Ratschläge für die Ratlosen

EU-Politiker geisseln die US-Ratingagenturen wegen tiefer Noten für Portugal und Griechenland. HSG-Professor Manuel Ammann könnte einer europäischen Agentur Positives abgewinnen, rügt aber die Politik für ihr Krisenmanagement.

Thomas Griesser Kym
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Die US-Ratingagentur Fitch wird von EU-Politikern argwöhnisch beäugt. (Bild: pd)

Die US-Ratingagentur Fitch wird von EU-Politikern argwöhnisch beäugt. (Bild: pd)

Braucht es als Gegengewicht gegen die drei grossen US-Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch eine europäische Agentur? Laut Manuel Ammann, Professor für Finance an der Universität St. Gallen, könnte dem Rating-Markt mehr Wettbewerb gut tun, wie er im Interview sagt. Er plädiert aber auch dafür, Ratings nicht überzubewerten. «Diese sind kein Wissen, sondern eine Einschätzung.»

«Absurd» und «ratlos»

Als «absurd» beurteilt Ammann den jüngsten Vorschlag von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier, Ratingagenturen die Bewertung von Euro-Staaten zu verbieten, die internationale Finanzhilfe empfangen. Diese Idee illustriere, «wie ratlos die Politik der Schuldenkrise gegenübersteht».

Plädoyer für Schuldenschnitt

Mit den bisherigen Lösungsversuchen für Staaten wie Griechenland und Portugal wird laut Ammann «das Problem nur verschleppt». An einem Schuldenschnitt führe kein Weg vorbei, und eine Beteiligung privater Gläubiger an der Sanierung der griechischen oder portugiesischen Staatsfinanzen muss für den HSG- Professor eine «Selbstverständlichkeit» sein.

Was nicht viele wissen: Mit der Fedafin ist hierzulande auch eine schweizerische Ratingagentur zugelassen. Ihr Sitz ist in Diepoldsau.

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