REVITALISIERUNG: Luxus in Handarbeit

Die Ausserrhoder Kosmetikfirma Intracosmed hat ihrem einst aufgegebenen Standort in Bühler neues Leben eingeimpft. Hier werden Luxusprodukte entwickelt und hergestellt.

Thomas Griesser Kym
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Die Geschwister Daniela und Thomas Früh, die zusammen mit Ulrich Paganini die Intracosmed AG leiten. (Bild: Michel Canonica (Bühler, 16. Juni 2017))

Die Geschwister Daniela und Thomas Früh, die zusammen mit Ulrich Paganini die Intracosmed AG leiten. (Bild: Michel Canonica (Bühler, 16. Juni 2017))

Thomas Griesser Kym

Schweizer Produkte stehen weltweit für Qualität. Das gilt auch für Kosmetika und ist bei diesen besonders wichtig. Thomas Früh weiss, warum. «Kosmetik lässt man an sich heran. Sie muss authentisch und glaubwürdig sein», sagt der Chef der Intracosmed AG. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Urnäsch entwickelt und produziert Kosmetikprodukte im Premiumsegment für 30 Schweizer und internationale Marken. 2004 war die Firma von Bühler, wo sie kurz nach der Übernahme durch Frühs Vater seit 1992 produziert hatte, nach Urnäsch umgezogen. Doch kürzlich hat sie auch den alten Standort in Bühler wieder reaktiviert.

Ausschlaggebend für diesen Entscheid war nicht in erster Linie das Wachstum der vergangenen Jahre. Zwar ist Intracosmed seit dem Umzug von 25 auf 90 Mitarbeitende gewachsen, aber seither wurde auch die Produktion sukzessive platzsparender vollautomatisiert. Zudem hat das Un­ternehmen in Urnäsch genügend Baulandreserven. Aber in den vergangenen Jahren sind zunehmend Aufträge für Luxuskosmetika hereingekommen. Diese werden, anders als die Premiumprodukte, nicht von A bis Z vollautomatisch hergestellt, sondern in Handarbeit konfektioniert. Zudem sind im Luxussegment die Anforderungen an die Hygiene noch höher, die Volumen sind geringer und die Fertigungs­geschwindigkeit ist tiefer. Kurzum: Das ganze Herstellverfahren ist deutlich komplexer.

Aufwendige Zertifizierung

All das hat Früh dazu bewogen, die beiden Segmente örtlich voneinander zu trennen und die Luxusprodukte nach Bühler zu zügeln, wo die alte Halle saniert und umgebaut wurde, und die Öl- wich einer Schnitzelheizung. Früh nennt diesen Standort «eine ­Manufaktur», während Urnäsch «eine Hightech-Anlage» ist. Dort habe man dank des Auszugs der Luxusprodukte, was die Pro­duktion rationeller gestaltet, inzwischen auf Zweischichtbetrieb hochfahren können. Seit zwei Jahren stellt Intracosmed ausserdem eigene Kosmetikprodukte und Parfums her, die man in ­Ei­genregie vertreibt.

In Bühler arbeiten derzeit zehn Mitarbeitende, im End­ausbau sollen es 25 bis 30 sein. Abgefüllt und verschlossen werden die Produkte hier auf exklusiv für Intracosmed konzeptionierten und ­gebauten Maschinen der Frauenfelder Firma Zellwag.

Intracosmed sieht sich als Full-Service-Anbieter. Das heisst, das Unternehmen bietet eine ganze Palette an Dienstleistungen an, von der Marktbeobachtung und -analyse über die Entwicklung der Rezepturen und Ver­packungen bis zur weltweiten Rohstoffbeschaffung, Produktion und Zertifizierung. «Alleine eine einfache Körperlotion zertifizieren zu lassen, kann gut und gerne 150 bis 200 Seiten Papier erfordern», sagt Früh.