«Qualität in der Tasse»

Die Tasse Café crème ist geringfügig teurer geworden, und das nur in einer Minderheit der Betriebe. Besserer Kaffee soll mehr Umsatz geben.

Thomas Griesser Kym
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In der Schweiz werden laut Statistik pro Kopf und Jahr 1061 Tassen Kaffee getrunken. Damit ist die Schweiz in der Spitzengruppe. (Bild: Meinrad Schade)

In der Schweiz werden laut Statistik pro Kopf und Jahr 1061 Tassen Kaffee getrunken. Damit ist die Schweiz in der Spitzengruppe. (Bild: Meinrad Schade)

ZÜRICH. Jedes Jahr das gleiche Lied: Aus betriebswirtschaftlichen Gründen müssten viele Cafés und andere Gastronomiebetriebe, für die Kaffee ein wesentlicher Umsatzträger ist, den Preis der Tasse Café crème erhöhen. Aber nur eine Minderheit tut das. So auch 2015: Gut 80% der Betriebe haben den Preis stabil gelassen, 4% haben gar abgeschlagen, und nur gut 15% verlangen mehr als im Vorjahr. In drei Vierteln dieser Betriebe betragen die Aufschläge 10 bis 20 Rp. je Tasse.

«Immer weniger Zeit»

Im Schnitt stieg der Preis des Café crème dieses Jahr in der Deutschschweiz um 4 Rp. auf 4.20 Fr., wie der Verband Cafetier Suisse bei 350 Betrieben erfragt hat. In der Ostschweiz ging der mittlere Preis lediglich um 1 Rp. auf 4.09 Fr. hinauf, und im Kanton Bern liegt er weiterhin unter 4 Franken. In Biel, wo Verbandspräsident Hans-Peter Oettli lebt, gebe es gar Lokale, wo man den Café crème noch für 3.20 erhalte.

Die Zurückhaltung mit Aufschlägen, die in Städten ausgeprägter sei als auf dem Land, begründete Oettli an der Jahrespressekonferenz mit Frankenstärke, lauer Konjunktur oder Konkurrenzsituation. Auch werde immer mehr Kaffee zu Hause, im Büro oder to go getrunken. Oettli beobachtet, dass deshalb auch immer mehr traditionelle Betriebe Kaffee zum Mitnehmen anbieten, denn «die Menschen haben immer weniger Zeit und mehr Druck bei der Arbeit».

Kapseln als Massstab

Julian Graf macht dennoch ein «ungebrochen grosses Potenzial» des Kaffees als Umsatzträger der Gastronomie aus. Entscheidend ist «die Kaffeequalität in der Tasse», wie der Geschäftsführer von Cafetier Suisse sagt. Jeder Betrieb sollte daher einen Mitarbeitenden haben, der die Kaffeequalität verantwortet; zudem müsse stärker in die Kaffeeausbildung des Personals investiert werden. Einen Beitrag zur weiteren Verbesserung soll das «Kaffeenetzwerk» leisten, in dem sich Gastronomen, Röster, Maschinenbauer usw. austauschen. Im Minimum müsse ein Cafetier jene Qualität erreichen, die Nespresso mit den Kapseln in die Haushalte gebracht habe, ergänzt Oettli. 2016 erwartet er keine grösseren Preisaufschläge für den Café crème, auch weil die Sozialpartner Stillhalten bei den Löhnen vereinbart haben.