Turbulentes Jahr bei der Migros Ostschweiz: Purzelnde Preise und schrumpfender Umsatz

Kunden geben bei der Migros Ostschweiz weniger aus. Regionale Produkte, Bau- und Sportmärkte bringen Geld in die Kassen.

Stefan Borkert
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MFIT heisst jetzt Activ Fitness und gehört der Migros Zürich.

MFIT heisst jetzt Activ Fitness und gehört der Migros Zürich.

Bild: PD

Bei der Migros Ostschweiz war 2019 einiges los. Tochterunternehmen wurden verkauft oder stehen noch zum Verkauf. Umbauten und Neueröffnungen hatten Einfluss auf das Geschäft. So ist der Umsatz mit knapp 2,4 Milliarden Franken denn auch leicht gesunken.

Gesunken sind auch grossflächig die Preise. Der Hauptgrund für den Umsatzrückgang im Supermarkt liege in den Preissenkungen auf 1500 der beliebtesten Produkte, gibt Migros-Ostschweiz-Sprecher Andreas Bühler Auskunft. «Während wir praktisch gleich viele Kunden in unseren Verkaufsstellen verzeichneten, sank der durchschnittliche Betrag pro Einkauf um rund 1,3 Prozent.» Bühler ergänzt, dass auch mit einem gleich bleibendem Preisniveau der Umsatz unter dem Vorjahr geblieben wäre.

Um- und Neubauten generieren Wachstum

Die 111 Ostschweizer Supermärkte, darunter zwei neue Filialen in Matzingen und Kollbrunn, erzielten einen Umsatz von 1,8 Milliarden Franken. Das sind rund 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Migros-Ostschweiz-Chef Peter Diethelm sagt: «Wir haben im vergangenen Jahr nicht nur die Preise gesenkt, sondern auch kräftig in unser Verkaufsstellennetz investiert.» So wurden etwa die Standorte in Amriswil, Heiden und St.Gallen-St.Fiden neu- oder umgebaut und modernisiert. Der Kundenstrom zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei, ergänzt Diethelm. In diesem Bereich werden auch Wachstumschancen gesehen. Bühler sagt: «Wir werden unsere Sortimente im Bereich des Sofortkonsums sowie der regionalen Produkte gezielt ausbauen.» Grosse Um- und Neubauprojekte sind in Wittenbach (Eröffnung 2021), Herisau (2022), Schaffhausen Herblingen (2020) sowie, erstmals im ­Engadin, in Samedan (2021) geplant.

Laut einem Communiqué verzeichneten die Fachmärkte Do it + Garden, Melectronics, Micasa, Interio, OBI und SportXX sowie die Outlet-Migros-Standorte bei tieferen Preisen von rund 1,8 Prozent ein Umsatzwachstum von 2,2 Prozent. Bühler erklärt, dass ohne das niedrigere Preisniveau mengenmässig rund 4 Prozent mehr umgesetzt worden wäre. Neben dem sehr starken Sportjahr habe auch der Ende September 2018 neu eröffnete OBI in Schaffhausen zu dieser Entwicklung beigetragen. Getrennt hat sich Migros Ostschweiz 2019 unter anderem von den Fitnesscentern. «Unsere 15 MFIT-Trainingszentren gehören seit Januar nun zur Genossenschaft Migros Zürich und treten unter der Marke ­Activ Fitness auf», sagt Bühler. Auch der Fitnesspark «Banane» in Winterthur gehört seit Jahresbeginn zur Migros Zürich.

Chickeria sucht neuen Besitzer

Für die 15 Chickeria-Restaurants stehe man in Verhandlungen. «Und die Sportanlage Gründenmoos werden wir bis Ende September 2020 betreiben.» Bühler ergänzt, dass der bis dann laufende Baurechtsvertrag mit der Stadt St.Gallen aber nicht verlängert werde.

Migros Ostschweiz: Die Schlankheitskur geht weiter

Die Migros Ostschweiz hat 90 Stellen gestrichen und gibt den Betrieb der St. Galler Sportanlage Gründenmoos auf. Nun werden auch die 13 M-Fit-Trainingszentren und die 15 Chickeria-Restaurants verkauft.
Stefan Borkert