Roter Rocker wird Griechen-Banker

PARIS. Der französische Geschäftsbanker Matthieu Pigasse berät die neue griechische Regierung in Finanzfragen. Manchmal, wenn die Türe zum Chefbüro aufgeht, dringt laute Rockmusik nach draussen. Etwa der Revoluzzer-Song «London Calling» der Kultgruppe The Clash.

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Matthieu Pigasse Generaldirektor Lazard France

Matthieu Pigasse Generaldirektor Lazard France

PARIS. Der französische Geschäftsbanker Matthieu Pigasse berät die neue griechische Regierung in Finanzfragen. Manchmal, wenn die Türe zum Chefbüro aufgeht, dringt laute Rockmusik nach draussen. Etwa der Revoluzzer-Song «London Calling» der Kultgruppe The Clash. Dann wissen die Untergebenen in den Vorzimmern: Der Boss ist scharf am Denken. Denn Matthieu Pigasse denkt am liebsten zu lauter Musik. Vielleicht, weil er gerne querdenkt. Der Direktor der renommierten Geschäftsbank Lazard France kämpft seit langem gegen den Austeritätskurs in den europäischen Hauptstädten. Diese Kur bringe den Patienten noch ins Grab, erklärt der feingliedrige Finanzmann in Fernsehsendungen.

Den 46jährigen Franzosen, der aus einer Journalistenfamilie stammt und Mitinhaber grosser Pariser Medien wie Le Monde ist, brachte die Austerität zumindest bis nach Athen. Am Tag nach dem Sieg der Wahlallianz Syriza jettete Pigasse in die griechische Hauptstadt. Der designierte Finanzminister Yanis Varoufakis hatte ihn – weil er sich in Sachen Rockmusik ebenfalls auskennt? – gerufen, um die wirtschaftspolitisch unerfahrene Regierung zu beraten. Pigasse liess sich nicht zweimal bitten. Der Vater von drei Kindern kennt die Finanzlage Griechenlands bis in die Details. 2012 beriet er schon den sozialistischen Pasok-Premier Giorgos Papandreou und erreichte, dass die Privatbanken auf mehr als die Hälfte ihrer Einlagen verzichteten. Dasselbe will er jetzt für die Syriza-Linke wiederholen. (brä)

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