Politischer Banker wird Finanzminister

ATHEN. Für die meisten Griechen ist ihr neuer Finanzminister ein unbeschriebenes Blatt. Dabei war Vassilis Rapanos, Jahrgang 1947, bereits vor seiner Ernennung für das Schlüsselamt der neuen griechischen Regierung politisch aktiv.

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Vassilis Rapanos (Bild: pd)

Vassilis Rapanos (Bild: pd)

ATHEN. Für die meisten Griechen ist ihr neuer Finanzminister ein unbeschriebenes Blatt. Dabei war Vassilis Rapanos, Jahrgang 1947, bereits vor seiner Ernennung für das Schlüsselamt der neuen griechischen Regierung politisch aktiv. So etwa von 2000 bis 2004 als Chef des Wirtschaftssachverständigenrats im Finanzministerium der sozialdemokratischen Pasok-Regierung unter Kostas Simitis. Bereits damals kritisierte Rapanos in einem Interview die hohen Ausgaben Athens für Zinsen und Rüstung. Zudem beriet der studierte Ökonom die ständige Vertretung Griechenlands in der EU und war Stellvertreter des ständigen Vertreters Athens bei der OECD.

Pflöcke schlug Rapanos allerdings in der griechischen Wirtschaft ein und hier besonders im Bankenwesen. 1995 bis 1998 leitete er die private Nationale Hypothekenbank. Dann ernannte ihn die Pasok-Regierung zum Chef des damals noch staatlichen Telekomkonzerns OTE (der heute der Deutschen Telekom gehört). 2009 wurde er Verwaltungsratspräsident der ebenfalls privaten National Bank, die inzwischen mit der Hypothekenbank fusioniert hatte.

Rapanos hat in Kanada promoviert. Seit 1992 lehrte und forschte er an der Wirtschaftsuniversität von Athen, auch neben seinen Tätigkeiten als Banker und Firmenchef. Seine Spezialgebiete waren Steuern, die Rolle des Staates in der nationalen Wirtschaft und die EU-Finanzen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit Rapanos mit seinem Know-how die Steuerhinterziehung bekämpfen kann. – Gestern kündigte der Indexanbieter MSCI an, die Herabstufung Griechenlands vom Industrie- zum Schwellenland zu prüfen. (A. S.)

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