QUALIFIKATION: Ems-Chemie bildet Ungelernte aus

Bis zu 50 ungelernte Personen pro Jahr sollen bei der Ems-Gruppe künftig ein Ausbildungsprogramm durchlaufen können. Konzernchefin Magdalena Martullo erklärt die Beweggründe.

Olivier Berger, Schmerikon
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Fahne mit dem Logo der Ems-Chemie am Hauptsitz in Domat/Ems. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Fahne mit dem Logo der Ems-Chemie am Hauptsitz in Domat/Ems. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Olivier Berger, Schmerikon

Thomas Griesser Kym

Das neue Programm besteht aus einer Ausbildung in einer der Lehrwerkstätten der Ems-Gruppe und einem Praktikum in ­ei­nem Betrieb. Beide Module dauern je drei Monate, die Dauer kann aber verlängert werden. Ziel sei es, dass die Teilnehmenden nach sechs Monaten produktiv arbeiten könnten, sagt Ems-Chefin Magdalena Martullo. ­Später soll ihnen die Möglichkeit offenstehen, einen eidgenössischen Fähigkeitsausweis oder ein Berufsattest zu erwerben.

In der Schweiz gebe es heute 600 000 Personen ohne Erstausbildung, sagt Martullo. Für solche Personen brauche es Lösungen ausserhalb des Sozialsystems. Das Angebot sei gemeinsam mit den zuständigen Amtsstellen in mehreren Kantonen erarbeitet worden. Konkret kooperiert Ems in diesem Projekt mit den ­Ar­beitsämtern in den Kantonen Graubünden, St. Gallen, Glarus und Schwyz, mit Regionalen Arbeitsvermittlungszentren, mit Berufsinformationszentren, mit der Suva und mit Migrationsämtern in Graubünden und St. Gallen. Ems sei im Vorfeld auf die Ämter zugegangen. Diese werden dem Unternehmen die Teilnehmenden zuweisen. Darunter können auch Flüchtlinge sein.

Gesellschaftliches Engagement

Martullo will laut ihren Angaben mit dem Programm im eigenen Unternehmen einen Beitrag leisten für die Berufsintegration und zur Entlastung der Sozialsysteme. Der Pilot soll mit rund zehn Personen starten in den Berufen Anlagen- und Apparatebauer, Anlagenführer, Automatiker und Laborant. Einen Lohn erhalten die Teilnehmenden nicht, aber weiterhin ihre Sozialleistungen, wie Martollo vor den Medien in Schmerikon sagte.

Ems gehe es bei dem Programm nicht darum, günstige Arbeitskräfte zu bekommen, ­bekräftigt Martullo. Kurzfristig ha­be das Unternehmen von den Teilnehmenden keinen Nutzen. Zudem beschäftige Ems zumeist hochqualifizierte Fachkräfte und kaum ungelerntes Personal. Die Ems-Chefin sieht das Angebot als gesellschaftliches Engagement. Es gebe viele, auch junge, Menschen in der Schweiz, die nicht arbeiten. Das sei weder gut für diese Menschen noch für das Land. In vielen Fällen fehle es an der Ausbildung, und hier soll das Programm der Ems zusammen mit den Ämtern mithelfen, das zu ändern.