspiegel

Mikio Kumada
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Die globalen Makrotrends verweisen erstmals seit Jahren auf ein konvergierendes Weltwirtschaftswachstum. Diese fundamentale Entwicklung bewegt die Anleger dazu, die immer wieder vernehmbaren Korrekturwarnungen der technischen Analysten zu ignorieren. Zu Recht.

Das zyklische Umfeld und damit die Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne und Dividenden bleibt weltweit positiv. Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die verarbeitende Industrie von Markit erreichten in Europa und Japan neue mehrjährige Hochs, während die vorläufigen Schätzungen für März («Flash PMI») für China nach kleinen Rückfällen im Februar schon wieder nach oben zeigen. Bemerkenswert waren auch die jüngsten Inflationsimpulse. Die herkömmlichen Inflationsindizes näherten sich im Euroraum und China den Zielwerten an. In den USA wurden diese teilweise sogar übersprungen. Entsprechend kam es zu Spekulationen über vorgezogene Zinserhöhungen in den USA: Der Market rechne inzwischen mit einer 25 Basispunkte-Zinserhöhung am kommenden Mittwoch.

Notenbanken haben noch keine Wende eingeläutet

Erfreulich ist dabei, dass mit dieser stetigen Konjunkturaufhellung auch die Urangst der Marktteilnehmer vor Zinserhöhungen nachlässt. Dazu kommt, dass sich bisher noch keine Notenbank zu einer übereilten strengen Wende in ihrer geldpolitischen Haltung verleiten hat lassen, wie es beispielsweise 2011 in Europa und in den 1990er-Jahren in Japan der Fall war. Stattdessen scheint die Geldpolitik endlich das Gleichgewicht zwischen Wachstumsfreundlichkeit und Inflationsbekämpfung gefunden zu haben. So blieben die Marktkorrekturen seit Dezember sehr kurz und flach, mit Ausnahme weniger Extremfälle wie Russland und Brasilien.

In diesem Kontext sollte dem genauen Zeitpunkt der nächsten US-Zinserhöhung keine grosse Bedeutung beigemessen werden. Erstens haben sich die mittelfristigen Markterwartungen diesbezüglich kaum geändert. Die Futures-Märkte implizieren nach wie vor etwa drei Zinserhöhungen bis nächsten März.

Mehr Wachstum ohne Inflationsrisiken

Zweitens notieren die zugrunde liegenden Kerninflationsraten weltweit weiterhin träge unter den Zielwerten. Sollte die Fed also am Mittwoch tatsächlich handeln, dann könnte sie trotzdem an einem der nachfolgenden Quartale pausieren. Was wirklich zählt ist, dass der globale Policy-Mix weiterhin so kalibriert bleibt, um mehr Wachstum ohne nachhaltige Inflationsrisiken ermöglichen zu können.

Mikio Kumada

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