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Die Detailhändler wollen weg von der Plastikverpackung

Mit weniger Verpackungen oder solchen aus nachhaltigen Materialien soll die Menge an Plastikabfall reduziert werden. Das gelingt oft schon sehr gut. In einigen Beispielen gestaltet sich die Suche nach Alternativen allerdings schwierig.
Rebekka Balzarini
Berge von Abfall stapeln sich bei der Firma InnoRecycling. Sie stellt aus sortenreinen Kunststoffen hochwertiges Granulat her. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Eschlikon, 22. August 2018)

Berge von Abfall stapeln sich bei der Firma InnoRecycling. Sie stellt aus sortenreinen Kunststoffen hochwertiges Granulat her. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Eschlikon, 22. August 2018)

Plastiksparen ist im Trend: Gleich mehrere Grosse Unternehmen liessen letzte Woche verlauten, dass sie sich in Zukunft vermehrt dafür einsetzen wollen, weil Plastikmüll die Umwelt verschmutzt. Nestlé gab am Dienstag bekannt, dass die Verpackungen der Produkte bis 2025 rezyklierbar und wiederverwendbar gemacht werden sollen.

Dafür will Nestlé auf Einwegpapier und andere Alternativen zu Plastik setzen. Einen Tag später verkündeten rund 30 globale Konzerne aus der Chemie-, Kunststoff-, Konsumgüter- und Abfallbranche, sie hätten ein Bündnis geschlossen, um den Anteil des Plastikabfalls zu reduzieren, der heute in die Umwelt gerät. Die Unternehmen wollen bis 2024 rund 1,5 Milliarden Dollar in den Kampf gegen den Plastikmüll investieren. Teil der Allianz sind etwa die Energiekonzerne Shell und Total.

Laser statt Etikette? Für Migros kein Thema

Im Schweizer Detailhandel ist Plastiksparen schon lange ein Thema. Nach der Migros und Coop zieht nun auch Aldi Suisse nach. Das Unternehmen hat diese Woche bekannt gegeben, dass es in Zukunft Verpackungen sparen will. Einen Viertel weniger Plastik bis 2025, so lautet das Ziel. Die Eigenmarkenprodukte des Detailhändlers sollen bis zu diesem Zeitpunkt in recyclingfähigen Verpackungen oder im Offenverkauf angeboten werden. Ausserdem nimmt Aldi Einwegprodukte aus Plastik aus den Regalen: Zum Beispiel Plastikbecher, Plastikteller oder Besteck. Damit könnte bis zu 15 Tonnen Plastik im Jahr eingespart werden, so Aldi Schweiz in einer Mitteilung. In der Obst- und Gemüseabteilung will Aldi in der Schweiz in diesem Jahr Laserbranding testen. Dabei wird beispielsweise die Deklaration von Kiwis nicht mehr auf einem Etikett oder einer Verpackung, sondern gleich direkt auf der Frucht angegeben. Ein Laser brennt die Angaben in die Schale ein – das Obst soll dabei nicht beschädigt werden. Ausserdem will Aldi die Kunststoffnetze in der Obst- und Gemüseabteilung gegen Netze aus Zellulose tauschen. Auf langjährige Erfahrung im Kampf gegen Plastik können Coop und Migros zählen, und das nicht erst, seit Plastiksäcke an der Kasse 5 Rappen kosten. Die Migros hat sich das Plastiksparen schon lange auf die Fahne geschrieben. Seit 2011 habe das Unternehmen rund 10 000 Tonnen Verpackungsmaterial optimieren können, schreibt eine Sprecherin auf Anfrage. Bis 2020 sollen weitere 6000 Tonnen folgen.

Die Migros habe den Vorteil, dass sie über 80 Prozent der Produkte selber herstelle. So könne sie direkt Einfluss auf die Verpackungen nehmen. «Das unterscheidet uns von anderen Mitbewerbern im In- und Ausland», so die Sprecherin. So habe die ­Detailhändlerin etwa die Verpackungsdicke von Kartoffeln reduziert. Alleine dadurch würden pro Jahr 20 Tonnen Plastik gespart. Ganz auf Plastik zu verzichten ist für die Migros aber kein Thema: «Das erachten wir nicht als zielführend, da Verpackungen aus alternativen Materialien oft eine schlechtere Umweltbilanz aufweisen.» Auch im Sinne des Produktschutzes mache eine Plastikfolie Sinn: «Eine unverpackte Gurke ist nach einigen Tagen nicht mehr verkäuflich, in der Verpackung bleibt sie zwei Wochen frisch», so die Sprecherin. Die Einführung von Laserbranding ist für die Migros momentan kein Thema. «Diese Variante haben wir bereits geprüft», gibt die Sprecherin Auskunft. «Wir haben allerdings festgestellt, dass viele Produkte unter der Kennzeichnung verdorben sind.» Ausserdem hat die Migros Bedenken, ob sich der ­logistische Aufwand lohnt. «Solche Lasermaschine gibt es in der Schweiz bis jetzt nicht, sondern nur in Holland. Die Migros müsste somit alle Produkte nur zum Lasern weit transportieren, was sowohl aus ökologischen Gründen als auch wegen der ­höheren Kosten nicht in Frage kommt», so die Sprecherin.

Coop will Bioproduzenten nicht in die Pflicht nehmen

Ähnlich tönt es beim zweiten grossen Detailhändler Coop. Zwar wagte Coop diesen Sommer einen Versuch und verkaufte Wassermelonen, die mit Laser markiert waren. «Derzeit fehlt es uns allerdings noch an Erfahrungswerten, insbesondere, was die Haltbarkeit weiterer gelaserter Produkte angeht», so eine Sprecherin von Coop. Auch sie verweist auf die logistische Herausforderung, die es mit der Einführung von Lasermarkierungen zu bewältigen gäbe.

«Für unsere vergleichsweise kleinen Bio-Lieferanten würde die Anschaffung einer Lasermaschine eine grosse Investition darstellen. Wir werden keine solchen Anschaffungen verlangen, solange nicht zweifelsfrei erwiesen ist, dass diese Methode die ökologisch sinnvollste Variante ist.» Beide Detailhändler haben sich vorerst für die Lösung entschiedene, Gemüse wo möglich mit Aufklebern zu markieren, statt in Plastik zu packen.

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