Poststellen
A- oder B-Post? Milch oder Zucker? Die Post testet neuerdings den Verkauf von Kaffee in ihren Filialen

In mehreren Geschäften bietet der Staatskonzern der wartenden Kundschaft Kaffee an, in Kooperation mit einer Zürcher Rösterei, die sich selbst als «Tesla der Kaffeebranche» bezeichnet – und mit dem deutschen Tchibo-Konzern. Der Gewerkschaft Syndicom schmeckt das nicht.

Benjamin Weinmann
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Vor der Briefaufgabe noch rasch einen Milchkaffee? Die Post testet neue Angebote in ihren Filialen.

Vor der Briefaufgabe noch rasch einen Milchkaffee? Die Post testet neue Angebote in ihren Filialen.

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Der Frust ist gross, wenn die gezogene Zahl auf der Anzeigetafel noch in weiter Ferne ist. Denn es geht nicht immer schnell auf der Post. Um die wartende Kundschaft etwas milde zu stimmen, hat der Staatskonzern nun ein neues Angebot lanciert. In den drei Zürcher Filialen Altstetten, Sihlpost und Enge sind Kaffeeautomaten installiert mit Bohnen der Marke Onesto.

Die Bohnen stammen von der Seehallen Kaffeerösterei in Horgen ZH, die erst 2017 gegründet wurde, mit hoher Qualität, Bio und Faitrade wirbt, und sich in einem PR-Beitrag kürzlich selbst als «Tesla der Kaffeebranche» bezeichnet hat. Post-Sprecher Erich Goetschi bestätigt auf Anfrage die Kooperation. Es handle sich dabei um einen Markttest.

Von 2.90 bis 4.80 Franken pro Kaffee

Da das Projekt erst gerade gestartet sei und noch fünf weitere Monate daure, sei es noch zu früh für eine Bilanz, sagt Goetschi. Zudem laufe in vier weiteren Filialen in der Deutsch- und Westschweiz – in Dietikon ZH, Aarau und zwei Poststellen in Genf – ein praktisch identischer Test mit dem deutschen Kaffee-Konzern Tchibo. Dessen Kaffees kosten zwischen 2.90 und 3.50 Franken. Jene von Onesto zwischen 3.50 und 4.80 Franken.

Post-Chef Roberto Cirillo gibt Drittpartnern Flächen ab in seinen Post-Filialen.

Post-Chef Roberto Cirillo gibt Drittpartnern Flächen ab in seinen Post-Filialen.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Goetschi verweist auf die Anfang Jahr verkündete Strategie von Post-Chef Roberto Cirillo, wonach die Post ihre eigenbetriebenen Filialen für Dritte öffnen möchte. So hat sie zuletzt auch so genannte Shop-in-Shops lanciert: Im März 2021 startete sie eine entsprechende Partnerschaft mit der Krankenkasse Groupe Mutuel und im Sommer soll das Angebot auf Banken ausgeweitet werden.

Als nächstes eine Sandwich-Theke?

Grund für diese Strategie: Mit der rückläufigen Briefmenge sinken auch die Kundenfrequenzen. Mit zusätzlichen Dienstleistungsangeboten soll dieses Minus wettgemacht und die Filiale aufgewertet werden. «Damit wollen wir den Menschen in den Gemeinden und Städten einen Mehrwert bringen und ihren Alltag leichter und unkomplizierter machen», sagt Goetschi.

Teil dieser Strategie sind laut dem Sprecher auch die neuen Self-Service-Kaffeeautomaten von Onesto und Tchibo. Bezahlt werden kann das Getränk per Debit- und Kreditkarte, sowie per Twint - aber nicht mit Bargeld. Laut Goetschi müssen die Post-Mitarbeitende der Filiale den Wassertank und den Automaten je nach Verbrauch füllen und die Oberflächen vier- bis fünfmal pro Tag reinigen. Und am Tagesende müssen sie den Abfall entsorgen. Wäre als nächstes gar eine Sandwich-Theke in einer Post-Filiale denkbar? «Wir prüfen laufend neue Ansätze und Geschäftsideen», sagt Goetschi. Weitere Gastrokonzepte seien aber aktuell nicht geplant.

Syndicom findet es «nicht sonderlich originell»

Bei der Gewerkschaft Syndicom ist man über diese Kaffee-Tests nicht sehr glücklich. Dieses Angebot sei «nicht sonderlich originell», sagt Sprecher Matthias Loosli. «Für die Kunden der Post ist es bestimmt sonderbar, wenn sie anstatt Couverts nun einen doppelten Espresso kaufen können.»

Kaffeeautomaten der Zürcher Bohnenmarke Onesto.

Kaffeeautomaten der Zürcher Bohnenmarke Onesto.

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Die Poststellen seien weder Kaffeehaus noch Sandwich-Bude, sagt Loosli. Viel eher solle sich die Post bei der Entwicklung ihres Filialgeschäfts auf qualitativ hochwertige Beratungsangebote fokussieren. «Sie verfügt über kompetente und gut qualifizierte Angestellte, ebenso wie über die nötige Infrastruktur, um genau solche Dienstleistungen anzubieten.»

Der Service-Public-Fokus

Tatsächlich ist es nicht der erste Versuch der Post, Produkte zu verkaufen, die wenig bis nichts mit dem Kerngeschäft zu tun haben. So hatte sie auch schon Papeterie- oder Glücksspielprodukte und Süssigkeiten im Sortiment. Davon kam sie aber wieder ab, auch aufgrund von politischem Druck.

Für Syndicom-Sprecher Loosli ist klar: «Die Poststellen haben primär einen Grundversorgungsauftrag zu erfüllen. Sie sind da, weil sich die Schweiz einen guten Service public leisten will.»

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