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Kommentar

Raiffeisen: Der Gehrig-Bericht entlarvt die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat als Angsthasenkabinett

Der heute veröffentlichte Untersuchungsbericht zeigt, dass bei Raiffeisen Schweiz schlechtes Management betrieben wurde. Darüber hinaus entlarvt der Bericht die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat als Angsthasenkabinett, das zwar fürstlich entschädigt wurde, aber letztlich versagt hat.
Beat Schmid
Beat Schmid. (Bild: CH Media)

Beat Schmid. (Bild: CH Media)

Heute hat Raiffeisen Schweiz einen wichtigen Untersuchungsbericht, den sogenannten Gehrig-Bericht, veröffentlicht. Wie der neue Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle festhält, stellt der Bericht kein «strafrechtlich relevantes Verhalten» durch Pierin Vincenz und andere Verantwortungsträger der Genossenschaftsbank fest. «Es war einfach schlechtes Management», meint der Basler, der seit November an der Spitze der Bank steht.

Mit dieser Einschätzung übertreibt er bestimmt nicht. Es war sogar ausserordentlich schlechtes Management, was die frühere Führung unter dem charismatischen Bündner Raiffeisen-Chef ablieferte. So sind Firmenzukäufe «teilweise nach den Preisvorstellungen der Verkäufer» erworben worden. Unabhängige Bewertungen, wenn überhaupt gemacht, wurden nicht durchgeführt oder dann oder nicht ausreichend berücksichtigt. Dies mit der Folge, dass viele Käufe überzahlt wurden. Der Genossenschaftsbank ist allein durch die von Vincenz vorangetriebene Expansion ein Schaden von 300 Millionen Franken entstanden. Angesichts der gesamthaft investierten 1 Milliarde Franken ist ein Abschreiber in dieser Höhe enorm.

Krass ist, dass es durchaus interne Kritik an den «strategisch fragwürdigen» Firmenkäufen gab, «diese aber ungehört verhallte, wenn davon ausgegangen wurde, dass Pierin Vincenz eine Investition durchführen wollte». Es habe vielerorts eine Haltung geherrscht, die als «Kultur des vorauseilenden Gehorsams» bezeichnet werden könne. «Man wollte den tatsächlichen oder vermeintlichen Erwartungen von Pierin Vincenz gerecht werden, um nicht seinem Druck ausgesetzt zu sein oder bei ihm in Ungnade zu fallen.»

Damit werden die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz als ein Angsthasenkabinett entlarvt, welche zwar fürstlich entschädigt, aber letztlich versagte. Dieser haarstäubende Befund ist die eigentliche die Leistung des Gehrig-Berichts.

Die Aussage hingegen, wonach kein strafrechtlich relevantes Verhalten festgestellt wurde, ist mit Vorsicht zu geniessen. Erstens beleuchtet der Bericht nur einen Teil der Ära Vincenz, nämlich die Beteiligungskäufe ab 2005. Wichtige Aspekte, wie etwa wie Lohnzahlungen an das Management, Spesen-Vergütungen, den Kauf von Investnet und die Vorkommnisse bei Aduno blendet der Bericht aus. Diese sind jedoch Teil der laufenden Ermittlungen der Zürcher Staatsanwaltschaft. Deshalb taugt der Gehrig-Bericht nicht als Persilschein für Pierin Vincenz. Das zeigt sich auch daran, dass Raiffeisen die Strafanzeige gegen Vincenz nicht zurückzieht.

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