ROHSTOFFE: Holz für Generationen

Vor 175 Jahren gegründet, kann die Holz Stürm AG aus Goldach ein seltenes Jubiläum feiern. Dabei wäre es fast nicht mehr dazu gekommen, suchte doch vor 15 Jahren eine Katastrophe den Betrieb heim.

Christof Lampart
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Die Holz Stürm AG in Goldach verfügt nicht nur über Lagerkapazitäten, sondern betreibt auch eine hauseigene Färberei und ein Hobelwerk. (Bilder: Ralph Ribi)

Die Holz Stürm AG in Goldach verfügt nicht nur über Lagerkapazitäten, sondern betreibt auch eine hauseigene Färberei und ein Hobelwerk. (Bilder: Ralph Ribi)

Christof Lampart

Als das Unglück geschah, war Martin Schwarz schon Geschäftsführer der Firma. Allerdings nicht an seinem Platz. «Ich weilte an der Expo.02 in Neuenburg und erhielt plötzlich eine SMS, dass der abgesoffen sei», erinnert sich Schwarz mit Schaudern an die «Stunde null».

Selbstredend brach der gelernte Schreiner, der einst als Verkäufer bei Stürm angefangen hatte, flugs seine Ferien ab und eilte nach Goldach. «Meine erste Amtshandlung war es, 30 Paar Gummistiefel zu kaufen und genügend Schaufeln zu besorgen, damit wir sofort mit dem Aufräumen beginnen konnten.» Das Bild, das sich nicht nur seinen Augen bot, war verheerend. «Während andere Holzbetriebe für gewöhnlich abbrennen, wurden wir buchstäblich weggespült.»

Wasser stand 1,60 Meter hoch

Was genau war geschehen? Anhaltender Regen im Appenzellerland liess an jenem unglückseligen 31. August 2002 die 18 Kilometer lange Goldach dermassen anschwellen, dass das mitgerissene Schwemmholz sämtliche Brücken Richtung Bodensee verstopfte.

So trat das Wasser übers Ufer, wurde jedoch gleichzeitig vom Bahndamm der Seelinie in Goldach aufgehalten. Die Konsequenzen waren für die Firma dramatisch, denn die Wassermassen suchten sich den Weg des geringsten Widerstandes durchs Firmengelände und spülten sämtliche Holzstapel hinweg. «Die Wassermassen mit dem mitgeführten Schlamm standen, übers ganze Firmenareal hinweg, rund 1,20 Meter hoch; im alten Bürogebäude sogar auf 1,60 Meter. Das Holz lag einfach überall: auf und ausserhalb des Fir­mengeländes und auch im See. Die Bretter verteilten sich bis nach Rorschach hinunter», sagt Schwarz.

Doch ein Betrieb, der über sieben Generationen existiert, hat nicht nur schon viele Erfolge gefeiert, sondern auch das eine oder andere wirtschaftliche Wellental mitgemacht. Und so war es denn auch nicht verwunderlich, dass der Stürm-Verwaltungsrat binnen 24 Stunden nach der Flut den Entscheid fällte, weiterzumachen. Martin Schwarz weiss heute, dass sie damals noch Glück im Unglück hatten, denn das Wasser kam mit voller Wucht in der Nacht, womit keine Menschen zu Schaden kamen. Die Schäden waren dennoch gewaltig, beliefen sich diese doch auf fast sechs Millionen Franken. Da war es schon ein glücklicher Umstand, dass die Firma finanziell kerngesund war.

«Wir haben nie zu den grössten Betrieben gehört, wohl aber zu den gesündesten, sind wir doch damals wie heute komplett eigenfinanziert und das Aktienpaket befindet sich in den Händen der Nachkommen von Eduard Stürm.» Und da nicht nur das finanzielle Fundament stimmte, sondern auch die Auftragslage, war nach dem ersten Schock klar, dass es weitergehen wird.

«Wir fabrizieren individuell»

In den Jahren danach hat sich die Firma gut erholt – auch wenn der Holzmarkt «zunehmend zum Verdrängungswettbewerb» mutiert, erklärt Schwarz – und sieht der Herausforderung gelassen entgegen. «Uns zeichnet die Nähe zum Markt, zur Industrie und zum Kunden aus. Und vor allem fabrizieren wir auf Wunsch, also individuell.»

Auch die Palette an Waren und Dienstleistungen – sie umfasst die Sparten Holzhandel, Hobelwerk/Produktion, Terrassenhölzer, Färberei und Konstruktion – ist umfassend. Doch all dies wäre nicht möglich, wenn die Holz Stürm AG nicht auf viele «solidarische und treue Mitarbeiter» zählen könnte; praktisch die Hälfte ist schon 20 Jahre oder länger mit dabei. «Sie sind es, welche uns in die Lage versetzen, unseren Kunden einen guten Service zu bieten und dabei auch eine gute Qualität zu einem angemessenen Preis anbieten zu können», sagt Schwarz.