Quo Vadis weist digitalen Weg

Das St. Galler Kleinunternehmen Quo Vadis ist an vorderster Front bei der Lancierung der SuisseID mit dabei. Das Potenzial der elektronischen Unterschrift sei enorm, sagt Chef Carl Rosenast. Auch dank der Unterstützung des Bundes.

Jürg Ackermann
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Quo-Vadis-Chef Carl Rosenast präsentiert die SuisseID. (Bild: Coralie Wenger)

Quo-Vadis-Chef Carl Rosenast präsentiert die SuisseID. (Bild: Coralie Wenger)

St. Gallen. Quo vadis – wohin gehst du? Für Carl Rosenast war das nicht immer klar. Doch vor fünf Jahren wollte der gebürtige Gossauer nochmals etwas Neues machen, einen neuen Akzent in seiner beruflichen Laufbahn setzen. Den Schritt hat der heute 58jährige Chef von Quo Vadis nie bereut. Im Gegenteil: Sein Unternehmen wurde vor fünf Jahren als Teil der internationalen Quo-Vadis-Gruppe gegründet, die wiederum aus der Zurich Financial Services hervorgegangen war.

In der kurzen Zeit hat Rosenast einiges bewegt. Heute beschäftigt er in St. Gallen zehn Mitarbeitende – und die Perspektiven sind günstig. Quo Vadis ist an vorderster Front mit dabei, wenn es um den digitalen Identitätsnachweis geht – einem Geschäftsfeld, dem die Experten hohe Wachstumsraten voraussagen. Der Grund: Für Unternehmen und Privatpersonen, die geschäftlich im Internet tätig sind, führt mittelfristig kein Weg an sicheren Authentifikations- und Signaturmöglichkeiten vorbei.

Startschuss in digitale Zukunft

Vergangene Woche fiel dazu schweizweit der Startschuss: Der Bund lancierte die SuisseID, die Identitätskarte fürs Internet. Diese entwickelte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zusammen mit der Post, dem Bundesamt für Informatik, Swisscom und Quo Vadis. Dem St. Galler Unternehmen kam dabei zugute, dass es sich in den vergangenen Jahren auf elektronische Zertifikate spezialisierte und sich ein beachtliches Know-how aneignete.

Mit der SuisseID sollen Kommerzielles und Amtliches verbunden werden: Ein Buch kaufen, die GA-Tageskarte bei der Gemeinde reservieren oder den Behörden den Umzug melden, ohne sich jedesmal neu identifizieren zu müssen. Mittelfristig könnten Bankgeschäfte oder die Möglichkeit, elektronisch zu wählen und abzustimmen, hinzukommen. Der volkswirtschaftliche Nutzen soll Hunderte Millionen Franken betragen.

Behördenkontakte vereinfacht

Rosenast gerät ins Schwärmen, wenn er vom Potenzial der elektronischen Unterschrift spricht. Im weit verzweigten Brasilien werden gemäss Aussagen seines Chip-Herstellers monatlich bis zu 300 000 Zertifikate ausgestellt. «Für Leute, die abgelegen wohnen und einen Internet-Anschluss haben, erleichtert das den Kontakt mit den Behörden erheblich», sagt Rosenast. Doch auch in der Schweiz öffnet sich der Markt.

Bis zu 300 000 Chipkarten und USB-Sticks wollen Post und Quo Vadis bis zum Ende dieses Jahres verkaufen. Der Verkaufsstart war auf jeden Fall zufriedenstellend. Bis zu 200 Anfragen täglich beantworteten Rosenasts Mitarbeiter in jüngster Zeit. Allein in den ersten 24 Stunden nach der Lancierung hat seine Firma 300 Bestellungen erhalten – darunter auch einige von Technik- und Computerfreaks, die neue Produkte sofort ausprobieren wollen, wenn sie auf dem Markt sind. Die Verbreitung der elektronischen Unterschrift funktioniert nach dem Huhn- und Ei-Prinzip.

Nur wenn es viele Angebote gibt, lohnt sich der Ankauf einer elektronischen Chipkarte, was derzeit jedoch erst beschränkt der Fall ist.

Mit den SBB in Verhandlungen

Unterstützt wird die Verbreitung der SuisseID deshalb vom Bund auch finanziell. 17 Mio. Fr. hat der Bundesrat aus dem Konjunkturprogramm locker gemacht. Das Seco will die Angebote mit weiteren Anschubfinanzierungen und einer breiten Kampagne vergrössern.

Rosenast lobt denn auch die Anstrengungen des Bundes: Insbesondere Bundesrätin Doris Leuthard habe sich für die SuisseID ins Zeug gelegt. Doch allein in nationalen Grenzen denken will der innovative St. Galler Unternehmer nicht. Rosenasts elektronische Zertifikate sind zum Teil auch schon im grenzüberschreitenden Geschäfts- und Behördenverkehr anwendbar. Das sei die Zukunft, sagt Rosenast, der derzeit auch in Verhandlungen mit den SBB steht.

Wer eine SuisseID anschafft, muss seine Identität einmal amtlich bestätigen lassen und ist nachher stets identifiziert. Schon bald sollen die Kunden von Quo Vadis dies auch an den Geldwechsel-Schaltern der SBB machen können