RESTRUKTURIERUNG: Die Tage der Tipper Tie Alpina sind gezählt

Unter neuer Eigentümerschaft verdichten sich die Anzeichen, dass der angeschlagene Flawiler Maschinenbauer Tipper Tie Alpina bis Mitte Jahr geschlossen wird.

Thomas Griesser Kym
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Seit 1. November 2016 gehört die Tipper Tie der JBT Corporation aus Chicago. (Bild: PD)

Seit 1. November 2016 gehört die Tipper Tie der JBT Corporation aus Chicago. (Bild: PD)

Vor einem Jahr hat die Tipper Tie Group die Schliessung ihres Produktionsstandorts Flawil mit 55 Beschäftigten und die Verlagerung der Tätigkeiten der Tipper Tie Alpina GmbH an andere Standorte des Unternehmens im Ausland angekündigt. Damit verbunden wurde die Aussicht auf rund 40 Kündigungen. Dies wegen zu hoher Produktionskosten und der Frankenstärke. Zur Mitte 2016 dann keimten Hoffnungen, dass zumindest ein Teil der Stellen und des Standorts erhalten bleiben könnten: Zum einen suchte der zuständige Manager Rainer Schmid einen Käufer für das Segment der Bowl Chopper (Rührmaschinen), zum anderen kündigte er an, der Standort Flawil solle nach Aufgabe der Produktion und Montage ein Verkaufs, Service- und Engineering- Stützpunkt werden.

Seither herrscht Funkstille. Der Grund: Per vergangenen 1. November hat der US-Mischkonzern Dover die Tipper Tie Group, die Maschinen zur Fleischverarbeitung und Wurstherstellung fabriziert, an die JBT Corporation verkauft. Das Unternehmen aus Chicago mit 4500 Mitarbeitenden stellt Produkte und Anlagen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie mit Fokus auf Proteine, Flüssignahrung und automatisierte Systeme her. Für die Tipper Tie Group, die rund 90 Mio. $ an Umsatz beitragen soll, hat JBT 160 Mio. $ bezahlt.

Wie sich der Handwechsel auf die Restrukturierung der Tipper Tie Alpina auswirkt respektive wie weit der Umbau der Flawiler Firma fortgeschritten ist, darüber schweigt sich JBT aus. Ein Fragenkatalog an Debarshi Sengupta, bei JBT zuständig für Unternehmensentwicklung, bleibt zunächst wochenlang unbeantwortet und wird nach einer neuerlichen Anfrage über Standortleiter Armin Thalmann mit einer Absage quittiert. «Interne Firmenbelange» würden «nicht öffentlich kommentiert», schreibt Sengupta. JBT werde den Journalisten dann kontaktieren, wenn man bereits sei, Informationen im Publikum zu verbreiten.

«Schliessung des momentan bestehenden Standorts»
Auch die Gewerkschaften sind vom Informationsfluss der Tipper Tie vollständig abgekoppelt, wie eine Nachfrage bei Danilo Ronzani von der Syna und Dietmar Helbig von der Unia ergibt. Einen Einblick in die Pläne der neuen US-Muttergesellschaft mit Tipper Tie gewährt hingegen der Flawiler Standortleiter Armin Thalmann auf seinem Profil auf dem Karriereportal Linkedin. Dort beschreibt er sein Mandat bei der Tipper Tie Alpina als «Projektleitung», die «voraussichtlich bis Juni 2017» dauere. Detailliert listet Thalmann seine Aufgaben auf. Dazu gehören die «temporäre operative Leitung des Standorts Flawil» und im Endeffekt die «Schliessung des momentan bestehenden Standorts». Auf dem Weg dahin sollen die Produkte der Tipper Tie Alpina – neben den Rührmaschinen produziert das Unternehmen Clipmaschinen, welche die gefüllten Wurstdärme an den Enden mit einem Clip verschliessen – an andere Tipper-Tie-Standorte in Deutschland und den USA respektive samt Fertigung zu neuen Eigentümern transferiert werden.

Thalmann kennt das Flawiler Unternehmen wie seine Westentasche. Von 1991 bis Mai 2015 arbeitete er gut 24 Jahre für die Tipper Tie Alpina respektive deren Vorgängerin Hoegger Alpina, davon die letzten drei Jahre als Werksleiter. Vergangenes Jahr nun ist er zurückgekehrt – um das Unternehmen abzuwickeln. Wie viele Leute es heute noch beschäftigt, ist über offizielle Kanäle ebenfalls nicht in Erfahrung zu bringen. Laut Insidern sind es jedoch weniger als vor Jahresfrist.