Thurgauer Produzent von Weihnachtsbäumen: «Schweizer wollen Schweizer Christbäume»

Die Nachfrage nach einheimischen Christbäumen ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Produktion der Bäume ist allerdings aufwendig. Der Thurgauer Grossproduzent Bruno Straub glaubt, dass die Nachfragen ihren Höhepunkt erreicht hat.

Rebekka Balzarini, Stefan Borkert
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Christbäume aus Hefenhofen werden landesweit verkauft. (Bild: PD)

Christbäume aus Hefenhofen werden landesweit verkauft. (Bild: PD)

Der private Verkauf von Christbäumen geht diese Woche in die heisse Phase. Demeter-Bauer Beat Leuch vom Lerchenhof zwischen Illighausen und Zuben im Thurgau hat eine kleine Christbaumpflanzung im Wald bei Altnau. Der Christbaumverkauf vor Weihnachten ist für ihn ein Nebengeschäft. Aber Leuch engagiert sich in seiner Freizeit für die Natur und Umwelt. Er kritisiert, dass es ökologisch wenig sinnvoll sei, Christbäume etwa von Dänemark in die Schweiz zu transportieren.

Bruno Staub, ein paar Kilometer weiter, hat in den letzten Jahren in den Christbaumverkauf stark investiert. Er sagt, dass die Nachfrage nach inländischen Bäumen zugenommen habe. Seine Christbäume pflanzt er auf insgesamt 25 Hektaren an. 10 Hektaren davon befinden sich im Aargau. Eine weitere Expansion hält er aber derzeit nicht für sinnvoll, denn «die Nachfrage nach Schweizer Christbäumen hat einen gewissen Sättigungsgrad erreicht», ist er sich sicher.

Nordmanntannen sind der Hit

Straub beliefert die ganze Schweiz, praktisch alle Landi-Läden und dazu noch Coop. «Schweizer wollen Schweizer Christbäume», sagt er. Nordmanntannen sind der Hit.

«95 Prozent der verkauften Christbäume sind Nordmanntannen. Aber die Qualität muss stimmen, sonst greifen die Leute zu anderen Bäumen.»

Das wissen auch Martin Henzirohs und seine Frau Karin. Auf dem Hof im solothurnischen Niederbuchsiten herrscht ebenfalls Hochbetrieb. Auf 15 Hektaren pflanzen sie sechs verschiedene Sorten an, auf jeder Hektare stehen drei- bis viertausend Bäume. Die Weihnachtsbäume sind seit zehn Jahren die Haupteinnahmequelle für die Familie. «Ein schöner Job», sagt Martin Henzirohs. «Wir haben viele Stammkunden, und häufig suchen die Familien gemeinsam einen Weihnachtsbaum aus.»

Nur schöne Bäume finden einen Käufer

Ab März kümmert er sich täglich um seine Bäume. Er überprüft die Knospen oder zieht Äste zusammen, um Löcher zu verhindern. «Wir setzen voll auf Qualität», wirft Karin Henzirohs ein. Denn nur schöne Bäume finden einen Käufer. Neben dem Verkauf ab Hof beliefert die Familie aus Niederbuchsiten auch Grossverteiler und Gärtnereien mit Tannenbäumen. Die Nachfrage nach Schweizer Christbäumen ist in den letzten Jahren gestiegen, wie Zahlen der eidgenössischen Zollverwaltung zeigen. 2009 wurden 6000 Tonnen Tannenbäume importiert. Im letzten Jahr waren es noch rund 5600 Tonnen. Bei den Grossverteilern Coop, Migros und Landi stammen mindestens die Hälfte der Bäume aus der Schweiz, der Rest aus Dänemark.

Ruf nach Subventionen

Den Weihnachtsbaumproduzenten wurden im Zuge der Agrarpolitik 2014–2017 die Direktzahlungen gestrichen. Damit ging vielen ein sicher geglaubtes Einkommen verloren. Mehrere Tannenbaumzüchter wollen jetzt bis vor Bundesgericht ziehen, um wieder Subventionen zu erhalten. Letzte Woche sind sie mit ihrem Anliegen vor dem Bundesverwaltungsgericht abgeblitzt. Die Züchter finden es ungerecht, dass ihnen die Subventionen gestrichen wurden, aber die Tabakbauern weiter Gelder erhalten. (bal)

Die genannten Grossverteiler werden von Mitgliedern der IG Suisse Christbaum beliefert. In der IG sind über 200 Produzenten zusammengeschlossen. Das Ziel ist klar: Sie will, dass in den Schweizer Wohnzimmern eines Tages ausschliesslich Schweizer Bäume stehen. Neben der Herkunft ist für die IG ausserdem eine ökologisch nachhaltige Produktion wichtig. Der allgemeine Trend hin zu mehr Regionalität bei den Kunden spielt der IG dabei in die Hände. Aber er bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Denn um gegen die Bäume aus dem Norden bestehen zu können, müssen die hiesigen Tannen vielen Ansprüchen genügen.

Die importierten Tannenbäume aus Dänemark werden auf mehrere hundert Hektaren grossen Plantagen angepflanzt. Das Klima vor Ort ist ideal für die Zucht. Harte Konkurrenz also für die Schweizer Bäume. Denn das Klima und die Böden in der Schweiz sind anders, sagt Philipp Gut, der Präsident der IG Suisse Christbaum. Die Böden in der Schweiz seien weniger flach, die Nährstoffe und die Feuchtigkeit entsprechend ungleich verteilt. Frost und Hitze würden ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten, dass die Aufzucht der Bäume für die Produzenten eine komplizierte Angelegenheit ist. Denn diese müssen einem strengen Schema entsprechen, um bei Migros, Coop oder der Landi verkauft zu werden: Gründe Nadeln, nicht zu schief, symmetrisch und ja nicht zu breit. So lauten die Kriterien.

Herkunft hat geringen Einfluss auf den Preis

Die geforderte Einheitlichkeit kommt daher, dass die Bäume so besser in einer Preiskategorie eingeordnet werden können. Die Herkunft hat bei Migros, Coop und der Landi, laut eigenen Angaben, einen geringen Einfluss auf den Preis. In der Landi etwa kosten Bäume aus Dänemark zwischen 18.90 und 59.90 Franken, aus der Schweiz zwischen 24.90 und 74.90 Franken.

Es ist eine der Aufgaben der IG, die Produzenten auf die gewachsenen Ansprüche hinzuweisen. Sie hat die Vorgaben definiert, welche die Mitglieder berücksichtigen müssen, wenn sie Bäume an Grossverteiler liefern wollen. Die IG führt ausserdem regelmässig Schulungen durch. Jede einzelne Tanne braucht Aufmerksamkeit. Die Fehlertoleranz ist klein. «Wenn die Qualität der Weihnachtsbäume in einem Jahr nicht stimmt, dann können die Produzenten im nächsten Jahr keine Grossverteiler mehr beliefern», sagt Gut. Angesicht des grossen Aufwands ist es laut der IG für die Produzenten unbefriedigend, dass sie mit den Grossverteilern keine langjährigen Verträge abschliessen können. Ein Baum brauche zwischen fünf und zehn Jahren, bis er als Christbaum verkauft werden könne.