Raiffeisen: Zurück zum Kerngeschäft

Zur Sache

Roman Schenkel
Drucken
Teilen

Punkto Image steht Raiffeisen bei den Schweizer Bankkunden hoch im Kurs. Die Genossenschaftsbank war nach der Finanzkrise der Gegenentwurf zu den Grossbanken. Keine Rettungs­aktionen, keine Restrukturierungen, keine Milliardenbussen. Das Hypothekargeschäft florierte trotz Krise. Inzwischen zählt Raiffeisen selber zum Club der Grossen. Innert wenigen Jahren ist sie hinter der UBS und der CS zur drittgrössten Bank herangewachsen – seit 2014 trägt sie das Etikett «systemrelevant». Die Null- und Negativzinsen stellten die Bank aber vor Herausforderungen. Mit viel Tempo weitete Raiffeisen ihre Tätigkeiten aus, um die schrumpfende Marge zu kompensieren. So beteiligte man sich unter anderem an einer Kreditkartengesellschaft, kaufte eine Privatbank oder gründete ein Joint Venture mit dem Software-Unternehmen Avaloq. Bei der ehrgeizigen Expansion blieben die Kontrollmechanismen auf der Strecke. Zu viel Macht war in den Händen weniger konzentriert. Nach dem Ende der Ära Pierin Vincenz ist jüngst einiges an die Oberfläche gekommen, das die Finanzmarktaufseher auf den Plan gerufen hat.

Das Image von Raiffeisen ist angekratzt. Die neue Bankführung um Patrik Gisel ist gefordert. Sie darf sich nicht verzetteln. Der Ausstieg aus dem IT-Joint-Venture mit Avaloq ist ein richtiger Schritt. Das 500-Millionen-Vorhaben hat viel Zeit und Geld gekostet. Raiffeisen kann sich nun wieder auf seine Kernkompetenz konzentrieren und die internen Prozesse verbessern, bevor wegen schlechter Governance nicht nur das Image, sondern früher oder später auch Kunden zu Schaden kommen. Seite 13