Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

REPUTATION: Banken spielen die zweite Geige

Der Ruf der Schweizer Versicherungen ist schon seit langem besser als jener der Kreditwirtschaft. Jetzt verlieren die Banken auch ihre Dominanz in der Wertschöpfungsstatistik.
Daniel Zulauf
Versicherer wie Helvetia befinden sich im Aufwind. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 14. Februar 2017))

Versicherer wie Helvetia befinden sich im Aufwind. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 14. Februar 2017))

Daniel Zulauf

2018 ist das Jahr, in dem sich die staatliche Rettungsaktion der UBS zum zehnten Mal jährt. Von der beispiellosen Zäsur der Finanzkrise haben sich die Schweizer Grossbanken bis heute nicht ganz erholt. Zwar haben sich die betriebswirtschaftlichen Leistungswerte von UBS und Credit Suisse mit Hilfe tief gehender Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogramme verbessert. Doch die beiden Finanzkonzerne operieren in puncto Rentabilität nach wie vor weit unter dem Vorkrisenniveau.

Auch produzieren die Grossbanken weiterhin vorwiegend Negativschlagzeilen in den ­Medien. Das zeigt der Reputationsmonitor für die Schweizer Wirtschaft, wie ihn das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich zusammen mit der Beratungsfirma CommsLAB Quartal für Quartal berechnet. Die jüngste Analyse des Fög zeigt: Kein Wirtschaftssektor hatte per Ende 2017 einen schlechteren Ruf in den Medien als die beiden international tätigen Zürcher Finanzinstitute. Die Gründe dafür sind naturgemäss vielschichtig. Die laufende Abarbeitung der skandalträchtigen Altlasten sorgt regelmässig für schlechte Stimmung unter den Aktionären und liefert unerfreulichen Gesprächsstoff in der Öffentlichkeit. Auch die zweistelligen Millionengehälter bringen die CEOs Sergio Ermotti (UBS) und Tidjane Thiam (Credit Suisse) auf wenig vorteilhafte Weise ins Rampenlicht.

Exportwirtschaft in den vordersten Rängen

«Wir messen bei den Grossbanken seit der Finanzkrise eine sehr tiefe Reputation. Auffallend ist aber der jüngste deutliche Rückgang in der medialen Beachtung, was wieder auf eine gewisse Normalisierung schliessen lässt», sagt Reputationsspezialist Angelo Gisler vom Fög. Abgesehen von einigen Dienstleistungsbranchen wie der Temporärarbeit (Adecco), die aber nur eine minimale mediale Beachtung haben, findet man klassische Schweizer Erfolgssektoren wie die Luxusgüterbranche (Uhren), die Maschinenindustrie oder die Pharmaindustrie in den vordersten Rängen des Reputationsmonitors. Diese Branchen stehen sinnbildlich für eine starke Wirtschaft, die sich mit ihren Exporten auf ausländischen Märkten behaupten kann und damit auch im Stande ist, im eigenen Land Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. «Das ist kein Zufall», sagt Gisler. «Unsere Befunde decken sich mit einem internationalen Trend, der eine Renationalisierung der öffentlichen Debatte zu Wirtschaft und Politik anzeigt.» Die Schweizer Politik scheint in den vergangenen zwei Jahren zwar eher etwas europafreundlicher geworden zu sein, und die Möglichkeiten zum Abschluss neuer Freihandels­abkommen werden hierzulande (hinter den Kulissen) vermutlich intensiver diskutiert als in vielen anderen Industrieländern. Doch in den Medien und in der breiten Öffentlichkeit punkten nicht Unternehmen wie die UBS, deren CEO selbst eine Sitzverlegung der Bank ins Ausland nicht kategorisch ausschliessen will. Für positive Schlagzeilen sorgen vielmehr jene Firmen, die ihre helvetische Identität zu unterstreichen wissen. Der Bau der imposanten neuen Roche-Zentrale in Basel verschafft der Pharmaindustrie ebenso mediale Sympathiepunkte wie der Kampf der Maschinenbauer, die ihre Absatzmärkte mit dem Verzicht auf Gewinnmargen vor den Folgen des Frankenschocks abzuschirmen verstanden.

Als die Regionalbanken die Prügelknaben waren

Auch die Versicherungswirtschaft hat sich einen festen Platz unter den medial beliebtesten Wirtschaftssektoren der Schweiz erobert. Und diesen dürfte die Assekuranz so schnell nicht mehr an die Banken verlieren. Während die nominale Wertschöpfung der Kreditwirtschaft 2006, unmittelbar vor Beginn der Finanzkrise, mit 42 Milliarden Franken noch fast doppelt so gross war wie jene der Versicherungsbranche (22 Milliarden Franken), haben sich die Beiträge der beiden Sektoren zum Bruttoinlandprodukt (BIP) 2016 bei je rund 30 Milliarden Franken angeglichen. Insgesamt ist der Beitrag des Finanzsektors zum BIP über diese Zeitspanne von 12 Prozent auf 9,1 Prozent ­zurückgegangen.

Eine Hochrechnung des Trends lässt erwarten, dass die Banker in der Schweiz nicht nur im gesamtwirtschaftlichen Kontext an Bedeutung verlieren, sondern auch innerhalb des Finanzsektors bald nur noch die zweite Geige spielen könnten. Das letzte Mal war dies 1993 der Fall gewesen. Damals waren die Prügelknaben allerdings nicht die Grossbanken, sondern die Regional- und Kantonalbanken, die sich mit ihrer freizügigen Kreditpolitik in der damaligen Immobilienblase bös ins Abseits manövrierten. Eine ganze Reihe dieser Banken musste sich von den Grossbanken retten lassen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.