Kult-Getränk

Rivella-Chef: «Drei Wochen ohne Rivella hält man aus»

Der Rivella-CEO Erland Brügger freut sich über gute Jahreszahlen. Im Interview sagt er, warum es keinen Rivella-Wodka geben wird und verrät uns, was er im Ausland trinkt.

Peter Brühwiler
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«Ins Ausland zu gehen, wäre ein Affront»: Rivella-CEO Erland Brügger. Chris Iseli

«Ins Ausland zu gehen, wäre ein Affront»: Rivella-CEO Erland Brügger. Chris Iseli

Chris Iseli

Rivella konnte den Umsatz im letzten Jahr um 4,1 Prozent steigern. Ich nehme an, Sie sind zufrieden?

Erland Brügger: Ja, vor allem auch angesichts der Tatsache, dass der wettermässig durchzogene Sommer für die Getränkebranche nicht perfekt war. Besonders freut mich, dass unsere neuen Produkte gut angelaufen sind. Von den beiden im letzten Jahr lancierten Geschmacksrichtungen Pfirsich und Rhabarber haben wir 2014 insgesamt acht Millionen Flaschen verkauft.

Im Ausland ist die Wachstumsrate mit plus 21 Prozent noch beeindruckender.

Erland Brügger

Der 48-jährige Solothurner leitet die Rivella-Gruppe seit dem Jahr 2011. Zuvor war der Ökonom neun Jahre lang bei der Wander AG unter anderem für die Konzernmarken Ovomaltine und Caotina in den Gebieten Schweiz und Zentraleuropa zuständig.

Die anderen ausländischen Absatzmärkte sind mengenmässig vernachlässigbar?

In Deutschland sind wir nach wie vor unterwegs. Aber wir haben beschlossen, uns dort wieder hauptsächlich auf das Kerngebiet Baden-Württemberg zu konzentrieren. Als Familien-KMU muss man die Kräfte bündeln. Wir können den deutschen Markt nicht mit der Brechstange erobern, weil uns dazu die Mittel fehlen.

Rivella ist zudem im Osten Frankreichs, im Westen Österreichs und in Luxemburg präsent. Lohnt sich dieses Engagement finanziell?

Ja, finanziell lohnt es sich. Aber wir haben keine Pläne, gross in diese Märkte zu investieren. Das ist eher ein Halten-Geschäft.

Warum läuft es in Holland so viel besser?

Wir sind dort schon seit gut 60 Jahren präsent. Die Holländer betrachten Rivella sozusagen als ihre eigene Marke und sind teilweise sogar überrascht, wenn sie hören, dass das Getränk auch ausserhalb ihres Landes verkauft wird.

Falls Sie im Auslandgeschäft ihre Marge halten wollen, müssen Sie nach der Frankenaufwertung vom 15. Januar die Europreise erhöhen. Ist es da von Vorteil, dass Rivella sowieso schon als teures Premium-Produkt positioniert ist?

Wir haben uns vorderhand gegen eine Preiserhöhung im Euroraum entschieden, beobachten die Entwicklung aber natürlich genau. Vor der Frankenaufwertung war Rivella im Ausland tendenziell teurer als in der Schweiz. Mit dem aktuellen Eurokurs von 1.07 hat sich das Preisniveau jetzt angeglichen.

Die Frankenaufwertung schlägt also auf ihre Marge.

Natürlich geht die ganze Eurodiskussion nicht ganz spurlos an uns vorbei. Aber wir werden das überleben, zumal wir ja rund 75 Prozent unseres Umsatzes im Inland machen.

Die inländischen Kunden forderten nach dem 15. Januar keine Preisnachlässe?

Es gab einen signifikanten Druck auf die Branche. Auch wir sind vom Schweizer Detailhandel kontaktiert worden. Aber wir produzieren in der Schweiz, mit Rohstoffen und Verpackungsmaterial aus der Schweiz. Da wir beim Einkauf deshalb nicht von tieferen Europreisen profitieren, können wir auch unsere eigenen Preise nicht senken. «Eurorabatte» sind in der Getränkebranche allerdings sowieso weniger ein Thema, weil auch international aufgestellte Getränkehersteller den grossen Teil ihres Schweizer Volumens lokal vor Ort produzieren.

Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland ist also trotz des starken Frankens kein Thema?

Ins Ausland zu gehen, wäre ein Affront gegenüber den Schweizer Konsumenten. Zudem ist die Gründerfamilie hier in Rothrist verwurzelt. In der Schweiz zu produzieren, ist nach wie vor möglich. Natürlich muss man dafür technisch auf dem neusten Stand sein. Wir investieren deshalb gerade 20 Millionen Franken in eine neue Abfüllanlage.

Vom Preis zum Sortiment: Sie haben letztes Jahr zwei neue Geschmacksrichtungen lanciert. Wie man hört, sind aus Platzgründen aber nicht alle Detailhändler und Restaurantbesitzer bereit, fünf verschiedene Rivella-Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen.

Neue Sachen sind für unsere Kunden grundsätzlich spannend und die Geschmacksrichtungen Pfirsich und Rhabarber sind wie gesagt auch gut angelaufen. Aber es ist schon so: Der Platz, zum Beispiel in der Getränkeschublade eines Restaurants, ist natürlich begrenzt. Wir planen deshalb auch nicht, in nächster Zeit weitere Rivella-Produkte zu lancieren.

In der Entwicklungsabteilung in Rothrist wird derzeit also nicht an neuen Geschmacksrichtungen getüftelt?

Ich erwarte schon, dass sich unsere Mitarbeitenden laufend Gedanken über mögliche neue Produkte machen. Dass die Rhabarber-Variante praktisch gleich gut laufen würde wie die Pfirsich-Variante, war zum Beispiel nicht unbedingt absehbar. Falls die Rhabarber-Geschmacksrichtung weniger gut angekommen wäre, hätten wir etwas anderes bereit haben müssen — was wir auch jederzeit haben.

Haben Sie sich auch schon überlegt, in den Alkoholika-Markt einzusteigen oder mit einem Spirituosenhersteller zusammenzuarbeiten?

Nein, das ist für uns keine Option. Was der Konsument mit dem Rivella macht, ist natürlich seine Sache. So habe ich auch schon von Restaurants und Beizen gehört, die Rivella-Drinks anbieten. Für uns und auch für die Besitzerfamilie ist aber klar: Wir stellen Erfrischungsgetränke her und sind in der Sportwelt zu Hause. Sollte zum Beispiel ein Wodka-Hersteller mit der Idee für einen Rivella-Wodka anklopfen, müsste ich also Nein sagen.

«Sportler trinken Rivella» lautet ja auch der legendäre Werbeslogan aus den 70er-Jahren. Gehen Sie da als Rivella-Chef selber mit gutem Beispiel voran?

Man kann natürlich auch als unsportliche Person hier arbeiten, aber der sportliche Gedanke schwingt bei uns schon irgendwie mit. Ich fahre gelegentlich mit dem Velo von meinem Wohnort Muri bei Bern zur Arbeit, das sind immerhin 60 Kilometer.

Und nach der Ankunft belohnen Sie sich mit einer Flasche Rivella, nehme ich an? Wie ist das im Ausland? Haben Sie auch auf Geschäftsreisen immer einen genügend grossen Rivella-Vorrat im Gepäck?

Reisen führt ja dazu, dass man Rivella nach der Rückkehr noch mehr schätzt. Vieles findet man überall, aber Rivella nur hier. Ich halte es ebenso und habe herausgefunden: Drei Wochen ohne Rivella, das hält man schon aus.