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RAUCHEN: Adieu Gauloises

Ein Hauch von Frankreich verschwindet: Im Land der Gauloises und Gitanes schliesst die letzte Zigarettenfabrik ihre Tore. Sie ist ein Opfer der veränderten Rauchergewohnheiten und Gesundheitskampagnen.
Stefan Brändle/Paris
Als das Rauchen noch nicht tödlich war: Schauspieler Jean-Paul Belmondo hat seine Gauloise lässig im Mundwinkel hängen. (Bild: Silver Screen Collection/Getty)

Als das Rauchen noch nicht tödlich war: Schauspieler Jean-Paul Belmondo hat seine Gauloise lässig im Mundwinkel hängen. (Bild: Silver Screen Collection/Getty)

Die kleine Meldung vor einigen Tagen machte keine Schlagzeilen, obschon sie das Ende einer Ära bedeutet: In der Stadt Riom in der Auvergne schliesst im Verlauf von 2017 das letzte nationale Zigarettenwerk, das unter anderem die berühmten Gauloises herstellt. 239 Arbeitsplätze gehen verloren. Ein Tabakforschungszentrum mit 87 Angestellten stellt ebenfalls den Betrieb ein.

Die französische Herstellerin Seita, die auf das staatliche Tabakmonopol von 1810 zurückgeht und heute Teil des britischen Weltkonzerns Imperial Brands ist, begründet den Schritt mit der Abnahme des Zigarettenumsatzes in Frankreich um 44% seit der Jahrtausendwende. 2014 hatte das Unternehmen schon seine zweitletzte Zigarettenfabrik bei Nantes an der Atlantikküste dichtgemacht. Nur in Korsika besteht noch eine kleine Tabakverarbeitung, die einzig für den lokalen Markt produziert.

Erst nach und nach wird den Franzosen bewusst, was die Werkschliessungen bedeuten: Sie besiegeln das Schicksal einer ganzen Industrie, die auf Napoleon zurückgeht und deren Zigarettenmarken mehr waren als Marken. Die kurzen, vorzugsweise filterlosen Gauloises und Gitanes verströmten auch französisches Flair und klebten einfach besser im Mundwinkel – nicht nur bei Leinwandheld Jean-Paul Belmondo, dem Maler Pablo Picasso oder dem Philosophen Jean-Paul Sartre. Sie alle wussten noch nichts von der Schädlichkeit dieser Rachenkratzer oder foutierten sich echt französisch darum.

Sogar die Armee gab bis Ende der 1970er-Jahre so genannte Truppen-Gauloises heraus. Im Krieg gehörte das blaue Paket, auf dem der Gallier- unnützerweise durch einen Soldatenhelm ersetzt war, zur Kampfration. Die Pazifisten pafften nicht minder: Chansonnier Serge Gainsbourg rauchte bis zu fünf Schachteln Gitanes am Tag, und Léo Ferré sang im gleichnamigen Lied: «Du bist einfach gut gerollt, du bist meine Paradiesspenderin, meine Zigeunerin (das deutsche Wort für «gitane»), du bist meine Freundin.»

Die Gauloises kommen künftig aus Polen
Wie sehr das alles geändert hat, wird sich an Neujahr zeigen: Ab dann lässt Frankreich nur noch anonyme Zigarettenschachteln zu, illustriert mit Schockfotos von Lungenkrebs. Es sind diese gesundheitspolitischen Kampagnen, die der Seita schleichend den Garaus gemacht haben. Bereits 1984 hatte sich die frühere Tabakmonopolistin anpassen müssen: Zu den wahren französischen Zigaretten, den «brunes» mit dem schwarzbraunen Tabak, lancierte sie die «Gauloises blondes» mit dem hellen, heute gebräuchlichen Nikotinspender. Das hielt den Abstieg nicht auf. 2005 wurde die Produktion der «brunes» eingestellt. Die Franzosen rauchten mittlerweile mehr amerikanische als heimische Zigaretten.

Von den einst 20'000 Tabakpflanzern in Frankreich sind kaum 1000 geblieben, und bald werden sie nur noch exportieren können. Die Seita war 1995 privatisiert worden; danach kam sie via Fusionen zu Imperial Brands. Immer mehr Zigarettenfabriken schlossen im ganzen Land. Die Konkurrenz in Osteuropa ist billiger als im Hochsteuerland Frankreich, das heute zudem eines der schärfsten Antitabakgesetze kennt. Das hat zur Folge, dass die Franzosen heute weniger rauchen als die Schweizer.

Im Sommer war es um die Gauloises und Gitanes fast ganz geschehen: Eine EU-Direktive verbietet in Zigarettennamen alle Attribute der «Feminität, Maskulinität oder Eleganz». Der Staatsrat in Paris machte für die heimischen Traditionsmarken aber doch noch eine Ausnahme. Womit sich die Frage erübrigt, ob die Gauloises, die künftig in Polen hergestellt werden, in Polonaises umbenannt werden sollten.

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