Preis für die Frau am Bau

Es war nicht ihr Lebenstraum. Jetzt kann sich Angela Haltiner nichts anderes mehr vorstellen. Seit Jahrzehnten steht die passionierte Marathonläuferin beruflich ihre «Frau» in der Männerdomäne Bau. Heute erhält sie den KMU-Frauenpreis.

Christof Lampart
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Ausgezeichnet: Angela Haltiner ist die dritte Preisträgerin des KMU-Frauenpreises im Kanton Thurgau. (Bild: Christof Lampart)

Ausgezeichnet: Angela Haltiner ist die dritte Preisträgerin des KMU-Frauenpreises im Kanton Thurgau. (Bild: Christof Lampart)

MÜNCHWILEN. Angela Haltiner erhält heute abend vom Verein KMU Frauen Thurgau, einer Untersektion des Thurgauer Gewerbeverbandes, den Thurgauer KMU-Frauenpreis. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Angela Haltiner ist nach Monika Leib (Amriswil) und Fabiola Colombo (Weinfelden) die dritte Frau, die mit diesem Preis ausgezeichnet wird. Die Verleihung findet im Regionalen Alterszentrum Tannzapfenland in Münchwilen statt.

Powerfrau

Dabei wäre es ihr überhaupt nicht in den Sinn gekommen, sich für den Frauenpreis zu bewerben, sagt sie. Dafür erachteten andere sie als dafür geeignet: die Sirnacher SVP-Kantonsrätin Myrta Klarer und Angela Haltiners Tochter Larissa. «Die haben mich einfach angemeldet und mir Bescheid gegeben», erinnert sich Haltiner. Hoffnungen auf den Preis habe sie sich jedoch keine gemacht. «Schliesslich war ich eine von 16 Frauen, die vorgeschlagen waren.» Somit tat die Powerfrau das, was wohl viele andere bei dieser Ausgangslage an ihrer Stelle auch getan hätten. Angela Haltiner: Ich habe mich kurz über die Nomination gefreut und dann das Ganze wieder vergessen.»

Gründlich befragt

Das änderte sich jedoch, als sie schliesslich diesen Sommer Bescheid erhielt, dass sie eine von zwei verbliebenen Kandidatinnen sei. «Da ging der Trubel erst richtig los», erinnert sich Angela Haltiner. Zuerst wurde sie durch eine Vierer-Jury befragt.

Und auch der Werkhof der «Haltiner Bauunternehmen AG» wurde gründlich inspiziert. Sie wurde zu Themen wie Geschäftsphilosophie, ihren Umgang mit Angestellten und Kunden, persönliche Stärken und Schwächen interviewt. «Die haben mir regelrecht Löcher in den Bauch gefragt», lacht die Geschäftsfrau. Eine weitere Jury mit neun Mitgliedern aus Wirtschaft und Politik entschied schliesslich mittels Punktesystem über die Preisvergabe.

Verdient

«Moll, moll, ich habe ihn verdient», antwortet Angela Haltiner schmunzelnd, aber wie aus der Pistole geschossen, als sie gefragt wird, ob sie den Preis verdient habe. Und womit denn? «Ich denke, nicht nur durch mein Engagement für die Firma, sondern auch für meine Tätigkeit im Sozialbereich. Ich könnte mir zumindest vorstellen, dass das mitentscheidend gewesen sein könnte», gibt die 49-Jährige zu bedenken. Tatsächlich hat sich Haltiner mit den Jahren einen guten Namen im Sozialbereich geschaffen. Seit zwölf Jahren ist sie nun schon im Stiftungsrat des Münchwiler Behindertenheims Sonnenhalde, nimmt seit acht Jahren Einsitz in der Münchwiler Sozialkommission und ist seit einem Jahr Präsidentin der Heimkommission des Alterszentrum Tannzapfenland in Münchwilen.

Brücken bauen

Angela Haltiner weiss also nicht nur beruflich Häuser, sondern auch im zwischenmenschlichen Bereich «Brücken» zu bauen. Doch auch sie habe durch die fortschreitende Vernetzung extrem profitiert, denn dadurch, dass ich überall Einblick habe, kann ich Synergien nutzen, was wieder der Allgemeinheit zugutekommt und auch meine Arbeit erleichtert», so die Bau-Unternehmerin.