RUAG: Satelliten statt Waffen

Im All tummeln sich vermehrt kommerzielle Anbieter. Davon will auch der Schweizer Industriekonzern profitieren. Er baut Satelliten fürs Programm von Richard Branson.

Roman Schenkel
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Ruag fertigt diverse Raumfahrt-Komponenten. (Bild: Urs Flüeler/KEY)

Ruag fertigt diverse Raumfahrt-Komponenten. (Bild: Urs Flüeler/KEY)

Roman Schenkel

Etwas mehr als vier von zehn Franken verdiente die Ruag 2016 mit ihren militärischen Bereichen. Noch 2010 stellte die Rüstung den grössten Umsatzblock dar. Die Tendenz aber ist weiter sinkend. «Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Politik, und im aktuellen Umfeld ist der Export von Kriegsmaterial ins Ausland schwierig», sagte Ruag-Chef Urs Breitmeier an der gestrigen Präsentation der Jahreszahlen in Zürich. Grund seien die Schweizer Beschränkungen für die Ausfuhr von Kriegsmaterial. Die Ruag muss sich deshalb am Markt genügend Geschäfte sichern, um die wegfallenden militärischen Erträge zu kompensieren. Und so wächst die Rüstungs- und Industriefirma insbesondere im zivilen Geschäft – etwa mit dem Strukturbau für Flugzeuge oder der Raumfahrt.

Viel Potenzial bietet dabei das Geschäft im Weltall: Dort profitiert Ruag davon, dass neben den bewährten wie Nasa oder Esa zunehmend private Anbieter ins Geschäft drängen. «Der Trend geht weg von den grossen institutionellen hin zu kommerziellen Anbietern», sagt Breitmeier. Fürs Projekt Oneweb – finanziert unter anderem von Virgin Galactic des britischen Unternehmers Richard Branson, Coca-Cola und Airbus – hat Ruag den Auftrag für den Bau von Strukturen für 900 Satelliten erhalten. «Wir bauen sozusagen das Chassis der Satelliten», erklärt Breitmeier. Diese Raumflugkörper sollen im Weltall platziert werden. In der Erdumlaufbahn, in 1200 Kilometern Höhe sollen sie rund um die Welt Zugang zum Internet ermöglichen. Bei Ruag haben die Produktionsvorbereitungen bereits gestartet. Am Cape Canaveral in Florida hat der Konzern im vergangenen Jahr eine Produktionsstätte aufgebaut. «Die Nähe zu den anderen Firmen ist zentral in diesem Geschäft», erklärt Breitmeier.

Raumfahrt wird zum Massenmarkt

In Florida könne die Ruag erstmals im Space-Bereich Produkte in Serie herstellen. «Die Raumfahrt wird dadurch zum Massenmarkt», sagt der Ruag-Chef. Laut Nike Möhle von Ruag Space werden die ersten Satelliten Anfang 2018 ausgeliefert. Die Trabanten sind rund 140 Kilo schwer und messen 90 auf 90 Zentimeter. Neben den Satelliten fertigt Ruag zudem auch die «Dispenser», auf welchen die Satelliten an den Trägerraketen befestigt sind.

Ruag-Chef Breitmeier ist zuversichtlich, dass weitere Aufträge folgen werden. Oneweb plane bereits den nächsten Expansionsschritt mit der Lancierung von über 2000 Satelliten. «Wir haben damit die Tür zu einem neuen Geschäftsfeld aufgetan», sagt Breitmeier. Denn Oneweb ist nicht das einzige Projekt: Auch SpaceX, hinter dem Tesla-Gründer Elon Musk steckt, und Blue Origin von Amazon-Chef Jeff Bezos, wollen Satelliten ins All schiessen. Bei SpaceX hat Ruag auch schon einen Fuss in der Türe. Dort hat der Konzern ebenfalls Satellitenstrukturen hergestellt. Wenn auch in kleinerem Umfang, so Breitmeier.

Zahlenmässig befindet sich die Ruag dank Airbus und der Raumfahrt im Steigflug. Zudem profitierte sie 2016 davon, dass sich immer mehr Leute in Europa eine Schusswaffe kaufen, weil sie sich unsicher fühlen. Der Umsatz kletterte um 6,5% auf 1,86 Mrd. Franken. Der Betriebsgewinns stieg um 10,4% auf 151 Mio. Franken.