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Roboter – vom Knecht zum Chef

Die künstliche Intelligenz zieht in die Chefetage ein. KI-Systeme könnten in Zukunft Anweisungen an menschliche Mitarbeiter erteilen. Aber ist das rechtlich und ethisch vertretbar? Und sind Roboterchefs gerechter?
Adrian Lobe

Die Roboter halten Einzug in die Wirtschaftswelt. In den Werken grosser Automobilbauer zurren sie schon Schrauben fest und montieren Karosserieteile, in Amazons Logistikzentren sortieren sie Pakete, bei Banken managen sie das Portfolio und entwickeln Anlagestrategien (Robo-Advisors). Und bei der Nachrichtenagentur Associated Press schreiben Algorithmen sogar Quartalsberichte. Mit den Fortschritten künstlicher Intelligenz könnten Roboter bald auch den Posten des Chefs übernehmen.

Analysieren und anweisen

Der japanische Elektronikkonzern Hitachi hat ein KI-System in seinen Logistikzentren entwickelt, das menschlichen Mitarbeitern konkrete Arbeitsaufgaben zuweist und damit zum Chef wird. Ein Computer analysiert die menschlichen Arbeitsabläufe und erteilt auf dieser Grundlage neue Handlungsanweisungen. Statt auf vorprogrammierte Instruktionen wie bei einer Logistiksoftware zurückzugreifen, soll das AI-System von dem «Skript» abweichen und sich an neue Bedingungen wie Wetter und Nachfrageänderungen anpassen. Die Technik soll die Produktivität in den Warenhäusern von Hitachi um 8% gesteigert haben.

Rechtliche Fragen

Bisher fiel die Hegelianische Herr-Knecht-Dialektik zugunsten des Menschen aus. Roboter übernahmen einfache Tätigkeiten wie Putzen oder Paketepacken. Der Mensch war Koch, die Maschine Kellner. Doch nun könnte das Verhältnis kippen.

Eine der aufkommenden Fragen dabei: Wollen wir uns von Robotern herumkommandieren lassen? Von künstlichen Wesen, die wir selbst programmiert haben? Eric Hilgendorf, Professor für Strafrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Universität Würzburg und Leiter der Forschungsstelle RobotRecht, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: «Wenn die Mitarbeiter von ihrem (menschlichen) Chef den Anweisungen einer Maschine unterstellt wurden, dann kann die Maschine rechtlich wirksam Anweisungen erteilen.»

Es bedarf also einer Ermächtigung der Maschine durch den Menschen, die Legitimationskette muss direkt auf einen menschlichen Vorgesetzten zurückgeführt werden. Eigenmächtig darf die Maschine nicht handeln.

«Nie schlecht gelaunt»

Das Versprechen der Roboterchefs ist, dass sie ihre Angestellten vorurteilsfrei führen. Wenn der Arbeiter in allen Aktivitäten messbar wird, könnte man ihn nur anhand seiner Daten bewerten. Die Maschine, so die Idee, sieht nicht, welcher Herkunft ein Arbeiter ist, welche Religion oder Ansichten er hat. «Maschinen sind emotionsfrei und behandeln, wenn sie entsprechend programmiert wurden, ihre Mitarbeiter fair und gerecht», sagt Professor Hilgendorf. «Sie haben keine schlechte Laune, die sie an anderen auslassen könnten.» Es spreche deshalb sogar einiges dafür, Maschinen als Chefs zu haben. Gleichwohl: Auch Algorithmen können diskriminieren. Keine Technik ist wertfrei, weil sie immer vom Menschen programmiert wird. Und der hat nun mal Vorurteile, ob er will oder nicht.

Die Frage ist auch, wozu die künstliche Intelligenz imstande ist. Das vermag derzeit niemand seriös abzuschätzen. Die Consultingfirma Maddison Solutions wartet in einem Report mit einem noch gruseligeren Szenario auf: «Die Messung der Arbeitsleistung wird noch feinkörniger werden, wenn intelligente Maschinen das primäre Mittel der Performanzanalyse werden. Aktivitäten und Events, die für menschliche Manager zu klein wären, um analysiert zu werden – zum Beispiel, der Winkel, mit dem ein Teller bei einem Dinner aufgetischt wird, die Geschwindigkeit, mit der ein Fahrer um die Ecke fährt oder die Häufigkeit, bei der ein VIP-Kunde mit einem Lächeln begrüsst wird – werden das Futter für die zum Mikromanagement fähigen Maschinen sein.» Der Roboter ist ständiger Aufpasser – ihm entgeht nichts. Doch wollen sich Beschäftigte einem solch rigiden Kontrollregime unterwerfen?

Patrick Lin, Direktor der Ethics + Emerging Sciences Group an der California Polytechnic State University, sagt im Gespräch: «Einige Arbeiter werden es vermutlich nicht gern haben, dass ein Roboter ihr direkter Aufseher ist. Es würde als entmenschlichend gesehen werden und Ängste eines Überwachungsstaates schüren. Roboter können zwar besser Lügen erkennen als Menschen, doch wäre es nicht mit dem Recht auf Menschenwürde vereinbar, wenn man ständig unter Verdacht ist.» Vielleicht ist es doch nicht ganz verkehrt, einen Chef aus Fleisch und Blut zu haben, der nachsichtig ist und manchmal auch ein Auge zudrückt.

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