Zuckerfabriken haben viele Probleme gelöst. Rübenjahr mit Stolpersteinen

Die Zuckerfabrik Frauenfeld hat die längste Verarbeitungskampagne ihrer Geschichte hinter sich. Der Preis für Zucker ist wieder gestiegen.

Stefan Borkert
Drucken
Teilen
Guido Stäger, Chef der Schweizer Zucker AG, hätte gern mehr Rübenanbauflächen.

Guido Stäger, Chef der Schweizer Zucker AG, hätte gern mehr Rübenanbauflächen.

Bild: Donato Caspari

105 Tage lang sind in der Zuckeri Frauenfeld wie die Zucker­fabrik vor Ort genannt wird, Rüben zu Zucker verarbeitet worden. Das ist Rekord. Guido Stäger, Geschäftsführer der Schweizer Zucker AG sagt, dass am 3. Januar die letzte Rübe verarbeitet worden war. Dann ist die Fabrik gereinigt und eingewintert worden. «Jetzt dürfen alle Mitarbeiter ein paar Tage zu Hause bleiben, bevor wir mit den Inspektionen und Unterhaltsarbeiten beginnen. Sie haben einen grossen Einsatz auch über die Festtage geleistet.»

Stäger erklärt, dass es diesmal ein schwieriges Rübenjahr war. «Der nasse Herbst mit den starken Regenfällen hat die Rübenmasse anschwellen lassen. Dadurch hat sich die Kampagne verlängert.» Gleichzeitig sei wegen des nassen Wetters viel Erde angeliefert worden, was die Verarbeitungsleistung in der Fabrik reduzierte und die Kampagne nochmals verlängerte. Ausserdem habe es auch noch ein paar technische Störungen gegeben.

Verlängerung wetterbedingt

Auch in Aarberg, wo die zweite Zuckerfabrik der Schweiz steht, lief nicht alles optimal. Dennoch spricht der CEO nicht von einem Krisenjahr: «Wir wollen nicht von einem Krisenjahr reden. Die Verlängerung der Kampagne war hauptsächlich wetterbedingt.» Technische Störungen seien bei einer Rund-um-die-Uhr-Verarbeitung von 100 Tagen nie ganz zu vermeiden. Die Anlagen in beiden Fabriken seien immerhin mit je gut 800000 Tonnen Rüben belastet worden. «Sicher hatten wir dieses Jahr ein paar grössere Störungen, die leider auch negative Auswirkungen für die Rübenanfuhr hatten», ergänzt er.

Zu schaffen machte zumindest teilweise auch der Transport. Der CEO betont: «Generell lief der Transport gut. Wir hatten beim internationalen Bahntransport und auch in Aarberg ein paar grössere Störungen. Aber das Bahnnetz ist überall an der Leistungsgrenze. Und es fehlen allen Bahnunternehmen Lokführer und auch Rangierspezialisten.» In Anbetracht dieser Situation sei der Transport durchaus rund gelaufen.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Anlieferung per Bahn in den letzten Jahren abgenommen hat, in sieben Jahren von 52 aus 44,6 Prozent. Stäger erklärt dazu: «45 Prozent Bahnanfuhr ist im europäischen Vergleich absolute Spitze.» Die Transportleistung der Traktoren und Lastwagen habe sich in den letzten Jahren ausserdem so stark verbessert, dass es für kurze Distanzen auch ökologisch keinen Sinn mache, zuerst auf Traktorzüge zu verladen und anschliessend auf die Bahn umzuladen. Stäger: «Die Kombination Bahn und Strasse lohnt sich erst ab einer gewissen Distanz: Diese Distanz hat in den letzten Jahren zugenommen. Wir stehen aber zu einer kombinierten Anfuhr auf der Schiene und der Strasse.»

Zuckergehalt war enttäuschend

Mit dem Ergebnis der Kampa­gne, also eine hohe Menge Rüben, aber ein niedriger Zuckergehalt, ist Stäger am Ende des Tages trotzdem zufrieden. «Man kann das Glas immer als halb voll oder halb leer betrachten.» Man habe im Osten sehr gute Erträge. Er sagt aber auch: «Es war witterungsbedingt ein schwieriges Jahr, und der Zuckergehalt war enttäuschend.» Besonders sei dies im Westen der Fall gewesen, wo der Wärmestress im Sommer grösser war und neue Krankheiten den Bauern das Leben schwermachten. Stäger resümiert: «Gesamthaft sind wir einigermassen zufrieden. Aber es gibt Regionen die auf ein sehr schwieriges Jahr zurückblicken.»

Der Zuckerpreis hat unterdessen wieder angezogen. Seitens der Zucker AG hofft man deshalb, dass der Rübenanbau für die Bauern attraktiver geworden ist. «Wir haben noch keine genauen Zahlen. Das Saatgut wird in den nächsten Wochen ausgeliefert», sagt Stäger. Man sei schon recht nahe bei den Mengen des Vorjahres. «Aber es ist richtig. Da wir in den letzten Jahren unterdurchschnittliche Zuckererträge hatten, würden wir die Anbaufläche gerne ausdehnen, um einen möglichst hohen Anteil des inländischen Zuckerbedarfs, in der Schweiz zu produzieren.»