Rieter behält Kosten im Auge

Der Industriekonzern Rieter hat vergangenes Jahr die Talsohle durchschritten. Mit weiteren Kostensenkungsmassnahmen und erhöhten Umsätzen soll 2010 der Turnaround gelingen.

Martin Sinzig
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Winterthur. Auf das mit Abstand schwierigste Jahr in seinen 32 Jahren bei Rieter blickte der exekutive Verwaltungsratspräsident Erwin Stoller an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz zurück. Innerhalb von zwei Jahren schrumpfte der Konzern auf die Hälfte seines ursprünglichen Geschäftsvolumens. Allein im vergangenen Jahr reduzierten sich die Umsätze um 38% auf noch knapp 2 Mrd. Franken. Trotz drastischer Sparmassnahmen musste der Konzern operative Verluste hinnehmen.

Stellenabbau auch in Sevelen

Die im Sommer 2008 eingeleiteten Kostensenkungs- und Restrukturierungsprogramme umfassten unter anderem schmerzhafte Einschnitte beim Personal. Um die Kapazitäten an die stark gesunkene Nachfrage anzupassen, wurden bis Ende 2009 insgesamt 2360 Vollzeit- und Temporärstellen gestrichen. Weitere 1390 Stellen sollen im laufenden und im kommenden Jahr abgebaut werden. Auch die Schweizer Standorte in Winterthur und in Sevelen waren betroffen. Insgesamt 275 Mitarbeitende mussten gehen.

In Sevelen reduzierte sich der Bestand im Jahresverlauf von 423 auf 346 Stellen.

Die zahlreichen Massnahmen zur finanziellen Stabilisierung von Rieter hätten Wirkung gezeigt. «Wir haben den Härtetest bestanden, die arterielle Blutung konnte gestoppt werden», verwies Stoller auf die Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von 36% und einer positiven Nettoliquidität. Die Verluste konnten im zweiten Halbjahr halbiert werden.

Beide Divisionen (Textile und Automotive Systems) hätten die Tiefpunkte durchschritten und von der Markterholung profitiert.

Turnaround 2010 schaffen

Die Sparte Textile Systems erfuhr im zweiten Halbjahr im Vergleich zum ersten Semester eine kräftige Nachfragebelebung. Sie habe als Marktführerin bei Technologiekomponenten eine starke Position, meinte Stoller. Auch Automotive Systems profitierte im zweiten Semester von einem günstigeren Marktumfeld.

Vor allem bei wichtigen Produktionsanläufen für kleinere Fahrzeuge konnte der Industriekonzern einsteigen, so zum Beispiel als Lieferantin für den Ford Focus, der neu auch in den USA angeboten wird.

Beide Divisionen müssten so entwickelt werden, dass sie ihre Kapitalkosten verdienen und organisches Wachstum aus ihrem Cashflow finanzieren könnten, machte der exekutive Verwaltungsratspräsident klar.

Deutliche Umsatzsteigerungen, eine weitere Senkung der Gewinnschwelle sowie beschleunigte Produktinnovationen für die Wachstumsmärkte in China und Indien seien nötig, wenn Rieter wie angekündigt 2010 den Turnaround schaffen wolle.

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