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Pöbelrekord über den Wolken

Bei Schweizer Fluglinien kam es 2018 zu 900 Fällen mit renitenten Passagieren. Die Branche reagiert aber bereits – denn solche Passagiere sind nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern auch eine finanzielle Belastung.
Benjamin Weinmann
Service in der Businessclass auf einem Swiss-Langstreckenflug beinhaltet auch alkoholische Getränke. Bild: Christian Beutler/KEY (29. April 2013)

Service in der Businessclass auf einem Swiss-Langstreckenflug beinhaltet auch alkoholische Getränke. Bild: Christian Beutler/KEY (29. April 2013)

Es sind Geschichten, wie sie der Passagier Conor Lyden erlebt hat. Vergangenen Sommer erzählte der Ire in britischen Medien, wie ein anderer Flugpassagier, der zu viel Alkohol intus hatte, über ihn und seinen Laptop erbrach. Oder Schlagzeilen wie diese: «Paar hat vor aller Augen Sex im Flugzeug». In der Branche haben solche Airlinekunden einen Namen. Sie alle gelten als sogenannte «Unruly Passengers» – Passagiere, die sich während des Flugs alles andere als korrekt benehmen.

Mit renitenten Passagieren haben auch Schweizer Airlines zu kämpfen. Und zwar so häufig wie noch nie, wie neuste Zahlen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) zeigen. Rund 900 Fälle wurden dem Bund von den hier ansässigen Fluggesellschaften wie Swiss, Edelweiss oder Helvetic Airways gemeldet – 100 mehr als im Vorjahr.

«Bei jährlich 54 Millionen Flughafenpassagieren in der Schweiz mag diese Zahl klein erscheinen», sagt Bazl-Sprecher Christian Schubert. «Dennoch sind es 900 Fälle zu viel und es kann nicht von der Hand gewiesen werden, dass insbesondere der Ton an Bord rauer geworden ist.» Das Flugpersonal werde des Öfteren angeschnauzt. «Der Anstand kommt vielfach zu kurz», so Schubert.

Alkohol und Drogen sind Hauptgründe

Hauptgrund, dass das Cockpit- oder Kabinenpersonal einen Unruly Passenger beim Bazl meldet, ist der Alkohol, gefolgt von Drogen- und Medikamentenmissbrauch und Rauchen. Zuweilen sind auch Streitereien unter den Passagieren Auslöser einer Meldung. Die Anzahl der Vorfälle an Bord von Schweizer Fluggesellschaften ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 2017 waren es 800 Fälle, 2016 rund 750 und die Jahre davor rund 600.

Die Swiss kommuniziert keine konkreten Zahlen. Doch Sprecherin Karin Müller bestätigt, dass die Anzahl renitenter Passagiere in den vergangenen Jahren gestiegen ist, so auch 2018. Ausserdem habe man die Angestellten stärker auf das Thema sensibilisiert. «Wir trainieren das Kabinen- und Bodenpersonal darauf, auffällige Passagiere bereits zu identifizieren, bevor sie das Flugzeug betreten.» Zudem sei die Crew geschult, schwierige Situationen zu deeskalieren.

In Grossbritannien am häufigsten Fälle

Auch der internationale Branchenverband Iata hat das Problem erkannt. Laut dem Verband geht es in der Mehrheit der Fälle um Beleidigungen und Gewalt. Manchmal kommt es zu gefährlichen Momenten, die über das Unruly-Verhalten hinausgehen, wenn Waffen im Spiel sind oder Passagiere versuchen, ins Cockpit einzudringen. 2017 gab es laut Iata 329 solche schwerwiegende Fälle – gegenüber 82 im Jahr zuvor. Für die Airlines sind die Unruly Passengers nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern auch eine finanzielle Belastung, wenn sich der Pilot gezwungen sieht, eine ungeplante Landung einzuleiten.

In Grossbritannien, wo es überdurchschnittlich häufig zu Vorfällen kommt, wurde deshalb im Sommer eine Präventionskampagne lanciert, in der über die Folgen unsittlichen Verhaltens an Bord aufmerksam gemacht wurde. So drohen den pöbelnden Gästen nicht nur Flugsperren, sondern auch hohe Bussen. Der Branchenverband Iata will ausserdem, dass in Zukunft nicht mehr das Land, in dem die Fluggesellschaften registriert sind, für die Strafverfolgung zuständig ist, sondern das Destinationsland, wo das Flugzeug landet – in der Hoffnung, so die Pöbelpassagiere rascher zur Rechenschaft ziehen zu können.

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