Rieter kappt die Produktion

Die Aufgabe der Herstellung von Textilmaschinen am Standort Winterthur kostet bei Rieter über 200 Stellen. Arbeitnehmervertretungen befürchten weiteren Abbau in der Industrie.

Thomas Griesser Kym
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WINTERTHUR. Nach der Ankündigung Rieters, in Winterthur 150 feste Stellen abzubauen und die Zahl der Temporärkräfte um 59 zu verringern, werden Befürchtungen laut, dies sei der Anfang einer Welle von Entlassungen in der Industrie. Zumal am Tag davor die Muttenzer Doetsch Grether mitgeteilt hatte, per Ende 2016 die Herstellung von Pflegeprodukten aufzugeben. «Jetzt verdichten sich die Zeichen, dass es zu einem weiteren Stellenabbau kommen wird», sagt Christof Burkard, Vizechef des Verbandes Angestellte Schweiz: «Die Frankenkrise ist in der Industrie noch nicht ausgestanden.» Und die Gewerkschaft Unia fordert vom neuen Parlament industriepolitische Schritte, «um die drohende Deindustrialisierung der Schweiz zu verhindern».

Rieter selber begründet den geplanten Stellenabbau auch mit der Frankenstärke, aber nicht nur. Hinzu komme, dass sich die Spinnereiindustrie in den letzten Jahren weiter nach Asien verlagert habe. Als Folge hat Rieter in China und Indien in Fabriken investiert und bereits vergangenen März angekündigt, die Produktion in Winterthur zu straffen und das Einkaufsvolumen in Franken zu reduzieren.

Montage und Tests im Fokus

Als weiterer negativer Faktor gilt eine geringe Nachfrage nach neuen Textilmaschinen. Entsprechend seien im 3. Quartal 2015 Bestellungen für bloss 98,3 Mio. Fr. eingegangen, wodurch der Standort Winterthur niedrig ausgelastet sei. Geplant sei deshalb eine «temporäre Anpassung der Arbeitszeit» – also vor allem Kurzarbeit, wie Rieter-Sprecherin Cornelia Schreier bestätigt. Die Forderung von Angestellte Schweiz, Kurzarbeit auch für Beschäftigte zu prüfen, denen die Entlassung drohe, weist Schreier zurück. Mit Kurzarbeit könne man einen kurzfristigen Nachfragerückgang meistern. Rieter aber müsse eine «Anpassung der Strukturen» vornehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit mittel- und langfristig sicherzustellen.

In der Tat will Rieter in Winterthur die Produktion einstellen, konkret die spanende Bearbeitung und die Blechbearbeitung aufgeben. Dies soll künftig von Rieter-Fabriken im Ausland und von Lieferanten erledigt werden. Rieter selber will sich in Winterthur, wo momentan noch 855 Menschen arbeiten, auf die Montage und die Tests der Maschinen konzentrieren.

Dünnere Auftragsbücher

Diese Massnahmen sollen ab 2017 die Kosten um 15 Mio. bis 20 Mio. Fr. senken. Der Stellenabbau soll teils über Fluktuation und Frühpensionierungen erfolgen. Rieter sei es «sehr wichtig, die Zahl der Kündigungen so gering wie möglich zu halten», sagt Schreier. Für Betroffene gebe es einen Sozialplan.

Besser als das Neugeschäft laufen die Komponenten mit Bestellungen im 3. Quartal für 68,2 Mio. Fr. und die After Sales (Kundenservice) mit 32,3 Mio. Franken. In den ersten neun Monaten 2015 hat Rieter total Bestellungen erhalten für 587 Mio. Fr. – das ist lediglich die Hälfte der Bestellungen von ganz 2014.