Rieter nimmt neuen Anlauf in Asien

Nach dem Boomjahr 2010 hat sich das Geschäft des Textilmaschinenbauers Rieter im Laufe des letzten Jahres etwas abgekühlt. Für China und Indien wird ein Investitionsprogramm reaktiviert.

Thomas Griesser Kym
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WINTERTHUR. Im Jahr 2010 bestellten die Kunden Textilmaschinen wie verrückt. Rieters Kapazitäten waren voll ausgelastet, und man musste Kunden wegen längerer Lieferzeiten vertrösten. Bis ins 1. Quartal 2011 ist der Auftragsbestand weiter gewachsen, seither hat sich das Geschäft beruhigt. Grund ist laut Rieter eine Abkühlung des Investitionsklimas: Baumwolle wurde teurer, Garn billiger. Für die Spinnereien als Rieter-Kunden bedeutete das höhere Rohmaterial- und niedrigere Endproduktepreise. Das erhöhte den Druck auf Margen und Liquidität der Spinnereien, die als Folge weniger neue Maschinen bestellten. Hinzu gesellte sich Verunsicherung über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft.

Indien und China im Fokus

Die Spuren bei Rieter: 2011 schwoll der Umsatz dank der üppigen Bestellungen aus dem Vorjahr ebenso an wie die Ergebnisse, die zudem durch den Erlös aus dem Verkauf einer Joint-Venture-Beteiligung in Indien aufpoliert wurden. In Indien baut Rieter nun die eigene Präsenz weiter aus, ebenso in China. Aus diesen beiden Ländern sowie aus der Türkei erhält das Unternehmen die grössten Bestellmengen, da sich dorthin Zentren der globalen Textilindustrie verlagert haben. 2011 hatte Rieter die Investitionen in Sachanlagen auf 57 Mio. Fr. mehr als verdoppelt, 2012 und 2013 will man für den Ausbau in Asien und für Produkteinnovationen insgesamt 90 Mio. Fr. ausgeben. Das Asien-Programm war 2007 aufgelegt, dann aber wegen der Finanzkrise schubladisiert worden.

Investitionen kosten Marge

2012 dürfte der Umsatz im höheren einstelligen Prozentbereich sinken. Die operative Marge, die 2011 von 9% auf 10,8% des Umsatzes gehievt wurde, dürfte wegen der Investitionen und 50 Mio. Fr. Ausgaben für Prozessverbesserungen 2012/13 um 3 Prozentpunkte gemindert werden.