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Rekordausschüttung: Schweizer Aktionäre dürfen sich über hohe Dividenden freuen

Die 30 wertvollsten Firmen an der Schweizer Börse schütten heuer mehr als 41 Milliarden Franken an ihre Aktionäre aus. Der Dividendenrekord entschädigt allerdings nicht überall für die 2018 entstandenen Kursverluste.
Daniel Zulauf
Manch ein Aktionär muss sich dieser Tage wie Onkel Dagobert fühlen. (Bild: Imago)

Manch ein Aktionär muss sich dieser Tage wie Onkel Dagobert fühlen. (Bild: Imago)

Mit Aktien lässt sich nichts kaufen, mit Dividenden hingegen schon. Die Firmen wissen, dass sie ihre Eigentümer mit jährlichen Gewinnausschüttungen bei Laune halten müssen, und heuer gelingt ihnen dies so gut wie schon lange nicht mehr. 41 Milliarden Franken zahlen die 30 wertvollsten Publikumsgesellschaften an der Schweizer Börse in diesen Tagen und Wochen in Form von Dividenden an ihre Aktionäre aus (siehe Grafik). Das sind 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr, und der Anstieg ist im vorherrschenden Nullzinsumfeld keine Kleinigkeit.

Die Aktionäre dürften das Geld ohne schlechtes Gewissen einstreichen, denn auch nach dem Reibach bleiben den Firmen noch 18,5 Milliarden Franken, die sie zu den Reserven legen können. Die Ausschüttungsquote fällt mit 69 Prozent so niedrig aus wie schon lange nicht mehr. Sie zeigt, dass die Schweizer Unternehmen wieder Fett ansetzen und sich für schwierigere Zeiten wappnen. Zwar haben acht der 30 untersuchten Firmen 2018 geringere Profite eingefahren als im Vorjahr, und nur ein Unternehmen (der österreichische Halbleiterhersteller AMS) hat auch die Dividende gekürzt beziehungsweise ganz gestrichen. Doch fast überall bleiben die Gewinne auf einem robusten Niveau. Erfreulicherweise musste 2018 keines der 30 untersuchten Unternehmen einen Verlust ausweisen.

Börsenwert wurde vernichtet

Dividenden sind allerdings nicht die einzige Form von Gewinnausschüttungen. Viele Firmen kaufen auch eigene Aktien zurück, um diese zu vernichten. So erreichen sie eine Erhöhung des Gewinns pro verbleibende Aktie. In den 30 grössten Börsenfirmen der Schweiz laufen derzeit teilweise mehrjährige Aktienrückkaufprogramme im Wert von rund 40 Milliarden Franken.

Manche Beobachter befürchten aber, dass die Firmen die Rückkäufe auf dem Höhepunkt des Börsenzyklus tätigen und damit nicht nur Aktionärswert vernichten, sondern auch Substanz verschwenden, die im nächsten konjunkturellen Abschwung hilfreich wäre. Doch mindestens im Moment scheinen die Firmen über eine komfortable Gewinnsituation zu verfügen. Die Gewinne der beobachteten Top-30-Gesellschaften sind letztes Jahr um fast ein ­Drittel auf knapp 60 Milliarden Franken hochgeschnellt. Die grössten zusätzlichen Gewinnbeträge lieferten die Grossbanken: Während die Credit Suisse den Milliardenverlust aus dem Jahr 2017 in einen Zwei-Milliarden-Gewinn zu verwandeln vermochte, gelang der UBS eine Verfünffachung des Ergebnisses auf 4,4 Milliarden Franken.

Der Zementriese Lafarge-Holcim schaffte den Sprung aus den roten Zahlen, und Nestlé, Novartis und Roche, die drei mit grossem Abstand schwersten Konzerne in puncto Börsenwert, legten zusammen rund 6 Milliarden Franken an Gewinnen zu.

Nicht zu kurz kamen auch die Manager, obschon ihr Jahresgehalt im Vorjahresvergleich um knapp 2 Prozent gesunken ist. 2018 kamen die Chefs der 30 Firmen, deren Aktien im Swiss-Leader-Index (SLI) der Schweizer Börse enthalten sind, zusammen auf ein Jahresgehalt von rund 192 Millionen Franken, was einem Durchschnitt von 6,4 Millionen Franken pro Kopf entspricht. Die Cheflöhne liegen immer noch weit über den 150 Millionen Franken, die wir 2012 (im ersten Jahr unserer jährlichen Erhebung) ermittelt hatten. Die durchschnittliche Gehaltsaufbesserung über den siebenjährigen Beobachtungszeitraum beträgt erkleckliche 28 Prozent. Doch auch die Aktionäre blieben nicht zurück. Ihre Dividenden sind seit 2012 ebenfalls um 28 Prozent beziehungsweise um ganze 9 Milliarden Franken gestiegen. Weniger stetig aufwärts ging es bei den Gewinnen. Zwar liegen auch diese heuer 26 Prozent über dem Niveau von 2012, doch dazwischen gab es einige Höhenflüge und Rückschläge.

Dass die Rechnung in der längeren Sicht mindestens für den Durchschnitt dennoch aufgegangen ist und die Firmen zu Gunsten ihrer Eigentümer einen beträchtlichen Mehrwert generieren konnten, zeugt nicht nur von deren aktuellen Stärke, sondern ist auch ein Versprechen für die Zukunft.

In einer Publikumsgesellschaft muss sich der Mehrwert für die Aktionäre letztlich im Aktienkurs beziehungsweise in der Börsenbewertung der Unternehmen niederschlagen. Gerade im vergangenen Jahr, als das herbstliche Börsengewitter auch in der Schweiz die wichtigsten Kursbarometer um die 10 Prozent nach unten drückte, gab es bei vielen Aktionären, aber auch in den Chefetagen mancher Grosskonzerne, lange Gesichter. Obschon der Credit Suisse die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen ist, hat sich der Börsenwert des Finanzkonzerns 2018 um nicht weniger als 17 Milliarden auf nurmehr 28 Milliarden Franken verringert.

Verrechnet man diesen Wertverlust mit den 670 Millionen Franken, welche die Aktionäre heuer als Dividende erhalten, ergibt sich ein Verlust von Aktionärswert von über 16 Milliarden Franken. Zu diesem miserablen Ergebnis passen die hohen Löhne des Konzernchefs und seiner Manager aber natürlich denkbar schlecht. Auf der Generalversammlung dürfte diese Diskrepanz noch für heftige Diskussionen sorgen.

Schweizer Familien sahnen ab

Die Credit Suisse befindet sich in guter Gesellschaft. Auch bei der UBS und bei Nestlé stehen der Managerlohn und die Nutzenrechnung der Aktionäre in einem schlechten Verhältnis. Allerdings ist das Defizit bei Nestlé seit Jahresbeginn wieder einem deutlichen Überschuss an Aktionärswert gewichen, während die ­Lücke bei der Credit Suisse immerhin etwas kleiner wurde. Bei der UBS ist sie in den vergangenen drei Monaten aber noch grösser geworden.

Erfreulich ist schliesslich der Umstand, dass ein grosser Teil des jährlichen Dividendenregens in der Schweiz niedergeht. Rund ein Dutzend namentlich bekannte Familien oder Privatpersonen streichen Jahr für Jahr etwa 15 Prozent der Ausschüttungen ein – allen voran die Nachfahren der Roche-Gründer, die Familien Hoffmann und Oeri. Doch auch Schweizer Pensionskassen und andere institutionelle und private Investoren aus der Schweiz sind stark am hiesigen Aktienmarkt investiert. Man kann davon ausgehen, dass mehr als ein Drittel der Dividendenausschüttungen bei Schweizer Aktionären landen – das entspricht einer Summe von aktuell über 14 Milliarden Franken. Bei solchen Zahlen kommen Assoziationen zur Fantasiewelt des reichen Onkels Dagobert fast zwangsläufig hoch.

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