Roaming wird massiv günstiger

In der EU haben sich Rat und Parlament auf neue Obergrenzen für Roaming- Gebühren geeinigt. Vor allem das Herunterladen von Daten wird viel günstiger.

Marianne Truttmann
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BRÜSSEL. Ab Anfang Juli und damit rechtzeitig zu Beginn der Sommerferien sinken in der EU die Preisobergrenzen für die Nutzung von Mobiltelefonen im EU-Ausland erneut. Die Unterhändler von Rat und Parlament einigten sich auf die neue EU-Verordnung zu den Roaming-Gebühren. Neben neuen Maximalpreisen für Gespräche und SMS werden erstmals auch Preisobergrenzen für das Daten-Roaming eingeführt. «Wir bringen jetzt mehr Wettbewerb in den Markt, um die bisherige Abzockerei beim Roaming zu beenden», sagt Angelika Niebler (CSU), die im Parlament für das Dossier zuständig ist. «Besonders beim mobilen Datendownload sind die Tarife noch astronomisch hoch und sachlich überhaupt nicht gerechtfertigt», sagt Niebler.

Die Maximaltarife für das mobile Herunterladen von Daten jenseits der Landesgrenze werden ab Juli 2012 auf maximal 70 Cent pro Megabyte begrenzt. Ab Juli 2014 gilt eine Obergrenze von noch 20 Cent. Heute liegen die Tarife bei 2.50 bis 3.50 € pro Megabyte. Ins EU-Ausland verschickte SMS dürfen ab Juli 2012 nur noch 9 Cent und ab 2014 noch höchstens 5 Cent kosten statt wie heute maximal 11 Cent. Die Maximaltarife für Telefonanrufe betragen ab Juli 2014 noch 19 Cent für einen abgehenden Anruf und 56 Cent für einen angenommenen Anruf.

Kunden ohne Fesseln

Auch kleinere Mobilfunkanbieter sollen künftig Zugang zu den Netzen haben (Open Access). Daneben soll es für Mobilfunkkunden die Möglichkeit geben, vor Ort auf die Angebote lokaler Anbieter zurückzugreifen.

Ab Juli 2014 sollen EU-Bürger unabhängig von ihrem heimatlichen Mobilfunkvertrag eine Vereinbarung zum Roaming abschliessen können. Sie wären damit nicht mehr an einen Anbieter gebunden, könnten jedoch ihre Mobilfunknummer behalten. Die Handys sollen automatisch beim Grenzübertritt den jeweiligen Roaming-Anbieter wählen.

Roaming dereinst ganz passé?

Mobilfunkfirmen kritisieren die Einigung. 7% ihrer Mobilfunkerlöse stammen laut der Agentur Reuters aus dem Roaming. Auf die vier Anbieter Vodafone, Deutsche Telekom, Orange und Telefonica entfallen 80% des Mobilfunkmarktes in der EU. Bis heute nicht unerfüllt ist die Hoffnung der EU-Kommission auf mehr Preiswettbewerb: Die Firmen kleben mit ihren Angeboten an den vorgeschriebenen Obergrenzen. Einige Politiker fordern die Abschaffung der Roaming-Gebühren.

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