Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Stadler liefert erstmals nach Asien - 34 Lokomotiven im Wert von 180 Millionen Franken für Taiwan

Nach Jahren der Enttäuschungen in Asien wartet Stadler nun kurz hintereinander mit zwei Erfolgsmeldungen auf. Nach der Vereinbarung zur Gründung eines Werks in Indonesien und der Aussicht auf einen Auftrag über mindestens 500 S-Bahn-Wagen kann Stadler jetzt 34 Lokomotiven für Taiwan herstellen.
Thomas Griesser Kym
Mit Schweizer Präzision auch in Asien erfolgreich: Peter Spuhler, Patron des Schienenfahrzeugbauers Stadler. (Bild: Andrea Stalder / Bussnang, 19. März 2019)

Mit Schweizer Präzision auch in Asien erfolgreich: Peter Spuhler, Patron des Schienenfahrzeugbauers Stadler. (Bild: Andrea Stalder / Bussnang, 19. März 2019)

Mehrere Anläufe hat der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler unternommen, um aus seinen Heimmärkten Schweiz und Europa heraus den asiatisch-pazifischen Raum zu beliefern. Doch bis vor kurzem ist das Unternehmen von Mehrheitsaktionär und Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler stets gescheitert.

So beispielsweise in Sri Lanka mit einem Angebot für ein Dutzend Lokomotiven an einem Mitbewerber. Oder in Iran, wo neue Sanktionen von US-Präsident Trump im Atomstreit vergangenes Jahr eine milliardenschwere Ausschreibung der Teheraner Metro zu Fall gebracht haben, die Stadler schon fast auf sicher hatte. Oder in Indien, wo Stadler zusammen mit der lokalen Medha Servo Drives 2016 den Zuschlag erhalten hatte für 40 Züge, bevor die Vergabe wegen mutmasslicher Unregelmässigkeiten in der Ausschreibung und Streitereien zwischen involvierten Ministerien annulliert wurde.

Loks werden in Europa gebaut

Oder jüngst in Taiwan, wo Stadler Anfang Jahr bei der Vergabe eines Auftrags für 50 Intercityzüge im Wert von 1,4 Milliarden Franken haarscharf dem japanischen Mitbewerber Hitachi unterlegen ist. Doch nun kommt ausgerechnet aus Taiwan eine Erfolgsmeldung. Stadler hat nämlich eine zweite Ausschreibung gewonnen und kann 34 dieselelektrische Lokomotiven entwickeln, bauen und liefern.

Visualisierung der Stadler-Lokomotiven für Taiwan. (Bild: PD)

Visualisierung der Stadler-Lokomotiven für Taiwan. (Bild: PD)

Laut Stadler ist dies «die erste grössere Serie von Schienenfahrzeugen, die in den pazifischen Raum geliefert wird». Der Auftrag hat einen Wert von 165 Millionen Euro (180 Millionen Franken). Gebaut werden die Loks in Stadlers Kompetenzzentrum für Lokomotiven, dem spanischen Werk in Valencia. Dies hatte Spuhler, für den Fall des Gewinns des Auftrags, bereits im September angekündigt.

Im tropischen und subtropischen Klima

Bestellerin der Loks ist die Taiwan Railways Administration (TRA), eine Agentur des Verkehrsministeriums, die zuständig ist für den Eisenbahnbetrieb. Die Loks sind, ebenso wie die oben erwähnten Intercityzüge, Teil eines grösseren Programms der TRA zur Flottenerneuerung. Dazu gehört zudem die Beschaffung von 30 Hybridzügen, für die sich Stadler laut früheren Berichten aus Taiwan ebenfalls interessiert. Ob das so ist und ob Stadler an dieser Ausschreibung teilnimmt, will Stadler-Sprecher Philipp Welti nicht kommentieren.

Die 2700 PS starken und 120 km/h schnellen Loks für Taiwan sind für den Personen- und Güterverkehr auf der Schmalspur vorgesehen. «Die Lokomotiven werden in einer anspruchsvollen bergigen Topografie, ähnlich jener der Schweiz, und in extremen Klimabedingungen zum Einsatz kommen», sagt Stadler-Chef Thomas Ahlburg. Konkret erwarten die Fahrzeuge tropisches und subtropisches Klima mit Luftfeuchtigkeit von bis zu 100 Prozent und Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius. Stadler sei «bestens damit vertraut, Schienenfahrzeuge auf solch spezifische Herausforderungen anzupassen», sagt Ahlburg.

Erstauftrag für S-Bahn-Züge am Horizont

Der Taiwan-Auftrag ist nicht nur die erste nennenswerte Bestellung aus Asien, sondern Stadler gelingt es doch noch, diesen Kontinent aus Europa heraus zu beliefern. Weil das bisher stets misslungen war, hat Stadler vor gut drei Wochen ein Joint Venture mit dem indonesischen Hersteller PT Inka vereinbart. Dieses umfasst den Bau eines Werks durch PT Inka auf der Insel Java und die Lieferung von Ausrüstung und Technologie durch Stadler.

Geknüpft ist das Joint Venture an einen ersten Auftrag der indonesischen Staatsbahnen. Diese haben sich grundsätzlich verpflichtet, 500 Wagen für elektrische S-Bahnen zu bestellen, verbunden mit einer Option auf nochmals 500 Wagen. Diese Bestellung ist eine Bedingung für die Umsetzung des Joint Ventures. Spuhler hat sich vor drei Wochen sehr zuversichtlich geäussert: «Ich erwarte, dass der Auftrag im ersten Semester 2020 erteilt wird.»

Auch in Indien tut sich etwas

Neuigkeiten gibt es auch aus Indien, diesem gigantischen, aber sehr komplizierten Markt. Dort wollen die Indian Railways (IR) einen erneuten Anlauf nehmen zur Beschaffung von Rollmaterial. Geplant ist eine Ausschreibung für 60 elektrische Züge mit einer Spitzengeschwindigkeit von 160 km/h.

Ein Knackpunkt: Die IR wollen sieben Züge importieren und die übrigen unter einem Technologietransfer-Arrangement in Indien fertigen lassen. Ob sich westliche Hersteller darauf einlassen, ist offen. Ebenso, ob Stadler Interesse haben könnte, zumal das Unternehmen gerade in Indonesien eine Baustelle hat. Firmensprecher Welti will sich über Indien nicht äussern.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.