Prozess gegen Schmidheiny auf Eis gelegt

ROM. Der neue Asbestprozess in Italien gegen Ex-Eternit-Chef Stephan Schmidheiny ist gestern bis auf weiteres vertagt worden: Es ist fraglich, ob die Anklage überhaupt verfassungskonform ist.

Drucken
Teilen
Stephan Schmidheiny Ehemaliger Eternit-Chef (Bild: ky)

Stephan Schmidheiny Ehemaliger Eternit-Chef (Bild: ky)

ROM. Der neue Asbestprozess in Italien gegen Ex-Eternit-Chef Stephan Schmidheiny ist gestern bis auf weiteres vertagt worden: Es ist fraglich, ob die Anklage überhaupt verfassungskonform ist. Dem Schweizer Multimilliardär und Philanthrop Schmidheiny wird in Turin vorsätzliche Tötung in 258 Fällen vorgeworfen. Dabei geht es um asbestverursachte Todesfälle in Städten, wo sich Asbest-Fabriken der Eternit Italia befunden hatten.

Einen ersten Prozess hat Schmidheiny bereits hinter sich: Nachdem er in erster und zweiter Instanz zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden war, erfolgte vor dem Kassationshof in Rom letzten November ein Freispruch wegen Verjährung. Im ersten Prozess hatte der Vorwurf noch auf «absichtliche Verursachung eines Desasters» gelautet. Dieses fand laut Kassationsgericht zwar statt, aber das vorgeworfene Delikt habe 1986 mit der Stilllegung der letzten italienischen Eternitfabrik geendet und sei damit verjährt – auch wenn seither Tausende Menschen an der gefährlichen Naturfaser gestorben seien.

Der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello hatte schon am Tag nach dem Freispruch verkündet, er werde einen neuen Prozess anstrengen, diesmal wegen vorsätzlicher Tötung.

Zulassen oder nicht?

Das entsprechende Verfahren nahm im Mai seinen Lauf; gestern hätte die Richterin Federica Bompieri über die Zulassung der neuen Anklage entscheiden sollen. Doch die Richterin spielte den Ball ans Verfassungsgericht weiter: Schmidheinys Verteidigung machte geltend, dass die neue Anklage den Grundsatz verletze, wonach niemand zweimal wegen des gleichen Sachverhalts angeklagt werden darf.

Bis zum Entscheid des Verfassungsgerichts liegt der Prozess auf Eis. Für Verteidiger Astolfo Di Amato ist das neue Verfahren ohnehin reine «Zwängerei». In der Tat mutet der Vorwurf der vorsätzlichen Tötung von 258 Asbestarbeitern abenteuerlich an: Schmidheiny hatte kurz nach seinem Amtsantritt als SEG-Chef ein Programm zur Entwicklung asbestfreier Produkte lanciert und 1981 den Ausstieg aus dem Asbest angekündigt – elf Jahre bevor Italien die vermeintliche Wunderfaser verbot. (str)