Raiffeisen-Prozess
Betrug und Bestechung: Vincenz muss für mehr als drei Jahre ins Gefängnis +++ Er verlässt wortlos das Gericht +++ Anwalt geht in Berufung

Mit dem Strafprozess gegen den früheren Chef von Raiffeisen Pierin Vincenz sowie seinen damaligen engen Berater Beat Stocker geht einer der grössten Wirtschaftsprozesse der Schweiz zu Ende. Wir berichten live vom Prozess.

Drucken

Zweieinhalb Monate lang wurde immer wieder über Schuld oder Unschuld des ehemaligen Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz und seines einstigen Geschäftspartners Beat Stocker verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Hauptangeklagten gewerbsmässigen Betrug, Veruntreuung, Urkundenfälschung und unlauteren Wettbewerb vor. Die mutmasslichen Komplizen standen unter anderem wegen mehrfacher Gehilfenschaft zu Betrug und unlauterem Wettbewerb vor Gericht.

Heute Mittwoch nun soll das Urteil ergehen. Für Stocker und Vincenz geht es um Freiheit oder Gefangenschaft. Die Staatsanwaltschaft fordert 6 Jahre Gefängnis. Für die Mitangeklagten geht es um Strafen zwischen einer Geldstrafe von 180'000 Franken und 2 Jahren Gefängnis bedingt. Einzig Ferdinand Locher müsste bei einer vollumfänglichen Verurteilung 1 Jahr von den geforderten 2,5 Jahren absitzen. Abgezogen von den Strafen würde die Zeit, welche die Angeklagten in Untersuchungshaft verbrachten.

Pierin Vincenz trifft am Mittwochmorgen ein mit seinem Anwalt Erni. "Kein Kommentar", sagt er.

Pierin Vincenz trifft am Mittwochmorgen ein mit seinem Anwalt Erni. "Kein Kommentar", sagt er.

Rit

Verdeckte Deals und Spesen

Vorgeworfen wird den Angeklagten, in verschiedenen Konstellationen Geschäfte mit Raiffeisen eingefädelt zu haben, von denen sie finanziell profitierten. Das soll meist so abgelaufen sein, dass sich Vincenz und Stocker verdeckt an potenziellen Übernahmeobjekten beteiligten. Nachdem Raiffeisen bei diesen Firmen eingestiegen war, sollen die beiden für das Aufgleisen der Deals finanzielle Vorteile erhalten haben. Zudem ging es um hohe Spesen in Hotels und Nachtclubs, welche vor allem Pierin Vincenz seinem einstigen Arbeitgeber verrechnet hatte.

An den Verhandlungstagen argumentierten die Anwälte der Beschuldigten im Wesentlichen, alles sei mit rechten Dingen zugegangen. Die Geschäfte seien für beide Seiten profitabel gewesen, Raiffeisen sei also gar kein Schaden entstanden. Die Anklage und die Geschädigtenvertreter sahen das freilich anders. Mit krimineller Energie hätten die Angeklagten die Banken-Gruppe um Millionen Franken gebracht.

Am letzten Prozesstag wird nun das Bezirksgericht Zürich entscheiden, wem sie mehr Glauben schenkt und das Strafmass verkünden. Der Prozess beginnt um 8:30 Uhr. Wir halten sie im Ticker auf dem Laufenden.

Aktuelle Nachrichten