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RAIFFEISEN: Der Raiffeisen-Schweiz-Präsident verdient knapp eine halbe Million - das ist wenig

Die Aufmerksamkeit für Johannes Rüegg-Stürm, den Präsidenten von Raiffeisen Schweiz, ist seit dem Fall Vincenz deutlich gestiegen. Auch das Salär des Bankpräsidenten rückt in den Fokus. Vergütungsexperte Urs Klingler hat die Zahlen analysiert.
Thorsten Fischer
Johannes Rüegg-Stürm präsidiert den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz. (Bild: Tobias Siebrecht/PD)

Johannes Rüegg-Stürm präsidiert den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz. (Bild: Tobias Siebrecht/PD)

Thorsten Fischer

Raiffeisen-Schweiz-Präsident Johannes Rüegg-Stürm zeigt Präsenz. Zum einen hat die Bankspitze selber Anzeige gegen den früheren Chef Pierin Vincenz wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung eingereicht. Zum anderen tritt der Präsident Kritik am Aufsichts­gremium entgegen. Inzwischen wird hie und da auch sein Salär thematisiert. Fast eine halbe Million Franken für ein 50-Prozent-Pensum – ist das nun viel oder wenig? Fest steht: Raiffeisen vereinigt zwei unterschiedliche Blickwinkel unter ihrem Dach. Da sind die lokal verankerten, genossenschaftlich organisierten Banken. Sie geschäften mit engem Bezug zu ihrer Region. Zusammen­genommen ist die Raiffeisen-Gruppe ­sodann eine unübersehbare Grösse auf dem Finanzplatz. Es reicht zur Nummer drei hinter den beiden Grossbanken.

«Das Salär ist als eher tief einzustufen»

Wie ist nun das Salär im Verhältnis zum Markt und zu Mitbewerbern einzuschätzen? Vergütungsexperte Urs Klingler, Chef des Zürcher Unternehmens Klinger Consultants, untersucht Lohnstrukturen in verschiedensten Branchen. «Das Salär des Raiffeisen-Verwaltungsratspräsidenten von 478'800 Franken und einem genannten Beschäftigungsgrad von 50 Prozent ist als eher tief einzustufen», kommt Klingler auf Anfrage dieser Zeitung zum Schluss. «Es ist auch tief im Verhältnis zum operativen Chef, dem CEO. Es deutet eher auf ein Pensum von 25 bis 30 Prozent hin.» Klingler merkt dabei an, dass durch die zusätzlichen regulatorischen Aufwände die zeitlichen Aufwände für Verwaltungsratspräsidenten und Verwaltungsratsmitglieder stetig zunähmen. Eine weitere Messlatte, die angelegt werden kann, ist, das Salär im internen Verhältnis zu beurteilen – also etwa im Vergleich zum CEO. «Es gibt eine Zauberformel: Je grösser das Unternehmen, desto grösser das Arbeitspensum des Verwaltungsratspräsidenten.» Unter der Berücksichtigung des Beschäftigungsgrades seien häufig Verwaltungsratspräsident und CEO bezüglich Höhe, jedoch nicht punkto Vergütungsstruktur ähnlich bezahlt, erklärt der Vergütungsexperte. «Im vorlie­genden Fall, aus der Beschäftigungs­gradsicht und der Höhe der Vergütung, scheint der CEO die stärkere Position ­innegehabt zu haben.» Laut Klingler besteht das Gehalt eines Verwaltungsratspräsidenten bei grösseren Firmen meist aus Honoraren und Spesen. Globale ­Firmen oder Start-ups kennen auch variable Vergütungen. Punkto Raiffeisen kommt der Experte zum Schluss: «Im vorliegenden Fall erscheint die Praxis in jeder Hinsicht üblich und unauffällig.»

Geschäftlich läuft es der Gruppe rund

Die Entlöhnung der Unternehmensspitze wird an Generalversammlungen häufig dann ausführlich diskutiert, wenn der Geschäftsgang des Unternehmens zu wünschen übrig lässt. Allem Wirbel zum Trotz, in diesem Punkt konnte die Raiffeisen-Gruppe als Ganzes auch im kürzlich abgelaufenen Geschäftsjahr glänzen. Es resultierten 917 Millionen Franken Reingewinn – das sind 22 Prozent mehr als im Vorjahr, und dies führte zu einem Rekordergebnis für Raiffeisen. Schon an der Bilanzmedienkonferenz am vergangenen Freitag war Raiffeisen-CEO Patrik Gisel aber bewusst, dass die Vorwürfe der ungetreuen Geschäfts­besorgung an den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz den guten Geschäftsgang in der öffentlichen Wahrnehmung überschatten würden.

Auch innerhalb des Universums der genossenschaftlich organisierten Banken lässt sich fragen: Wird beispielsweise an der Delegiertenversammlung die Höhe der Vergütungen – im Zuge der aktuellen Diskussion rund um die Aufsicht bei Raiffeisen – verstärkt zum Thema werden? «Es gibt da wahrscheinlich zwei Sichten», meint Klingler. Delegierte könnten sich möglicherweise an der Höhe stossen, weil sie die Marktverhältnisse nicht kennen – die aus der Vergangenheit aber eigentlich bekannt sein sollten. Andrerseits lässt sich festhalten: «Aus Marktsicht ist die Vergütung des CEO und des Verwaltungsratspräsidenten eher defensiv ausgestaltet.» Die Grösse der Raiffeisen sei einem oft nicht bewusst.

Zum Aufbau des Aufsichtsgremiums und der operativen Spitze sagt der Experte: Die Struktur des Verwaltungsrats mit den drei Ausschüssen sei üblich. Allerdings «sind sowohl der Verwaltungsrat mit zehn Mitgliedern als auch die ­Geschäftsleitung mit zwölf Mitgliedern ­relativ gross. Beide Gremien tendieren in der Branche eher auf eine Grösse von fünf bis sieben Mitgliedern.»

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