Raketentests und Börsenboom

Börsenspiegel

Mikio Kumada, LGT Capital Partners
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Nordkorea hat in diesem Jahr das Säbelrasseln deutlich verstärkt. Für Asiens Börsen scheint jedoch zu gelten: Je aggressiver Pjöngjang handelt, desto besser: Mit der Eskalation seiner Atom- und Raketentests seit Anfang 2016 nahm nämlich die Aufwärtsdynamik an den Börsen so stark zu, dass schwungvoll neue Rekordhoch markiert wurden.

Der MSCI Korea und MSCI Far East ex. Japan haben seit Ende 2016 rund 29 respektive 28 Prozent zugelegt, im Vergleich zu 10 bis 19 Prozent für die nordamerikanischen, europäischen und japanischen MSCI-Indizes (alle Renditen in Dollar gerechnet). Ökonomisch geht es Asien gut und global hellt sich die Konjunktur ohnehin schon seit gut zwei Jahren stetig auf.

Asiens Börsen hinken Japan und dem Westen hinterher

Dieser Hintergrund kann erklären, weshalb derzeit kaum jemand das Säbelrasseln rund um Nordkorea ernst nimmt. Dazu kommt, dass Asiens Börsen in den letzten fünf Jahren jenen im Westen und in Japan hinterherhinkten. Sie haben heute daher mehr Aufholpotenzial.

Möglich ist aber auch eine weitere, spekulative Argumentation: Vor mehr als 60 Jahren wurde in Korea ein brutaler Krieg zwischen Kommunismus und Kapitalismus mittels eines ein­fachen Waffenstillstandabkommens «eingefroren».

Drohgehabe als Auftakt für Abkommen

Nun könnte die Zeit gekommen sein, das Problem endlich anzupacken. Obwohl noch viele Hindernisse im Wege stehen, scheint der Markt eine klare Vision zu haben: Das aktuelle Drohgehabe könnte nur den Auftakt eines Prozesses markieren, der letztlich zu einem multilateralen Abkommen führt. Am Ende dieses Weges würden Nordkoreas Atom­raketen im Austausch für eine de facto Regimeanerkennung und Absicherung entschärft – wenn auch wahrscheinlich nicht gänzlich abgeschafft werden. Im Anschluss wären auch eine verstärkte wirtschaftliche Inte­gration und Investitionen in Nordkorea denkbar. Völlig ab­wegig ist diese Vision nicht. Als China vor fast 40 Jahren die ersten Öffnungsschritte setzte, wirkte es in vielen Bereichen nicht deutlich weniger isoliert und andersartig, als Nordkorea heute.

Mikio Kumada, LGT Capital Partners