RETTUNGSSCHIRM: Athen will auf den Markt zurück

Noch hängt Griechenland am Tropf der Hilfskredite. Gestern hat der Euro-Stabilitätsfonds (ESM) eine Kreditrate von 7,7 Milliarden Euro überwiesen.

Gerd Höhler, Athen
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Mit dem vor zwei Jahren geschnürten dritten Rettungspaket ist das Land bis zum August 2018 durchfinanziert. Danach soll es sich wieder am Kapitalmarkt Geld besorgen. Rechtzeitig vor dem Ende des Programms will die staatliche Schuldenagentur PDMA demnächst den Appetit der Anleger auf neue griechische Schuldpapiere testen.

Im Gespräch ist eine fünfjährige Anleihe im Volumen von rund zwei Milliarden Euro. Sie soll einen 2014 aufgelegten Bond gleicher Laufzeit ersetzen. Mit einer solchen Emission könnte die Schuldenagentur Griechenland den sehr hohen Refinanzierungsbedarf für 2019 reduzieren. Klar ist: Griechenland wird für frisches Geld am Kapitalmarkt zwischen vier und fünf Prozent Zinsen zahlen müssen und damit deutlich mehr als für die Euro-Hilfskredite. Aber die Kosten der Kreditaufnahme stehen nicht im Vordergrund, zumal es sich um einen überschaubaren Betrag handeln wird. Es geht darum, den Marktzugang schrittweise wieder zu öffnen.

Anleger warnen vor Überstürzung

Marktbeobachter schliessen nicht aus, dass die Regierung noch in diesem Monat an den Markt gehen könnte. Aber institutionelle Anleger warnen, Athen dürfe jetzt nichts überstürzen. So sollte einer Emission eine Roadshow vorausgehen. Das spricht eher für einen Marktgang im Herbst, zumal sich Griechenland dann wahrscheinlich billiger refinanzieren könnte. Die geplante Emission ist nicht die erste Rückkehr an den Markt seit Beginn der Krise Anfang 2010. Damals verlor Athen den Marktzugang. Bereits im April 2014 testete die damalige konservative Regierung den Finanzmarkt mit einer fünfjährigen Anleihe. Im Juli folgte ein dreijähriger Bond. Doch die zweite Emission brachte nur 1,5 statt geplanter drei Milliarden Euro in die Kassen. Die Aussicht auf vorzeitige Parlamentswahlen und einen Sieg des radikalen Linksbündnisses Syriza verunsicherte die Anleger.

Solche Sorgen gibt es jetzt nicht. Sollte es zu vorzeitigen Wahlen kommen, wären die oppositionellen Konservativen der wahrscheinliche Gewinner. Sie versprechen eine Beschleunigung der Strukturreformen. Neuwahlen wären mithin, anders als 2014, kein Schreckensszenario. Allerdings gibt es immer noch keine Klarheit über die seit Jahren diskutierten Schuldenerleichterungen. Das könnte die Anleger verunsichern.

Wann Tsipras den Markt mit einer Emission testet, hängt von der Entwicklung der Renditen ab. Letztlich ist das auch eine politische Frage. 2014 betrug die Rendite der damals begebenen fünfjährigen Anleihe 4,95 Prozent. Tsipras möchte den geplanten Bond auf alle Fälle zu günstigeren Konditionen an den Markt bringen als Vorgänger Antonis Samaras vor drei Jahren. Alles andere wäre eine politische Blamage.

Gerd Höhler, Athen