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«Reichtum an Erfindergeist»

Der Schweizer Unternehmer Henri B. Meier sieht den Wohlstand der Schweiz in Gefahr. Deshalb setzt sich der frühere Roche-Finanzchef für einen Zukunftsfonds ein, um Innovationen zu fördern.
Patrick Stahl
Henri B. Meier Unternehmer und Financier (Bild: PD)

Henri B. Meier Unternehmer und Financier (Bild: PD)

Sie waren langjähriger Finanzchef des Pharmakonzerns Roche und haben seit Ihrer Pensionierung Dutzende Unternehmen finanziell unterstützt und strategisch begleitet. Was haben Sie dabei gelernt?

In den 16 Jahren seit meiner Pensionierung habe ich einerseits direkt Jungunternehmen gegründet. Andererseits habe ich, und das ist bezüglich Wirkung viel wichtiger, Vehikel wie Wagniskapitalfirmen ins Leben gerufen, die Ersparnisse sammeln und in Start-ups kanalisieren und Jungunternehmer begleiten. Beeindruckend ist die aussergewöhnliche Erfindungskraft der Schweiz. Aber ebenso stark ist die Abneigung der Öffentlichkeit, dieses intellektuelle Kapital mit finanziellem Kapital zu kombinieren.

Wie meinen Sie das?

Kein anderes Land hat diese Fülle an Ersparnissen wie die Schweiz und diesen Reichtum an wertvollem Erfindungsgeist, und trotzdem ist in keinem anderen Land der Aberglaube an Sicherheit so stark verbreitet wie in der Schweizer Öffentlichkeit. Dies hat unter anderem die Fehlallokation kollektiver Anlagen zur Folge.

Sie propagieren das Modell Zukunftsfonds Schweiz. Welche Idee verfolgen Sie damit?

Rund die Hälfte der Schweizer Ersparnisse fliesst in kollektive Spartöpfe, von wo sie den Weg in die Realwirtschaft zurück nicht mehr finden. Der Zukunftsfonds Schweiz will den Pensionskassen ermöglichen, in die Zukunft einer wohlhabenden Schweiz zu investieren. Die Investitionen sollen gleichzeitig die Rente für die Alten verdienen und Arbeitsplätze für die Jungen schaffen. Als Hochkostenland hat die Schweiz nur eine Chance, ihren Wohlstand zu halten, wenn sie an der Spitze der technologischen Entwicklung mithält.

Wie sähe dieser Fonds aus?

Damit die Pensionskassen in Wagniskapital investieren können, benötigen sie eine breite Risikoverteilung – das heisst, es braucht einen Dachfonds in der Grössenordnung einer halben Milliarde Franken. Andere Länder gehen mit gutem Beispiel voran: In den USA halten Pensionskassen in der Regel fünf Prozent des Vermögens in Wagniskapital. Würden die Schweizer Pensionskassen jedes Jahr nur 0,5 Prozent ihres Vermögens so anlegen, dann würde sich das Risikokapital des Fonds bis 2030 auf etwa 40 Milliarden Franken summieren.

Wäre die Wagniskapitalfinanzierung nicht eher Aufgabe der Banken?

Gemäss Statistik der Schweizerischen Nationalbank sind 97 Prozent aller Kredite gesichert, das heisst, sie sind mit Wertschriften, Immobilien oder anderen Wertsachen hinterlegt. Jungunternehmer können aber nur sehr beschränkt Sicherheit bieten. Dabei erfordern gerade zukunftsträchtige und disruptive Erfindungen oft Dutzende Millionen Franken, bis sie auf den Markt kommen. Die meisten grossen Informationstechnologie-, Medizin- und Pharmakonzerne sind mit Wagniskapital ermöglicht worden. Denken Sie nur an Facebook, Intel oder Genentech.

Wie hoch ist denn die Chance, dass das nächste Facebook aus der Schweiz kommt?

Sehr gering. Die gesetzlichen, regulatorischen und kulturellen Rahmenbedingungen für Start-ups sind generell nicht wohlwollend. Für hochinnovative und technologische Jungunternehmen sind die Rahmenbedingungen geradezu schlecht – fiskalisch sogar auf Verhinderung ausgerichtet. Eine positive Entwicklung sehe ich bei der jungen Generation, wo echte Aufbruchstimmung herrscht. Die alte Generation dagegen glaubt, dass Sicherheit durch Regulierung und Zementierung von Vergangenem erzielt wird.

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